Testament © Capital Bank/pexels.com

Erben will gelernt sein! Oder warum ein Testament immer sinnvoll ist

3 min Lesezeit

Theoretisch ist es nicht immer nötig, ein Testament zu errichten. Doch die Realität schaut oft anders aus: Um vor allem seinen Angehörigen (kostspielige) Streitigkeiten zu ersparen, sollte man noch zu Lebzeiten an ein Testament denken – und es auch formal richtig gestalten. Was Sie beim Vererben beachten müssen, verrät Ihnen unser neuester Blog.

Wann ist ein Testament nötig?

Hinterlässt eine verwitwete Testatorin zwei Kinder, die sie zu gleichen Teilen als Erbe einsetzt, ist ein Testament entbehrlich. In dem Fall würden beide Nachkommen laut Erbrecht je zur Hälfte erben. Will man jedoch genaue Aufteilungen machen („Erbteilungsanordnung“), zB der Tochter das Elternhaus und dem Sohn das Ferienhaus vermachen oder nicht blutsverwandte Personen bedenken, dann kann das nur durch die Errichtung einer letztwilligen Verfügung („Testament“) passieren.

Wer hat einen Pflichtteilsanspruch?

Nach österreichischem Recht haben eigene Kinder und der Ehegatte einen so genannten Pflichtteilsanspruch. Das bedeutet, dass sie immer einen Teil des Nachlasses der Eltern oder des Ehegatten bekommen müssen. Zumindest wenn sie darauf nicht bereits zu Lebzeiten durch Abgabe eines Pflichtteilsverzichtes verzichtet haben oder im Verlassenschaftsverfahren erklären, keine Pflichtteilsansprüche geltend zu machen. Eltern haben seit 01.01.2017 keine Pflichtteilsansprüche mehr. Geschwister, Neffen oder Nichten waren niemals pflichtteilsberechtigt.

Pflichtteilsberechtigte Personen müssen vom Testator immer bei der Regelung des Nachlasses beachtet werden. Sie erhalten laut Gesetz die Hälfte von dem, was sie bekommen würden, wenn es kein Testament gäbe. Gibt es keine Pflichtteilsberechtigten, kann man seine letztwillige Verfügung frei gestalten.

Wie sieht die erbrechtliche Situation von Lebensgefährten aus?

Das gesetzliche Erbrecht des Lebensgefährten ist sehr schwach ausgestaltet. Soll der Lebensgefährte einen Teil oder die gesamte Verlassenschaft erhalten, ist es empfehlenswert, ihn in einem Testament als Erbe einzusetzen, andernfalls könnte er womöglich leer ausgehen. Liegt kein Erbberechtigter vor und wurde auch kein Testament errichtet, fällt die gesamte Verlassenschaft dem Bund zu. Mehr dazu lesen Sie in der Vorsorgebroschüre der GRAWE Bankengruppe, die Sie hier kostenlos anfordern können.

Wie muss ein Testament errichtet werden, damit es gültig ist?

Eine letztwillige Verfügung muss bestimmte gesetzliche Formvorschriften erfüllen. Ansonsten wäre es ungültig und die gesetzliche Erbfolge greift. Konkrete Vermögensaufteilungen unter den Nachkommen sind genauso wichtig wie nachvollziehbare und eindeutige Formulierungen.

Die einfachste Art eine letztwillige Verfügung zu errichten, ist die „eigenhändige Form“. Solange man noch schreiben kann, ist diese Form zu empfehlen. So kann man beispielsweise vor schweren Operationen alles regeln. Damit das Testament so gültig ist, muss es zur Gänze selbst geschrieben und unterschrieben sein. Ein Datum muss man nicht anführen, wird aber empfohlen. Leider sind eigenhändige Testamente oft unpräzise und widersprüchlich. Deshalb empfehlen wir, das Testament von einem Notar oder Anwalt Ihres Vertrauens erstellen zu lassen („fremdhändiges Testament“). Um gültig zu sein, müssen die Unterschriften von drei geeigneten Zeugen angeführt und weitere formale Aspekte berücksichtigt werden. Ist man körperlich eingeschränkt (zB durch einen Schlaganfall), stehen Sonderformen zur Verfügung, die von einem Notar aufgenommen werden können.

Wie muss ein Testament aufbewahrt werden?

