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Für den Ernstfall: Vorsorgevollmacht, Sachwalterschaft & Patientenverfügung

11.01.201811. Jänner 2018 3 min Lesezeit

Jeder Mensch kann durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit in eine Situation kommen, in der eine Verständigung mit dem Arzt nicht mehr möglich ist. Deshalb sollte man persönliche Angelegenheiten regeln, wenn man gesund ist. Vorsorgevollmacht, Sachwalterschaft und Patientenverfügung helfen dabei.

Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Persönliche Angelegenheiten in Zeiten guter Gesundheit zu regeln, ist seit mehr als zehn Jahren durch die Errichtung einer so genannten Vorsorgevollmacht möglich. Vorsorgevollmachten entfalten in der Regel ihre volle Wirkung erst dann, wenn der Vollmachtgeber die Geschäfts-, Einsichts-, Urteils- oder Äußerungsfähigkeit verliert. Das kann durch degenerative Erkrankungen im Alter, beispielsweise vaskuläre Demenz oder Alzheimer Demenz, aber auch durch Schlaganfall oder Unfälle in mittleren Jahren geschehen.

Das Vorhandensein einer umfassend ausgestalteten Vorsorgevollmacht macht die Bestellung eines – oft familienfremden – Sachwalters überflüssig. Unter Verwendung der Vorsorgevollmacht kann die darin bestimmte Vertrauensperson jene Angelegenheiten besorgen, die der Vollmachtgeber im Vorhinein festgelegt hat. Der Anwendungsbereich einer Vorsorgevollmacht reicht von medizinischen Maßnahmen über die Bestimmung des Wohnsitzes, Abschluss von Heimverträgen, Verfügung über Konten, Depots bis zur Veräußerung von Liegenschaften.

In den meisten Fällen wird durch Vorlage einer ärztlichen Bestätigung, dass der Vollmachtgeber nicht mehr in der Lage ist, seine Angelegenheiten selbst zu besorgen (Verlust der Geschäfts-, Einsichts-, Urteils- oder Äußerungsfähigkeit), die Vorsorgevollmacht wirksam. Das Wirksamwerden ist vom Notar im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis zu registrieren.

Jede Vorsorgevollmacht ist an die persönlichen Umstände und Bedürfnisse des Vollmachtgebers anzupassen. Eine fundierte rechtliche Beratung vor Errichtung einer Vorsorgevollmacht ist von großer Wichtigkeit, da dem Bevollmächtigten nach Eintritt des Vorsorgefalles mit der Vorsorgevollmacht ein mächtiges Instrument in die Hand gegeben wird, das klug und mit Bedacht zu verwenden ist.

Was ist eine Patientenverfügung?

In einer so genannten Patientenverfügung können konkrete medizinische Behandlungen oder Eingriffe vorab abgelehnt werden. Wie die Vorsorgevollmacht wird die Patientenverfügung vorbeugend für den Fall errichtet, dass dann, wenn eine medizinische Maßnahme ansteht, der Wille des betroffenen Patienten nicht mehr erforscht werden kann oder eine Einwilligung in die Behandlung oder die Ablehnung eines Eingriffes nicht mehr möglich ist.

Patientenverfügungen können verbindlich oder bloß beachtlich ausgestaltet sein: Verbindliche Patientenverfügungen binden Ärzte, Angehörige und auch die Pflegschaftsgerichte. Beachtliche Patientenverfügungen geben hingegen eine bloße Richtung vor: der darin zum Ausdruck kommende Wille des Patienten ist zu beachten; im Einzelfall kann jedoch begründet davon abgegangen werden.

Um sicherzustellen, dass der eigene Wille im Sinn der Patientenautonomie genau befolgt wird, ist eine gründliche Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens unumgänglich.

Das Ergebnis dieser ärztlichen Aufklärung, allen voran die Behandlungen, die Sie strikt ablehnen, müssen in der Patientenverfügung genau angeführt sein. Die ausreichend dokumentierte ärztliche Aufklärung und die Errichtung der Patientenverfügung vor einem Notar oder Rechtsanwalt garantieren deren Verbindlichkeit für fünf Jahre.

Was ist die Sachwalterschaft?

Was der Grundgedanke der Sachwalterschaft ist, wer zum Sachwalter bestellt werden kann, welche Aufgaben er hat und welche Kosten damit verbunden sind, lesen Sie in der Vorsorgebroschüre der GRAWE Bankengruppe. Außerdem erfahren Sie, wie man eine Sachwalterschaft vermeiden kann und wir informieren über Änderungen im Sachwalterrecht ab 01.07.2018.

Vorsorgebroschüre ©Capital Bank - GRAWE Gruppe AG

 

 

 

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