Börse Einbahnstraße © pexxels.com

Die Börse ist keine Einbahnstraße! Oder warum nur 10 Tage im Jahr entscheidend für Ihre Performance sind

5 min Lesezeit

Seit März 2009 beherrschten die Bullen den Aktienmarkt. Von Investoren, Anlegern und Beratern wurden die zwischenzeitlichen – teils kräftigen- Abschwünge vergessen. Der Dezember 2018 hat indes eindrucksvoll gezeigt, dass die Börse keine kurzfristige Einbahnstraße ist (über die Einbahnstraßen-Thematik lässt sich übrigens streiten) und hat den Aktionären einen hässlichen Jahresausklang beschert. Den schlechtesten seit vielen Jahren.

Der Januar 2019 ließ dann vermuten, dass die Optimisten die Börsen wieder fest im Griff haben. Die erste Hälfte des Februars ließ erneut Zweifel aufkommen. Dann ging es aber steil bergauf. Ist es nun der Startschuss zu einer neuen Rallye? Die Fortsetzung des längsten Bullenmarktes - trotz politischem Gegenwind?

Chancen ergeben sich durch fallende Preise bzw. Kurse

Welche Chancen Ihnen dieses Rauf und Runter bietet und warum ausschließlich diejenigen Investoren erfolgreich sein können, die im Markt investiert bleiben, lesen Sie in diesem Blog. Obwohl – oder besser gerade weil aus heutiger Sicht die nächsten Monate eine mögliche Berg- und Talfahrt erahnen lassen.

Das folgende Schaubild zeigt Ihnen die bereits erwähnten und vergessenen zwischenzeitlichen Kurseinbrüche. Er veranschaulicht, welche Chancen gerade jetzt im Markt sind und warum Sie keinesfalls dem Aktienmarkt den Rücken kehren sollten.

Risiko/Ertrag Historisch - DAX

Verluste des DAX Index im Jahresverlauf gegenüber den Erträgen des Kalenderjahres: Trotz eines durchschnittlichen Rückgangs von rund 19% im Jahresverlauf sind die Jahreserträge in 11 von 14 Jahren positiv (durchschnittlich +8,9%)

Risiko-Ertrag-DAX ©Capital Bank

 

Quelle: eigene Berechnungen (Stand 31.12.2018)

Die Karos zeigen Ihnen, welchen maximalen Verlust (maximum drawdown) Sie aushalten mussten, um die Rendite der Balken zu erzielen. Der Chart verdeutlicht eindrucksvoll, dass es immer nötig war, Verluste zu akzeptieren, um letztlich Gewinne erzielen zu können. Keine Gewinne ohne Verluste! Diese Information ist für sich betrachtet bereits wertvoll. Allerdings schließt sich, fast schon gezwungen, folgende Frage an:

Kann man die Verluste durch geschicktes Market-Timing nicht verhindern?

Sie erwarten jetzt die Antwort, die Sie schon sehr oft gehört haben! „Die Ruhmeshalle der Market-Timer ist ein leerer Saal.“ Oder „Nein, Market-Timing ist unmöglich, entscheidend für die Rendite ist „Time in the market“ usw.

Sie bekommen hier aber keine Antwort von der Stange. Wir haben uns viele unterschiedliche Zeitreihen und Indizes angesehen. Zur Verdeutlichung haben wir für Sie das starke Börsenjahr 2012 gewählt. Warum ausgerechnet 2012? In diesem Jahr verzeichnete der DAX einen zwischenzeitlichen Rückgang, der nahe des langjährigen Durchschnittsverlusts lag. In Summe erzielte der Anleger jedoch vom Jahresbeginn bis –ende eine Rendite von 29,06 %. Der maximale Verlust 2012 vom letzten Hoch betrug -16,60%. Wichtig für die Untersuchung ist eine weitere Zahl: Das Jahr besteht aus ungefähr 250 Handelstagen (die Zahl variiert nach Land und Lage der Feiertage). Das Jahr 2012 hatte im DAX genau 254 Handelstage.

Bevor Sie jetzt weiterlesen testen Sie ihr Wissen! Nehmen Sie sich bitte ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Ihre Schätzungen zu folgenden Daten für das Jahr 2012 und den DAX darauf:

  • Anzahl der negativen Tage
  • Anzahl der positiven Tage
  • Höchster Tagesgewinn
  • Höchster Tagesverlust
  • Wie viele Tage wären nötig gewesen, um die Jahressrendite zu erzielen?
  • Wann waren die renditestärksten Tage?

Nur 2,36% der Handelstage – nämlich sechs (!) - waren für etwa 75% der gesamten Rendite verantwortlich. Gerade einmal 10 Tage (3,94 %) waren nötig, um die gesamte Jahresperformance zu überbieten. Ganz wichtig für Sie: Das Ergebnis können Sie auf andere Jahre und Indizes übertragen. Es ist das stets gleiche Bild! Nur wenige Tage erzielen die gesamte Jahresperformance.

