Crash © shutterstock.com

Beginn eines Crashs oder „gesunde“ Korrektur im Aufwärtstrend?

15.02.201815. Februar 2018 5 min Lesezeit

Es ist eine Begleiterscheinung unserer Tage: wir neigen zu Superlativen. Manchmal steigern wir sogar Worte wie „optimal“ in „optimaler“ oder gar „optimalst“. Was spricht also dagegen, wenn im Zusammenhang mit den heftigen Kursrückgängen am Anfang des Monats bereits von einem Crash an den Aktienbörsen gesprochen wurde?

Ganz einfach: ein Crash ist ein ungeordneter Zusammenbruch, z.B. eines Unternehmens, einer Bank oder Börse. Die Tabelle unten zeigt den Indexstand zum Jahresende 2017 verglichen mit dem Schlusskurs vom 12.02.2018.

 29.12.201712.02.2018
Dow Jones Industrial (USA)24.719,2224.601,27
DAX (Deutschland)12.917,6412.248,67
EuroStoxx (Europa)3.503,963.352,83

Wahrheit und Dichtung

Es besteht offensichtlich ein großer Unterschied zwischen Wahrheit und Wahrnehmung. Letztere wird wesentlich von den Medien beeinflusst. Die Überraschung, die Sie wahrscheinlich beim Lesen der Zahlen in der kleinen Tabelle erfahren, hatte ich auch. Crash sieht anders aus. Unsere manipulierte Wahrnehmung spielt uns einen Streich. Vermutlich hatten wir alle erwartet, dass sich der Aufwärtstrend der letzten sieben Jahre ungebremst fortsetzen würde. Im Januar 2018 beschleunigte sich die Bergfahrt noch einmal. Fulminante Kursgewinne! Und dann: Ernüchterung! Die Aktienpreise stürzten ab. In zwei Handelstagen um 10%. Enttäuschte Erwartung trifft auf marktschreierische Berichterstattung.

Also was jetzt: Aktien kaufen, verkaufen oder abwarten?

Bereits im März 2017 stellten wir in einem Artikel die Frage: Sind die Märkte heiß gelaufen und eine Korrektur überfällig?

Wir haben letztes Jahr auf eine Maßzahl verwiesen, die auch gerne als „Börsenblasen-Barometer“ bezeichnet wird: das Shiller KGV. Im Prinzip eine Verbesserung der einfachen Berechnung des Kurs-/Gewinn-Verhältnisses. Nobelpreisträger Shiller nimmt zur Ermittlung seines KGV den zehnjährigen Gewinndurchschnitt statt des Jahresergebnisses des Unternehmens. Das glättet natürlich und macht die Kennzahl besser. Das Shiller KGV ist aktuell zweifellos historisch betrachtet hoch.

Deutet die Entwicklung am Aktienmarkt auf einen Crash hin?

  • Das Shiller KGV ist mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt, der seit 130 Jahren erhoben wird
  • Es liegt so hoch wie 1929. Das Jahr, in dem die Träume vom immer währenden Wirtschaftsaufschwung, von wirtschaftlicher Prosperität, vom schnellen Reichtum an der Börse ein jähes Ende fanden
  • Bisher gab es nur einen Zeitpunkt, an dem das Shiller KGV größer war. 1999 beziehungsweise 2000. Danach platzte die Internetblase.

Das wäre eindeutig - oder doch nicht? Betrachten wir das Thema von einer anderen Seite:

  • Der Investor hat sich seit 1880 (seit diesem Jahr wird der Durchschnitt errechnet) zweifellos sehr verändert.

  • Im März 2009 - die Aktien waren am Boden - war das KGV von Shiller trotzdem nur knapp unter dem Durchschnitt.

  • Im März 2009 verdiente ein Unternehmen im S&P 500 durchschnittlich 8 US- Dollar. Aktuell liegt der Gewinn exakt 13 mal so hoch, also bei 104 US-Dollar. Dennoch werden die Gewinne aus den Jahren 2008 und 2009 mit derselben Gewichtung wie aktuelle Unternehmensergebnisse in das heutige Shiller KGV eingerechnet.

  • Das Shiller KGV wäre um ein Viertel geringer, wenn die furchtbaren Jahre 2008/2009 nicht in der Berechnung wären.

  • Schon seit 1990 ist das Shiller KGV überdurchschnittlich hoch und liegt in 99 % aller Fälle über 15. Anleger sind heute bereit, mehr für eine Aktie zu zahlen als noch vor 30 Jahren als auch die Zinsen drei Mal so hoch waren wie heute.

Was wird die Aktienmärkte in der näheren Zukunft bewegen?

  1. Die Unternehmensgewinne
  2. Die allgemeine Zinsentwicklung: Je höher der Zins, den ein Anleger „risikofrei“ erhalten kann, desto geringer wird sein Appetit auf Aktien sein.

Was wäre aber, wenn…?

  • Der Anstieg der 10-jährigen Staatsanleihen in den USA zu Ende wäre und diese sogar wieder fielen?

  • Die Unternehmensgewinne größer ausfielen als von Analysten erwartet?

Unwahrscheinlich? Nein, eigentlich nicht. Dann würde sich das Shiller KGV deutlich verringern und die Aktien würden zu billig sein. Verrückt, oder? Dichtung und Wahrheit.

Was hilft?

Vertrauen ist gut. Die richtige Bank ist besser. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und finden Sie Ihren perfekten Berater unter: www.perfekterberater.at

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

Terminvereinbarung

Möchten Sie sich unverbindlich von uns beraten lassen?

TERMIN VEREINBAREN

Newsletteranmeldung

Erhalten Sie quartalsweise News & Kommentare aus den Bereichen Private Banking, Volkswirtschaften und Märkte.

Jetzt anmelden

« zurück zur Übersicht

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Blase © pexels

13.03.2017 5 min Lesezeit

Befinden sich die Aktienmärkte in einer Blase?

Seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hat der S&P500 um 12,60% zugelegt. Im Februar markierten die US-Aktienmärkte beinahe wöchentlich neue Höchststände. Und der Börsengang des Online-Unternehmens Snapchat, das erst noch Gewinne schreiben muss, erweckt Erinnerungen an den Dot-Com Boom. Viele Marktteilnehmer fragen sich nun, ob die Märkte heiß gelaufen sind und eine Korrektur überfällig ist.

Wolfgang Ules © Capital Bank
Mag. Wolfgang Ules