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Gewinnfreibetrag: Alles beim Alten!

3 min Lesezeit

Natürliche Personen mit betrieblichen Einkünften dürfen ihren Gewinnfreibetrag 2017 wieder breiter investieren. Die 2014 vorübergehend eingeführte Beschränkung auf Wohnbauanleihen entfällt für Wirtschaftsjahre ab dem 1.1.2017.

Der Gewinnfreibetrag ist eine fiktive Betriebsausgabe. Alle natürlichen Personen mit betrieblichen Einkunftsarten können ihn unabhängig davon nutzen, ob sie ihren Gewinn mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanzierung ermitteln. Er beträgt auch 2017 maximal 45.350 Euro und setzt sich aus zwei Beträgen zusammen:

1. Grundfreibetrag

Für Gewinne bis 30.000 Euro stehen automatisch 13% als Grundfreibetrag zu (das heißt maximal 3.900 Euro). Für diesen Grundfreibetrag besteht kein Investitionserfordernis gemäß § 10 EStG. Dieser Grundfreibetrag wird im Veranlagungsweg vom Finanzamt „automatisch“ berücksichtigt und steht auch Steuerpflichtigen zu, die ihren Gewinn pauschal ermitteln („Pauschalierer“).

2. Investitionsbedingter Freibetrag

Übersteigt der Gewinn 30.000 Euro, steht zum einen der Grundfreibetrag in der Höhe von 3.900 Euro zu. Zum anderen kann ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden, der davon abhängig ist, in welchem Ausmaß Investitionen getätigt werden. Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag steht bei Gewinnpauschalierung nicht zu. Er ist zudem vom Steuerpflichtigen in der Steuererklärung zu beantragen.

Der Gewinnfreibetrag beträgt:

  • für die ersten EUR 175.000 der Bemessungsgrundlage 13%,
  • für die nächsten EUR 175.000 der Bemessungsgrundlage 7%,
  • für die nächsten EUR 230.000 der Bemessungsgrundlage 4,5%

insgesamt somit höchstens 45.350 Euro. Die Bemessungsgrundlage für den Grundfreibetrag (30.000 Euro) ist in den ersten 175.000 Euro bereits enthalten.

Was sind begünstigte Wirtschaftsgüter?

Als begünstigte Wirtschaftsgüter gelten abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren (Betriebs- und Geschäftsausstattung) sowie Wertpapiere (im Sinne des § 14 Abs. 7 Z 4 EStG), die vier Jahre lang dem Betriebsvermögen gewidmet werden müssen.

Begünstigte Wirtschaftsgüter sind in einem gesonderten Verzeichnis zu führen. Hierbei müssen körperliche Wirtschaftsgüter und Wertpapiere (sämtliche Wertpapiere im Sinne des § 14 Abs 7 Z 4 EStG) getrennt ausgewiesen werden.

Mit dem Abgabenänderungsgesetz 2014 wurde vorübergehend die Einschränkung eingeführt, dass (abgesehen von körperlichen Wirtschaftsgütern) nur der Erwerb von Wohnbauanleihen steuermindernd geltend gemacht werden kann. Das ist nun auf Wirtschaftsjahre beschränkt, die zwischen dem 30.6.2014 und 31.12.2016 liegen

Für Wirtschaftsjahre, die ab dem 1.1.2017 beginnen, können wieder alle Wertpapiere im Sinne des § 14 Abs. 7 Z 4 EStG als begünstigte Wirtschaftsgüter für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag in Anspruch genommen werden.

 

Die oben gennanten Informationen enthalten Antworten zu ausgewählten steuerlichen Fragen rund um den Gewinnfreibetrag und dienen ausschließlich der Information ohne Anspruch auf Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit. Es handelt sich um keine abschließende Darstellung aller in Frage kommenden steuerlicher Aspekte und stellen die Informationen auch nicht auf die individuelle Situation des Erwerbers ab. Sie können daher die rechtliche und steuerliche Beratung im Einzelfall nicht ersetzen. Darüber ob und in welcher Höhe Sie den Gewinnfreibetrag in Anspruch nehmen können sowie über die anwendbare Bemessungsgrundlage informiert Sie ein hierzu befugter Steuerberater. Die Capital Bank - GRAWE Gruppe AG ist kein Steuerberater und zur Vornahme solcher Dienstleistungen auch nicht berechtigt. Wir weisen darauf hin, dass sich sowohl die Rechtslage durch Gesetzesänderungen, Steuererlässe, Rechtsprechung usw. als auch die jeweilige persönliche steuerliche Situation ändern können.

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