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Handelszölle haben nur Verlierer ...

20.06.201820. Juni 2018 4 min Lesezeit

... das sagen die Wirtschaftsforscher. Trump meint, ein Handelskrieg sei leicht zu gewinnen. Wie kann man etwas gewinnen, das nur Verlierer kennt? Oder gibt es doch Profiteure? Einen Mann kann man als großen Gewinner des letzten Konflikts um Stahl bezeichnen. Er ist heute Handelsminister der USA, 80 Jahre alt, gehörte bis 2017 zu den 400 reichsten Amerikanern und wird an der Wall Street "König der Bankrotteure" genannt.

Erinnern Sie sich noch daran? 2002 erließ Bush ebenfalls Handelszölle für die Stahlindustrie. Die EU reagierte mit gezielten Gegenmaßnahmen. Die Aktionen Bushs halfen der angeschlagenen US-Stahlindustrie, sich zu regenerieren. Nach 21 Monaten hob Bush die Tarife wieder auf. Noch bevor die neuen europäischen Zoll-Regeln einsetzten. Und es gab Gewinner: zum Beispiel Wilbur Ross. Er kaufte 2002 eine Reihe bankrotter Stahlfirmen. Der prominenteste Einkauf seiner Shopping Tour war Bethlehem Steel. Die Strafzölle von Bush halfen den Unternehmen, wieder Geld zu verdienen und erhöhten dadurch ihren Wert. Ross verkaufte die Firmen nach erfolgreicher Sanierung an den Inder Lakshmi Mittal - für 4,5 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn für Ross waren 260 Millionen Dollar. Wilbur Ross hat also sehr gute Erfahrungen mit Straf- beziehungsweise Schutzzöllen gemacht. Wilbur Ross? Kennen Sie nicht? Aktuell ist der 80-Jährige Handelsminister im Kabinett von Präsident Donald Trump und dessen Nachbar in Florida und New York. Ein guter Kumpel eben. Vor 30 Jahren haben sich die beiden kennen gelernt. Damals war Ross Chef der Insolvenz-Abteilung bei Rothschild und Trump war gerade mit seinen drei Casinos in Atlanta Pleite gegangen. Ross vertrat Trumps Gläubiger und rettete dabei die Unternehmen von Trump.

Make America great again

Heute ist der Immobilien-Tycoon US-Präsident und will Amerika wieder groß machen. Das hat er während seines Wahlkampfs im Jahr 2016 versprochen. Jetzt muss er seine Versprechungen wahr machen. Im November stehen die Zwischenwahlen (englisch „midterm elections“) an. Sie gelten nicht nur als Stimmungsmesser für eine Präsidentschaft. Die Zwischenwahlen können auch das politische Kräfteverhältnis in den USA neu ordnen. Mit der Gesundheitsreform ist Trump gescheitert. Auch der Mauerbau an der Grenze zu Mexiko wird nicht annähernd das Niveau des Wahlkampfversprechens erreichen. Auf der Habenseite steht die US-Steuerreform. Außenpolitisch kann Trump das historische Treffen mit Kim Jong-Un für sich verbuchen. Ein Ergebnis im Handelsstreit könnte den Republikanern im November den Wahlsieg bescheren. Das wäre auch für Trump ein persönlicher Triumph.

Wer soll Trump maßregeln?

Aber wie soll ein solcher Streit gewonnen werden? Erster Verlierer ist bereits die Welthandelsorganisation, unter deren Aufsicht sich Trump durch den Pausenhof rüpelt. Darüber hinaus gibt es keinen Schuldirektor, der den Schulhofschläger zu sich zitieren kann. Die Streithähne müssen es sich also untereinander ausmachen. Doch bisher schaukelte sich die Situation nur auf. Ausgehend von Aluminiumimporten im Gegenwert von 29 Milliarden US-Dollar, schießt sich Trump zunehmend auf die Autoimporte ein. Mit 192 Milliarden US-Dollar ein lohnendes Ziel, zumindest aus der Sicht des US-Präsidenten. Wie aber rechtfertigt man ein solches Vorgehen vor seinen Handelspartnern? Hier kommt wieder Wilbur Ross ins Spiel. Er initiierte im Mai eine Studie, die belegen soll, dass Autoimporte die nationale Sicherheit der USA gefährden würden. Europa warnt vor einer solch faden Argumentationslinie, die allen gängigen Konventionen widerspricht. Doch um Konventionen kümmert sich Trump bekanntlich nicht. Also droht Europa seinerseits mit Gegenmaßnahmen auf US-Waren im Wert von 300 Milliarden US-Dollar. Auch China stößt in dasselbe Horn und will sich von Trump nicht einschüchtern lassen. Die Drohungen erreichen damit ein Ausmaß, das den Welthandel ernsthaft gefährdet.

Ist bereits Schaden entstanden?

Doch soweit muss es gar nicht kommen um Schaden anzurichten. Die jüngsten Umfrageergebnisse des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die als wichtiger Konjunkturindikator für Deutschland gelten, zeigen bereits eine deutliche Eintrübung der Geschäftserwartungen. Und auch die Notenbanken Europas und der USA zeigten sich in ihren jüngsten Sitzungen besorgt über die möglichen Auswirkungen des Handelsstreits auf die Konjunkturentwicklung. So bleibt nur der dringende Appell, den Streit bald zu beenden. Sonst kommt niemand mit einem blauen Auge davon.

Wolfgang Ules © Capital Bank
geschrieben von Mag. Wolfgang Ules

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