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China vs. USA: Wirtschaftlicher Showdown zweier Supermächte?

25.04.201825. April 2018 5 min Lesezeit

Als Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde, feierte ihn die Wallstreet mit der Aussicht auf niedrigere Steuern für US-Konzerne, die Reduzierung von Regulierungsvorschriften und milliardenschwere Infrastrukturprogramme. Im Amt entpuppte sich der neue US-Präsident allerdings wiederholt zum Börsenschreck. Eine alte Börsenweisheit besagt: Politische Börsen haben kurze Beine.

Und Trump bestätigt es immer wieder. Vor nicht einmal einem Jahr beschäftigte der Streit zwischen USA und Nordkorea die Kapitalmärkte. Kurz und intensiv, aber nicht nachhaltig. Inzwischen steht ein persönliches Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un im Raum. Von Ruhe ist dennoch keine Spur. Trump droht der Welt mit Handelszöllen. Doch auch dabei sollte man das große Bild nicht aus den Augen verlieren.

Es gibt immer Streit, wenn ein Neuer das Rudel anführen will

Der jüngste Handelskonflikt ist das Symptom einer Rivalität zweier Supermächte. Einer herrschenden und einer aufstrebenden. Wie soll man als Präsident der führenden Supermacht mit dieser Situation umgehen? In Tweets verbreitet Trump eine scheinbar einfache Lösung: China exportiert mehr in die USA, als die USA nach China. Also müssen Zölle das Verhältnis wieder ins Gleichgewicht bringen, so Trump. Das ist eine sehr vereinfachte Darstellung. Denn der Handel zwischen zwei Ländern ist kein Nullsummenspiel, in dem es immer EINEN Gewinner und EINEN Verlierer gibt. Die Anwendung der Spieltheorie auf das konkrete Fallbeispiel zeigt, dass es langfristig entweder ZWEI Gewinner, oder ZWEI Verlierer gibt. Im Übrigen gibt es dabei auch keinen lachenden DRITTEN. Dennoch ist Trumps Vorgehen nicht irrational. Er weiß um die Bedeutung der Exporte für Chinas Aufstieg. China kann nicht mit einer „Tit-for-Tat“ Strategie antworten. Mit seinen Manövern verbucht Trump somit kurzfristige Vorteile für die USA und seine eigene innenpolitische Stellung.

Rollentausch in der Weltwirtschaft?

Der optische Rollentausch im Welthandel verwundert daher nicht. Während US-Präsident Trump seinen Handelspartnern aus taktischen Gründen mit Strafzöllen droht, positioniert sich der chinesische Staatspräsident Xi Jingping gegen den Protektionismus der USA. Während des letzten asiatischen Wirtschaftsforums versprach er geringere Zölle auf Autoimporte. Ebenso kündigte er einen leichteren Marktzugang und bessere Bedingungen für ausländische Investoren an. Der Finanzsektor soll sich weiter öffnen und die Börse in Shanghai strebt einen Handelslink mit der London Stock Exchange an.

Zimperlich und fair geht anders

Tatsächlich geht China in der Transformation vom Agrarstaat zur Supermacht nicht zimperlich vor. Seit Jahrzehnten zahlten westliche Firmen für den Eintritt in den chinesischen Markt. „Freiwilliger Technologietransfer“ heißt das Stichwort, mit dem Unternehmen gezwungen werden, ihr Know-how an chinesische Konkurrenten weiter zu geben. Und natürlich subventioniert China seine Industrien und schützt sie mit Zugangsbeschränkungen und Handelszöllen. Der enorme Handelsbilanzüberschuss erlaubt China außerdem großangelegte Einkaufstouren, von griechischen Mittelmeerhäfen bis ins Silicon Valley. Trump hat jedes Recht, dieses Vorgehen scharf zu kritisieren.

Der Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht

Die USA und Europa tun sich daher schwer mit dem aufsteigenden Riesen. Für beide ist China ein ungleicher Gegner. Mit 1,39 Milliarden Einwohnern ist China mehr als viermal so groß wie die USA oder der Euroraum. Deren Bevölkerung liegt mit 325 Millionen beziehungsweise 337 Millionen auf Augenhöhe. An Marktpreisen gemessen, ist Chinas Wirtschaftsleistung noch etwa ein Drittel niedriger als jenes der USA. Der Aufholprozess ist aber weiter im Gange. Angenommen, Chinas Wachstum verlangsamt sich in den nächsten Jahren auf durchschnittlich 4,5% (aktuell 6,5% mit Prognosen des IWF bis 2021 über 6%) und die USA schaffen ein durchschnittliches Wachstum von 2% (Aktuell 2,3% mit Prognosen des IWF bis 2021 deutlich unter 2%), dann übernimmt China am GDP gemessen, bereits in zwanzig Jahren die Spitzenposition der USA.

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Schon zur Halbzeit, also etwa in zehn Jahren, könnte China zu den so genannten „High-Income“-Staaten zählen. Das sind jene Länder mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 12.500 US-Dollar pro Einwohner. Mit dieser Entwicklung steigt auch die Bedeutung des Inlandskonsums für die chinesische Wirtschaft. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit der chinesischen Wirtschaft von seinen Exporten. Eine riesige Chance auch für westliche Konzerne, für die China und der gesamte asiatische Raum schon heute ein großer Markt ist.

Wir tragen dieser Entwicklung bei der Auswahl unserer Aktien Rechnung. Viele unserer Investments haben einen großen Bezug zum chinesischen – und asiatischen - Markt. So generiert Apple etwa 20% seiner Umsätze in China, Swatch sogar 35%.

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geschrieben von Mag. Wolfgang Ules

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