Das Original des Testaments sollte an einem sicheren und neutralen Ort verwahrt werden. Leider werden gerade handschriftliche Verfügungen oft so gut versteckt, dass sie nach dem Ableben des Testators unauffindbar sind. Oder aber sie sind zu leicht zugänglich, dass sie ein „übergangener“ Erbe möglicherweise nicht beim Notar als Gerichtskommissär abliefert, sondern dem Feuer überantwortet. Die Auffindbarkeit und sichere Verwahrung letztwilliger Verfügungen ist neben der formgültigen Errichtung aber entscheidend für die Durchsetzung des Willens des Verstorbenen. Notare sind verpflichtet, alle von ihnen verwahrte letztwillige Anordnungen und erbrechtsbezogene Urkunden im Zentralen Testamentsregister des Österreichischen Notariats zu registrieren. Dabei werden nur Name, Geburtsdatum, Anschrift und verwahrender Notar, nicht aber der Inhalt der Urkunde gespeichert.

Kann man ein Testament ändern?

Persönliche Umstände können sich ändern, eingesetzte Erben versterben. Dann wird die Anpassung letztwilliger Verfügungen vorzunehmen sein. Grundsätzlich empfiehlt es sich, das Testament alle 3 – 5 Jahre zu überprüfen. In der Regel hebt ein späteres Testament ein früher errichtetes automatisch auf. Der letztwillig Verfügende kann ein bestehendes Testament jederzeit ändern oder widerrufen – vorausgesetzt die so genannte „Testierfähigkeit“ ist gegeben: Die Fähigkeit letztwillige Verfügungen zu errichten sowie wieder aufzuheben. Die Bestellung eines Sachwalters schließt die gültige Errichtung einer letztwilligen Verfügung nicht aus. Die Person, für die ein Sachwalter bestellt ist, muss bloß die kognitiven Fähigkeiten eines 14-Jährigen und die erforderliche Einsichtsfähigkeit haben.

Gerade bei beginnenden dementiellen Erkrankungen ist die Einholung eines ärztlichen Attestes im engen zeitlichen Zusammenhang mit der Errichtung einer letztwilligen Verfügung anzuraten. Dadurch lassen sich im späteren Verlassenschaftsverfahren oder Erbrechtsstreit Zweifel an der Gültigkeit der letztwilligen Verfügung entkräften.

Wie sich ein Testament auf Wohnungseigentumsanteile auswirkt, was mit Firmenanteilen oder Lebensversicherungen im Ablebensfall passiert und wer erbt, wenn kein Testament vorhanden ist sowie vieles mehr lesen Sie in der Vorsorgebroschüre der GRAWE Bankengruppe. Diese können Sie hier kostenlos bestellen.

Vorsorgebroschüre ©Capital Bank - GRAWE Gruppe AG

 

Ihr Exemplar bestellen

Karoline Lorber © Wild & Wunderbar
geschrieben von Karoline Lorber

Terminvereinbarung

Möchten Sie sich unverbindlich von uns beraten lassen?

TERMIN VEREINBAREN

Newsletteranmeldung

Erhalten Sie quartalsweise News & Kommentare aus den Bereichen Private Banking, Volkswirtschaften und Märkte.

Jetzt anmelden

« zurück zur Übersicht

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Unternehmensnachfolge © pexels.com

5 min Lesezeit

Unternehmensnachfolge gesucht?

Bis zu 90.000 Familienunternehmen stehen aktuell vor dem Thema „Unternehmensnachfolge“. Es geht um viel: Um Immobilien, Wertpapiere, Patente. Darum, dass Ihre Familie weiterhin den Standard genießt, den Sie erarbeitet haben. Aber auch darum, den Nachfolger im Familienbetrieb zu bestimmen – was ein Streitpotenzial mit sich bringen kann. Und natürlich um die Zukunft der Beschäftigten und deren Familien. Nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit und fragen Sie sich: Wie stellen Sie sich die Übergabe Ihres Unternehmens vor?

Vorsorgevollmacht © shutterstock

3 min Lesezeit

Selbstbestimmung oder Sachwalterschaft?

Stellen Sie sich vor, Sie führen mit Ihrem Ehemann ein Unternehmen. Aufgrund eines schweren Schlaganfalls ist seine Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt. Und ihm wird ein Sachwalter an die Seite gestellt. Der Sachwalter handelt aber nicht im Sinne des Familienbetriebs und es kommt zur Zerschlagung des Unternehmens. Klingt unglaublich, kann aber schlimmstenfalls tatsächlich passieren. Wie man das verhindern kann, was sich seit 1. Juli 2018 an der Sachwalterschaft geändert hat & wie Sie zur Ihrer persönlichen Vorsorgebroschüre kommen, verraten wir in diesem Blog.

Close