Zinsloses Risiko © Capital Bank

Von Mäusen, österreichischen Anlegern und Sparern

5 min Lesezeit

Nein, keine Sorge. Ich will keine Neuauflage des Klassikers „Of mice and men“ von John Steinbeck schreiben oder eine Zusammenfassung des Romans liefern.

Vielmehr soll der Titel des Blogs eine Parallele aufzeigen: Zwischen gefütterten Mäusen und Anlegern, die sich an (hohe) Zinsen gewöhnt haben.

Österreichische Anleger fürchten sich vor Aktien

Es waren einmal zwei Mäuse. Sie lebten in ihrem Zuhause glücklich und zufrieden. Alles lief perfekt. Ihr Besitzer sorgte dafür, dass sie täglich etwas zu trinken und essen hatten. So trafen sich die Beiden immer um die gleiche Zeit am gleichen Ort und tauschten Neuigkeiten aus. Sie fanden immer eine Mahlzeit und Getränke vor. Manchmal Speck und Wasser. Manchmal Käse und Milch. Aber immer frisch. Sie brauchten sich um nichts zu kümmern. So ging es über eine lange Zeit. Sie hatten sich so richtig daran gewöhnt, als…

Veränderung ist für viele schwierig: Immer schön konservativ

… der Tag kam, an dem an der üblichen Stelle nichts zu finden war. Kein Käse, kein Speck, kein Wasser und keine Milch. Sie berieten kurz über die neue Situation und kamen zu dem Schluss, dass es nicht weiter beängstigend sei. Ihr Versorger werde es wohl einfach vergessen haben. Ein Tag ohne zu essen, sei sicher ganz gesund.

Nochmal nach Zinsen suchen

Für den gleichen Tag verabredeten sie sicherheitshalber ein weiteres Treffen. Doch auch diesmal fanden sie keine Mahlzeit am üblichen Ort. Sie fühlten sich noch immer nicht alarmiert und vereinbarten für den nächsten Morgen, gemeinsam auf die Suche an einer anderen Stelle zu gehen. Dafür trafen sie sich wie üblich am gewohnten Ort. In ihren Köpfen hofften sie, dass in der Früh vielleicht doch Nahrung da sei.

Zweifel am Zinsparadies

In der folgenden Nacht schliefen sie unruhig. Sie drehten sich von einer Seite auf die andere. Sie hörten sogar ungewöhnliche Geräusche. War das ein Miauen? Völlig erschöpft kamen sie früh am Treffpunkt an, und waren enttäuscht. Kein Wasser, kein Käse, kein Speck und keine Milch. Okay, was soll man machen.

Wenig und unsichere Zinsen sind besser als gar keine

Bestimmt stand alles nur an anderer Stelle. Und tatsächlich. In einer entfernten Ecke ihrer kleinen Welt, fanden sie ein Stück Käse. Die Qualität war nicht so gut, wie sie es gewöhnt waren. Irgendwie alt und zäh. Aber es schien essbar. Der Hunger war zu groß. Nach ihrem mehr schlecht als rechten Mahl waren sie satt und irgendwie auch beruhigt. Es war alles gut. Sie schlafen wie Babys.

Vorbei der Traum vom risikolosen Zins

Am nächsten Morgen fanden sie weder an Ort A noch an B etwas Nahrhaftes. Sie lamentierten und suchten in den nächsten Tagen mit wachsender Verzweiflung nach Speisen und Getränken. Sie wurden immer schwächer und bildeten sich wieder ein, eine Katze zu hören. Irgendwann gaben sie auf und starben. Warum? Die Lösung wäre so einfach gewesen. Keiner von Beiden kam auf die Idee, ihre kleine Welt zu verlassen und ein neues Zuhause mit Wasser, Speck, Käse und Milch zu suchen. Sie blieben bis zum bitteren Ende in ihrer gewohnten und geschützten Umgebung.

10 % Zinsen sind keine Seltenheit

Es war einmal der Zinsanleger: Jahrzehnte wohnte er glücklich und zufrieden in seinem Universum. Er musste sich nicht um viel kümmern. Jahr für Jahr bekam er ein nettes Sümmchen für sein angespartes Vermögen. Fast schon wie ein perpetuum mobile. Sein Vermögen wuchs und wuchs. Fast ohne Risiko. Okay, manchmal passierte etwas Unvorhergesehenes. Im Großen und Ganzen war aber alles gut. Ach was; es war wie im (Zins-) Paradies. Der Zinsanleger kassierte risikolos Zinsen. Dann kam die Zeit, in der die Zinsen weniger wurden. Man erhielt nur noch 7 oder 8% pro Jahr. Deutlich weniger als vorher, aber immer noch genug. Das Vermögen wuchs weiter.

