Zinswende © Capital Bank

Anleihen im Wert von 10 Billionen Euro werden nicht verzinst

4 min Lesezeit

Es ist wieder soweit; wie bereits im Jahr 2016, zahlt der deutsche Finanzminister Anlegern in deutsche Staatsanleihen keine Zinsen mehr. Neben den kurz- bis mittelfristigen Anleihen, gilt es nun auch wieder für die viel beachteten Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Im Gegenteil: die Anleger erhalten weniger als sie verliehen haben. Das gilt auch für viele andere europäische Staaten und für erstklassige Unternehmen. In Summe werden fast 10 Billionen Euro Schulden nicht verzinst. Gut für die Schuldner, schlecht für den Anleger. Damit ist allerdings auch eine fundamentale Regel der Finanzwirtschaft erheblich gestört: „Wer sich Geld leiht, muss es vollständig zurückzahlen!“

Zinswende: mal wieder abgesagt

Dabei hatte es mit einer Zinswende und nennenswert steigenden Renditen ganz gut ausgesehen. Immerhin stieg der maßgebliche Zins seit der Amtsübernahme von Donald Trump in den USA von 1,4 % p.a. auf 3,1 % p.a. Auch in Europa verteuerten sich die Zinsen; in Deutschland von – 0,2 % auf immerhin 0,8 % p.a. Die Wirtschaft boomte und die Inflation war sehr gering. Sehr gute Voraussetzungen also für steigende Zinsen.

Wir sind es gewöhnt, dass man für einen Kredit Zinsen zahlen muss und den geliehenen Betrag tilgt. Aber, warum eigentlich?

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Vorgeschichte: Eine Zeitreise in die Welt der Leitzinsen

Wenigen Investoren ist es wirklich bewusst. Tatsächlich sind die Zinsen, seitdem Paul Volcker der FED-Chef war, kontinuierlich gefallen. Volcker? An ihn können sich nur die Veteranen unter den Anlegern erinnern. Er war Boss der US-Notenbank FED, als Ronald Reagan Präsident der USA war. Er war Chairman der mächtigsten Notenbank der Welt von 1979 bis 1987. Und er hatte aus heutiger Sicht eine unvorstellbare Aufgabe. Der 2-Meter-Mann war für diese Aufgabe bestens ausgebildet. Er hatte in Princeton und an der Harvard University studiert. Seit 1975 war er Präsident der FED von New York. Jimmy Carter konnte ihn 1979 als obersten Geldhüter gewinnen. Seine Mission war, das Ende der Hochinflation zu schaffen! Anfang der 80-er Jahre betrug die Inflation 15 % p.a.. Seine Maßnahme war, dass er die Leitzinsen bis auf 20 % erhöhte. Insbesondere litten der Bau- und Agrarsektor unter seinen Maßnahmen, was zu sehr großen Protesten und Massenarbeitslosigkeit führte. Auch ein Grund, warum der Republikaner Ronald Reagan 1980 die folgende Präsidentschaftswahl in den USA gewann. Volcker bekam die Inflation mit sehr harten Maßnahmen in den Griff. In der Folge sanken die Zinsen für Anleger und Kreditnehmer; bis in die Gegenwart.

Leitzinsentwicklung USA ©Capital Bank

 

Quelle Bloomberg. Eigene Darstellung: Die Entwicklung der US-Leitzinsen seit 1979.

Volcker-Regel: Beschränkung von Banken

2010 betrat der Wirtschaftsweise im Alter von 83 Jahren noch mal die große Bühne. Barack Obama holte ihn, um die Folgen der Bankenkrise in den USA –und damit weltweit- einzudämmen. Er beschränkte die Handelsmöglichkeiten der Banken stark und bekam auch diese Krise in den Griff.

Seit Mitte der 90 er Jahre können die Zinsen nur steigen, oder?

Seit vielen Jahren war klar: die Zinsen und Renditen für Anleger von (Staats-) anleihen können nur steigen. Als die Renditen erstklassiger Anleihen vor 25 Jahren bei 5 % p.a. lagen, schüttelten Anleger, wegen der –gefühlt- niedrigen Verzinsung, enttäuscht und ablehnend den Kopf. Sie legten ihr Geld in Erwartung steigender Renditen nur kurzfristig in Festgeldern an. Und verlängerten immer wieder für kurze Zeit. Sie wurden enttäuscht. Statt steigender Renditen sanken die Zinsen immer weiter. Ausnahmen gab es immer wieder. Allerdings waren diese nur von kurzer Dauer. Vor drei Jahren waren die Zinsen dann bei Null Prozent für deutsche Bundesanleihen für eine Laufzeit von 10 Jahren. In den USA betrugen die Zinsen für 10-jährige Treasuries 1,4 % pro Jahr.

Die erwartete Zinswende und was daraus wurde

Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA stiegen die Zinsen tatsächlich. Mehr als eine Verdoppelung in den USA wurde erreicht; auf niedrigem Niveau. 3% p.a. und ein bisschen zahlten die 10-jährigen Treasuries. In Europa erhöhte sich der Zinssatz ebenfalls und erreichte ein Niveau von nicht ganz 1 %. Der Anfang war also gemacht, die Zinsen stiegen endlich. So das Kalkül vieler Anleger. Die Richtung stimmte. Die Wirtschaft lief auf Hochtouren. Die Arbeitslosenzahlen waren gering. Und dann ging dem ohnehin schwachen Anstieg die Luft aus. Erneut. Wie schon so oft.

Heute sind wir in den USA bei 2,3 % p.a. für Anleger, die dem Staat 10 Jahre Geld leihen. In Deutschland kosten Staatsanleihen den Anleger 0,2 % p.a.. Die Zinswende ist mal wieder abgeblasen.

Chancengleichheit mal anders: egal, wie viel Geld Sie haben. Sie bekommen ohne Risiko keine Zinsen mehr.

Aber, wie soll es weiter gehen? Sind die Notenbanken überhaupt in der Lage, die Zinsen zu erhöhen, ohne eine schwere deflationäre Krise zu riskieren? Können hoch verschuldete Staaten ihre Schulden bedienen und begleichen, wenn der Zins steigt?

Und, was machen Sie, wenn Sie keine Zinsen für Ihr angespartes kleines oder großes Vermögen bekommen. Sie haben schließlich damit gerechnet und dafür gearbeitet, neben der staatlichen Pension, ein zusätzliches Einkommen aus Zinsen zu haben.

Insbesondere dem letzten Thema widmen wir weitere Blogs und Fallstudien.

Wir beleuchten viele Anlagemöglichkeiten und klopfen sie auf Chancen und Risiken ab.

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Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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