Warum Anleger jubeln © Capital Bank

Warum Anleger in Vermögensverwaltungen seit Jahresbeginn jubeln können!

3 min Lesezeit

Eine kleine Übersicht in die Wertentwicklung verschiedener Anlageklassen im Jänner und Februar zeigt warum:

Amerikanische Aktien11,08%
Europäische Aktien9,89%
Japanische Aktien6,85%
Europäische Renten1,08%
Gold2,40%
Rohöl22,73%

 

Zusätzlich konnten viele Währungen gegen den Euro zulegen und erhöhten dadurch die Performance des Euro-Anlegers. Positive Vorzeichen, wohin man sieht! Wer konnte nach den schlechten Monaten zum Jahresende damit rechnen? „Sei gierig, wenn die Anderen Angst haben. Sei ängstlich, wenn die Anderen gierig werden.“ - Warren Buffet.

In den USA markiert der Kursgewinn von 11,08% das sechstbeste Ergebnis seit 1928. Die Verluste des Schlussquartals 2018 konnten annähernd aufgeholt werden.

Je höher die Aktienquote – Risikokomponente - der Vermögensverwaltung, desto besser war die Rendite seit Jahresbeginn.

Die aktuelle Börsenlage

An dieser Stelle lohnt daher ein Blick auf die aktuelle Situation. Dabei wollen wir zwei wesentliche Treiber der Aktienmärkte betrachten: „Fundamentaldaten“ und „Börsenpsychologie“, häufig auch „Sentiment“ genannt. In den vergangenen Wochen und Monaten trugen beide maßgeblich zu den Kursbewegungen bei. Ein erfolgreicher Vermögensverwalter muss beides beobachten. Die Auswirkungen des Sentiments werden für Anleger und Vermögensverwalter immer offensichtlicher und unter kurzfristigen Aspekten wichtiger.

Was versteht man unter Sentiment?

Von Seiten der Fundamentaldaten gab es im vergangenen Jahr eine Reihe von Entwicklungen, die das Sentiment an den Kapitalmärkten belasteten. In Europa kühlte sich der Konjunkturausblick merklich ab. In den USA stiegen gleichzeitig die Sorgen, die US-Notenbank würde ihre Geldpolitik über die Maßen straffen und Donald Trump verschärfte zudem den Ton gegenüber China. In diesem schwierigen Umfeld revidierten die Unternehmen gleichzeitig ihre Gewinnerwartungen nach unten. Diese Faktoren verschlechterten das Gefühl der Anleger – das so genannte Sentiment - in Bezug auf die Kapitalmärkte. Gründe für den aktuellen Boom machen Vermögensverwalter vor allem auf zwei Seiten aus:

  1. Der Ton zwischen den USA und China hat sich beruhigt. Die Verhandlungen verlaufen in ruhigeren Bahnen.
  2. Die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks sprechen nicht mehr von Zinserhöhungen oder davon, die während der vergangenen Jahre zur Stützung der Wirtschaft gekauften Anleihen wieder zu verkaufen. Das wiederum würde ebenfalls zu steigenden Zinsen führen.

Im Ergebnis ist also der Druck von den Notenbanken genommen. Steigende Zinsen sind zunächst vom Tisch. Die Alternativlosigkeit zu Aktien tritt wieder in den Vordergrund.

Verzögerung zwischen Ursache und Wirkung

Doch während die negativen Nachrichten sukzessiv im Jahresverlauf bekannt wurden, erfolgten die Kursverluste in zwei massiven Schüben Ende Jänner 2018 und nach einer zwischenzeitlichen kräftigen Erholung erneut ab Oktober. Warum waren die Kursverluste nicht gradueller? Wie konnten die Börsen trotz negativer Daten zwischen Februar und September wieder deutlich zulegen und was löste schließlich den plötzlichen Verkaufsdruck ab Oktober aus?

Mit Fundamentaldaten lässt sich diese Entwicklung nicht erklären.

Obwohl es für den Zustand der Börsenpsychologie kein wissenschaftlich exaktes Maß gibt, lässt er sich anhand einer Reihe von Risiko- und Stress-Indikatoren ablesen. Demnach starteten die Investoren an den globalen Aktienmärkten optimistisch in das Jahr 2018 und wechselten gegen Jahresende in einen äußerst pessimistischen Zustand. Eine Reihe von Risiko- und Stress-Indikatoren erreichten analog zu den Wertpapiermärkten in den letzten Handelstagen des Vorjahres ihren Tiefstand, bevor die Kurse wieder zu drehen begannen.

Wie schätzen Vermögensverwalter die aktuelle Lage ein?

Inzwischen zeichnet sich in Europas Konjunkturentwicklung eine Bodenbildung ab. Nachdem eine Reihe von Instituten ihre Wachstumserwartungen für das Jahr 2019 herab setzten, deuten aktuelle Vorlaufindikatoren auf eine graduelle Stabilisierung hin. Zudem zeigt sich bei den Notenbanken eine deutliche Richtungsumkehr, allen voran bei der amerikanischen Federal Reserve (Fed).

Welche Erwartungen bezüglich der Zinsentwicklung haben unsere Vermögensverwalter?

Inzwischen schätzen viele Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in diesem Jahr geringer ein als für eine Zinssenkung. Es wäre die erste seit dem Jahr 2008. Zudem kündigte eine Reihe von Fed-Mitgliedern an, die Rückführung der Bilanzsumme früher als erwartet zu stoppen. Es war also richtig, dass die Aktienquote in der Vermögensverwaltung aufgrund der Kursturbulenzen im Dezember nicht reduziert wurde.

Wer hat Angst vor steigenden Zinsen?

Die Federal Reserve belässt deutlich mehr Stimulus im Finanzsystem als noch vor kurzem erwartet. Auch die EZB legte vergangene Woche den Rückwärtsgang ein. Eine Zinserhöhung in diesem Jahr wurde ausgeschlossen, dafür wurde ein neues langfristiges Refinanzierungsgeschäft zur Aufrechterhaltung günstiger Kreditvergabekonditionen der Banken angekündigt.

Eine sehr große Angst der Investoren scheint aus dem Markt: KEINE steigenden Zinsen. Die Wende, und damit höhere Zinsen, ist wieder verschoben. Zusätzlich verlief auch die aktuelle Berichtssaison in Europa und den USA zufriedenstellend. Freilich auch dank gesunkener Erwartungen. Das alles verbessert das aktuelle Sentiment unter den Anlegern, ohne übermäßige Euphorie wie zu Beginn letzten Jahres zu schüren.

Was sollten Sie tun?

In diesem Umfeld notiert der S&P 500 aktuell etwa 5% unter dem Hoch vom September des Vorjahres. Noch größer sind die Abstände nach oben in Europa. Der DAX 30 liegt 15% unter seinem Hoch aus dem Jänner 2018. Auch die Emerging Markets entwickeln sich besser, wenn die Zinsen nicht steigen. Unsere Vermögensverwalter reduzieren aus den genannten Gründen die Aktienquote nicht. Gleichwohl ist es sinnvoll, eine Liquiditätsreserve zu halten.

Fügt man das Bild nun zusammen, zeigt sich ein konstruktives Umfeld mit einigen Risiken. Letztere bestehen in der weiteren Konjunkturentwicklung sowie in der nächsten Berichtssaison. Sollte es dennoch erneut zu größeren Korrekturen kommen, sollten Sie diese aus heutiger Sicht zu Nachkäufen nutzen. Siehe Zitat am Anfang, „sei gierig, wenn…“

 

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