Nur noch 5 % Zinsen, also Risiko rauf

Und irgendwann waren es dann nur noch 5%. Egal, im großen Zinsuniversum gab es ja noch andere Kreditnehmer. Russland, Argentinien zahlten viel. Ein bisschen höheres Risiko. Aber, haben Sie schon mal einen Staat gesehen, der seine Schulden nicht bezahlt hat? Das Risiko wird schon nicht so groß sein. Oder?

Und es geht mit noch weniger Zinsen weiter

Nach einigen Jahren und schmerzhaften Pleiten kehrten auch diese Schuldner zurück in das Universum. Und zahlten nur noch wenig Zins. Irgendwann waren es dann nur noch 4, 3, 2 %... Und die Zinsanleger gingen noch mehr Risiko ein. Immer schlechtere Schuldner. Nachrangkapital, exotische Fremdwährungen, Mittelstandsanleihen…

Egal wie viel Risiko: Das Ergebnis sind keine Zinsen

Jedes Risiko war dem Zinsanleger recht. Wenn nur die Höhe der Zinsen stimmte. Aber es half alles nichts. Die Zinseinnahmen wurden immer weniger. Und irgendwann gab es dann keinen Zins mehr. Dem noch nicht genug. Es wurde etwas völlig Neues erfunden:

Der Strafzins

Ja, richtig. Sie verleihen Geld und bezahlen dem Schuldner dafür Zinsen. Und die ehemaligen Zinsanleger überlegen, wie sie der Strafe entkommen. Kopfkissen, Tresor, Umtausch in Gold? Das ist aber aus meiner Sicht die völlig falsche Frage und kommt der Suche nach Käse in einem verlassenen Mäusehaus gleich.

Die richtigen Fragen heißen:

  1. Wie kann ich mein Kapital vermehren in einer zinsfreien Welt?
  2. Wie kann ich mein Kapital anlegen, damit es mir Zuflüsse verschafft, in einer zinsfreien Welt?
  3. Welche anderen Erträge außer Zinserträge gibt es?
  4. Wie schütze ich mein Vermögen vor Verlusten?
  5. Wie verhindere ich Altersarmut?
  6. Sind andere Universen wirklich gefährlich? Sind Aktien gefährlich?
  7. Wie muss mein Portfolio aufgestellt sein, um die scheinbaren Widersprüche „Sicherheit“ und „Ertrag“ zu vereinbaren?

Es gibt noch ganz viele Fragen. Und mit Sicherheit eine Antwort:

Keine Zinsen = andere Asset Klasse = Aktien

Sie müssen also das Anlage-Universum wechseln. Vielleicht kommt es Ihnen wie die Vertreibung aus dem (Zins-) Paradies vor. Mag sein. Aber es hilft nicht. Sie müssen umziehen und an anderen Stellen nach ertragreichen Chancen suchen. Sonst werden Sie Käse finden, der immer schlechtere Qualität aufweist. Veränderung heißt nicht Verschlechterung. Im Gegenteil. Verstehen Sie den Nullzins als Chance, sich neu zu orientieren.

Aus dem risikolosen Zins wurde das zinslose Risiko

Der Zinsanleger muss aufhören, zu lamentieren und mit wachsender Verzweiflung nach Zinsen zu suchen. Es gibt keinen risikolosen Zins mehr. Vielmehr gibt es jetzt das zinslose Risiko. Die Suche nach einem Zins entspricht dem Kampf gegen Windmühlen. Diejenigen, die auf Lagarde hoffen, werden enttäuscht. Sie wird keine Zinswende auslösen. Wenn es nach den Analysten und Volkswirten geht, dann bleiben Zinsen für die nächsten Jahrzehnte eine Utopie.

Meine dringende Empfehlung für Zinsanleger:

Bleiben Sie nicht länger in Ihrer gewohnten Umgebung.

Wechseln Sie das Universum. Wir helfen Ihnen beim Umzug in Ihr neues Zuhause.

Vereinbaren Sie einen Termin.

Guter Rat ist nicht teuer. Er ist viel wert.

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

Wir freuen uns auf Sie.

Die Prüfinstanz für Private Banking empfiehlt die Capital Bank seit Jahren. Sehr gut, heißt die Note auch heuer.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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