Bullen- oder Bärenmarkt © www.shutterstock.com

Von Bullen und Bären

14.09.201814. September 2018 2 min Lesezeit

Der aktuelle Bullenmarkt in den USA läuft jetzt schon seit März 2009. Eine lange und sehr renditestarke Zeit. Aber: Ist es oder ist es nicht der historisch längste Bullenmarkt der Aktienmarktgeschichte? Geht es nach Donald Trump, ist er es. Am 22. August gratulierte er den USA zum längsten Bullenmarkt der Geschichte. Seit diesem Tweet wurden wir wiederholt von Kunden, Medien und „Börsenprofis“ mit unserer Eingangsfrage konfrontiert. Was wir bemerken: Zu oft werden Informationen ungeprüft übernommen und wiedergegeben. Daher an dieser Stelle ein paar Fakten.

326,87 % Performance seit März 2009

In Folge der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2008 erlebte der US-Amerikanische Aktienmarkt (gemessen am S&P 500) am 9. März 2009 bei 676,53 Punkten einen lokalen Tiefstand. Im seither andauernden Bullenmarkt legte der US-Aktienmarkt 326,87% zu (Daten per 11. September 2018). Zwischenzeitliche Korrekturen gab es zwar, keine davon war aber größer als 20%. Damit ist der US-Bullenmarkt seit exakt 3.473 Tagen intakt. Das sind erfreuliche und beeindruckende Zahlen.

Aber ist es tatsächlich der längste Bullenmarkt der US-Geschichte?

Die Antwort liegt in der Definition eines Bullen- und Bärenmarktes. Üblicherweise spricht man von einem Bärenmarkt, wenn die Kursverluste ausgehend vom letzten Hoch mehr als 20% betragen. Auf Basis von Tagesschlusskursen hat es tatsächlich einen Bullenmarkt gegeben, der deutlich länger andauerte als der aktuelle. In Folge des schwarzen Montags verzeichnete der S&P 500 am 4.12. den Tiefstand des Jahres 1987 bei 223,92 Punkten. Der anschließende Bullenmarkt dauerte exakt 4.493 Tage (gegenüber 3.473 Tagen in der jetzigen Hausse). Erst am 23.03.2000 verzeichnete der Aktienmarkt sein Zwischenhoch bei 1.527,35 Punkten. Ein Plus von 582,1% (gegenüber 326,87%).

Tagesschluss- versus Tagesverlaufskurse. Eine Frage der Perspektive.

Allerdings wurde es im Jahr 1990 sehr knapp. Der S&P 500 verzeichnete mit Schlusskurs vom 11. Oktober 1990 ein Minus von 19,92%. Im Verlauf dieses Tages (man spricht von „Intraday“) unterschritt der S&P 500 tatsächlich die 20%-Marke. Intraday wurde der Bullenmarkt also kurz unterbrochen. Auf Basis von Intradaykursen erleben wir also tatsächlich gerade den längsten Bullenmarkt in der Geschichte des S&P 500. Zumindest, wenn man die 20%-Grenze als Definition heranzieht. Aber auch diese ist völlig willkürlich. Warum nicht -18 oder -22%? Bei -18% würde der aktuelle Bullenmarkt erst 2.535 Tage andauern. Das Plus wäre mit 162,72% nur halb so groß wie bei jenen 326,87%, die sich bei einer Grenze von -20% ergeben.

Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche

Sie sehen also, vieles hängt davon ab, wie man Bären- und Bullenmärkte definiert. Daher lässt sich auch von der Länge eines Bullenmarktes wenig darüber sagen, wann die nächste Korrektur eintritt. Bullenmärkte sterben eben nicht an ihrem Alter.

Bleibt noch die Frage, ob man die Meinung Trumps über die Länge des Bullenmarktes teilt oder nicht. Und wie viel Aussagekraft die Dauer oder auch Rendite eines Bullenmarktes auf die weitere Entwicklung des Marktes haben wird. Aber diese Fragen müssen Sie jetzt für sich selbst beantworten.

Fazit:

Egal, welcher Definition Sie folgen, leiten Sie keinesfalls Investmententscheidungen daraus ab. Es kommt immer ein längerer oder erfolgreicherer Markt. Das gilt nicht nur für die Aktienbörsen. Oder wer hätte geglaubt, dass ein Fußballverein bereit wäre, mehr als 200 Millionen Euro für einen Spieler zu bezahlen?

Wolfgang Ules © Capital Bank
geschrieben von Wolfgang Ules

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