Die folgende Tabelle beantwortet fünf der sechs Fragen, die Sie für sich aufgeschrieben hatten. Vergleichen Sie bitte Ihre abgegebenen Tipps mit den Werten in der Tabelle.

Anzahl negative TageAnzahl positive Tagehöchster Tagesgewinngrößter Tagesverlustnotwendige Tage
     
1161384,33%-3,42%10

Die sechste Frage

Die Perioden mit den stärksten Ergebnissen folgten den Zeitabschnitten mit den größten Verlusten. Warum? In dieser Zeit ist die Angst vor weiteren Kursverlusten am größten. Die wenigsten Investoren trauen sich in den Markt einzusteigen. Die Börsenlegende Warren Buffet meinte dazu:

„Sei ängstlich, wenn die Anderen gierig sind. Und sei gierig, wenn die Anderen ängstlich sind.“

Der Großteil der Anleger und Investoren handelt genau anders. Die Masse steckt an.

Überrascht Sie das Ergebnis?

Gratulation, wenn Sie die richtigen Ergebnisse wussten. Aber keine Sorge, falls Sie daneben lagen: Sie befinden sich in guter und großer Gesellschaft. Die Untersuchung zeigt eindeutig, dass das richtige Timing von Ihnen verlangt, dass Sie genau die 4 % der Handelstage treffen, die den Gewinn ausmachen. Obendrein müssen Sie das Ziel zu einem Zeitpunkt treffen, an dem Ihr Standpunkt stark schwankt und es draußen kräftig stürmt.

Übrigens, wenn Sie an den zehn schlechtesten Tagen investiert waren und dann dem Markt den Rücken gekehrt haben, erzielten Sie ein Minus von 27,68 %. Diese schlechten Tage folgen zudem regelmäßig den guten. Das Risiko die schlechten Tage zu erwischen, ist statistisch betrachtet ähnlich groß wie die Chance die guten Tage zu treffen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Anleger, die versuchen den Markt zu timen, häufiger an den schlechten Tage investiert sind, als an den guten, weil sie in der Regel nach guten Börsentagen kaufen und nach schlechten verkaufen.

Lassen Sie sich für folgende Grafik ausreichend Zeit. Sie zeigt die Verteilung der guten und schlechten Tage des Börsenjahres 2012.

tägliche Performance ©Capital Bank

Eine Illusion

Die Schaubilder und Zahlen lassen nur eine Schlussfolgerung zu. Desillusionierend, aber wahr: der Traum aller Investoren und Anleger, nämlich ein System für das richtige Timing zu haben, gleicht der –erfolglosen und verlustreichen- Suche nach dem heiligen Gral. Beide Ereignisse füllen Bücher, erzählen fesselnde Geschichten und erschaffen Legenden und Helden. Für beide Illusionen finden Sie glühende Verfechter und fanatische Anhänger. Gefunden wurde aber weder der heilige Gral, noch das perfekte System für das richtige Timing.

Wie wird sich die Untersuchung für Sie trotzdem rentieren?

Ziehen Sie die richtigen Schlüsse und hören Sie nicht auf Prognosen, vielversprechende neue Handelssysteme oder Propheten. Bleiben Sie grundsätzlich investiert.

So einfach? Investieren und abwarten? Wozu braucht man dann die Heerscharen von Analysten und Beratern? Die Anlage von Geld ist also total einfach?

NEIN! Das ist die falsche Schlussfolgerung. Sie brauchen die Analysten nicht für den Zeitpunkt des Investments. Sie benötigen sie für die richtige Zusammensetzung und die Auswahl Ihrer Investments. Mindestens genauso wichtig ist Ihr persönlicher Berater. Er ist Ihr mentaler Coach. Er hält Sie in allen Momenten mit den richtigen Argumenten im Markt. Er zerstreut Ihre Zweifel. Er ist Ihr Fels in der Brandung. Er bewahrt Sie vor Fehlern. Er passt Ihre Investition an Ihre Lebensverhältnisse an. Er ist das Verbindungsglied zum Verwalter und gleicht Ihre Ziele mit dessen genutzten Werkzeugen ab.

Die Börse ist keine Einbahnstraße

„Das müssen Sie verstehen, Kursverluste gehören einfach dazu. Die Börse ist schließlich keine Einbahnstraße.“ Das bekommen Sie häufig dann von Ihrem Berater zu hören, wenn er Begründungen für mögliche Kursverluste sucht, oder? Und jeder weiß, was damit gemeint ist; die Kursentwicklung an den Börsen kennt nicht nur eine Richtung. Insofern ist der Vergleich mit einer Einbahnstraße unpräzise. Eine Einbahnstraße kann natürlich ebenso wie die Börse kurzfristig die Richtung ändern. Man kann auch aus mehreren Straße in die Einbahn einbiegen.

Tatsächlich fährt aber sowohl die Einbahnstraße als auch die Börse letztlich nur in eine Richtung. Steigen Sie ein, bleiben Sie auf der Straße, lassen Sie sich nicht von Abzweigungen ablenken und vertrauen Sie Ihrem Chauffeur. Er hält Sie in der Spur.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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