Der Konjunkturmotor läuft und läuft und ...

06.06.2017

Erstmals seit Jahren läuft die Weltkonjunktur wieder auf allen Zylindern. Während Europa im Jahr 2011 erneut in die Rezession schlitterte, waren es nach 2013 die Schwellenländer, die in Folge fallender Rohstoffpreise an Wachstumsdynamik verloren. Ende letzten Jahres setzte sich aber auch dieser dritte Zylinder wieder langsam in Bewegung. Der globale Konjunkturmotor läuft damit wieder rund, wenn auch noch nicht auf Hochtouren.

Optimisten sehen eine positive Feedbackschleife zwischen Schwellenländern und den Industriestaaten. In dieser ermöglichen der europäische und US-Amerikanische Konsument den Aufschwung der Schwellenländer, während letztere den Deflationsdruck in den Industrienationen senken. Eine Win-Win-Situation also. Doch die Vergangenheit lehrt uns, vorsichtig zu sein. Es wäre nicht das erste Mal in den vergangenen neun Jahren seit der Finanzkrise, dass ein erhoffter Aufschwung abrupt beendet wurde. Was könnte also wieder zu einem Ausfall eines oder mehrerer Zylinder der Weltkonjunktur führen?
Der noch junge Zinszyklus der US-Notenbank mit bisher drei Zinserhöhungen hatte noch keine nennenswerten Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung der Schwellenländer. Diese haben ausreichend Puffer aufgebaut, um die langsam steigenden Leitzinsen verdauen zu können. Sollte sich der Inflationsdruck in den USA aber deutlich beschleunigen und die US-Notenbank zu aggressiveren Zinserhöhungen zwingen, könnte das das Wachstum in den Schwellenländern gefährden. Doch danach sieht es nicht aus. Die Markterwartungen liegen deutlich unter dem Inflationsziel der Fed. Und auch Notenbankpräsidentin Yellen wies bereits auf den ausbleibenden Inflationsdruck in den USA hin.
Zudem stellt die Finanzstabilität ein potentielles Risiko für die Konjunkturentwicklung dar. Aber auch von dieser Front droht keine unmittelbare Gefahr. Zumindest nicht aus Europa und den USA. Nach Jahren des Schuldenabbaus begannen die privaten Haushalte in den Vereinigten Staaten erst Mitte letzten Jahres wieder mehr Kredite aufzunehmen. Und auch die europäischen Haushalte sind weiterhin vorsichtig in ihren Konsumausgaben. Genauso wie die europäischen Banken in ihrer Kreditvergabe. Wenn hier auch Wachstumsraten zu beobachten sind, dann doch von niedrigen Niveaus. Größtes Sorgenkind diesbezüglich ist China. Chinas Verschuldung ist mittlerweile auf 279% des Bruttoinlandsprodukts gestiegen und weiterhin zunehmend. Während wir dieses Risiko nicht auf die leichte Schulter nehmen, muss folgendes dazu gesagt werden:

 

  1. Die Verschuldung wird ähnlich wie in Japan überwiegend von inländischen Kreditgebern getragen. Die Außenverschuldung ist verhältnismäßig gering.
  2. Die Verschuldung spielt sich überwiegend im öffentlichen Sektor ab und ist damit leichter zu kontrollieren. Zudem verfügt China über immense Aktiva inklusive hoher Devisenreserven.


Neben den bereits in früheren Berichten behandelten politischen Risiken, bleiben als vierter Risikoherd die Kapitalmärkte. Die geringen Kursschwankungen der letzten 12 Monate und die positive Entwicklung der Wertpapierpreise zeigen uns, dass die Markterwartungen bereits hoch sind. Allerdings sind es die Bewertungsunterschiede ebenfalls. Während die Aktienbewertungen in den USA im historischen Vergleich bereits sehr hoch sind, liegen diese in Europa und den Schwellenländer derzeit im historischen Schnitt. Die Bewertungen in Japan erscheinen nach einigen Kriterien gemessen sogar günstig.
Auch wenn immer Vorsicht geboten ist, bleibt trotz der guten Entwicklung der vergangenen Monate weiterhin Potential für die zweite Jahreshälfte bestehen. Es gilt dabei Bewertungsunterschiede an den Kapitalmärkten zu nutzen und die Gefahrenherde weiter zu beobachten.

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