Nifty Fifty © Capital Bank

Kennen Sie die Nifty Fifty?

28.02.202028. Februar 2020 5 min Lesezeit

Besser als der Aktienmarkt? Wie geht das? Erfahren Sie mehr in diesem Blog. Die Bezeichnung Nifty Fifty wird mehrfach verwendet. Zum einen findet der Begriff in der Fotografie eine Verwendung. Auch ein indischer Aktienindex wird so genannt. Nifty bedeutet raffiniert, smart, flott oder clever… Es gibt aber noch eine weitere Verwendung, die Parallelen zu der aktuellen Börsensituation aufzeigen. Vielleicht hilft Ihnen das Wissen um die Nifty Fifty sogar, künftige Verluste zu vermeiden und es besser zu machen als der Markt.
Es geht um 50 sagenhafte amerikanische Aktien, die angeblich alleine für einen fulminanten Börsenaufschwung in den frühen Siebzigern in den USA gesorgt haben sollen.

 

Die Börsenhausse von 1970 bis 1972: die Nifty Fifty

Für den US-amerikanischen Börsenaufschwung ab Juni 1970 bis Dezember 1972 wurden die sogenannten Nifty Fifty verantwortlich gemacht. Diesen grundsoliden und wachstumsstarken Aktien sagte man nach, dass es nicht entscheidend sei, wann man sie kaufe, sondern nur, dass man in sie investiere. Also Aktien, die jeder kaufen konnte, ohne zu recherchieren und ohne Bedenken, ohne tiefes Verständnis, ohne Beratung. Wachstum garantiert. Und tatsächlich, sie stiegen und stiegen und stiegen. Astronomische wirtschaftliche Kennzahlen waren die Folge. Ein KGV* zwischen 40 und 90 war völlig okay. Es galt: Kaufen! Und ja, es stimmt: auf einen kurzen Zeitraum von einem Jahr liefert das KGV keinen verlässlichen Hinweis auf eine mögliche Kursentwicklung. 

KGV 1 Jahr ©Capital Bank


Nifty Fifty in der heutigen Zeit?

Eine offizielle Aufzählung dieser sagenhaften 50 Aktien gibt es nicht. Bei wikipedia findet man zwar eine Auflistung dieser 50 Unternehmen. Allerdings mit dem Hinweis: There is no official version of companies composing the list. 
Tatsächlich spielt es für Sie und Ihren Börsenerfolg eine nur untergeordnete Rolle, wie all die Unternehmen damals hießen. Von einigen Aktiengesellschaften weiß man sicher, dass sie Teil der Nifty Fifty waren, bei anderen Unternehmen vermutet man es nur.
Der „Legende“ nach, schrieb man es ausschließlich diesen 50 Unternehmen zu, den amerikanischen S&P 500 Index nach oben gebracht zu haben. In 30 Monaten legte der Index um satte 50% zu. Also nur ein Zehntel der 500 im Index notierten Aktien soll demzufolge die Ursache für diesen Bull-Run gewesen sein. Die Performance dieser Aktien muss enorm gewesen sein. Andere Aktien stiegen nur leicht oder gar nicht. Sie fanden nur wenige Investoren. Sie waren tatsächlich out, Ladenhüter mit überholten Geschäftsmodellen.


Parallelen zum aktuellen Börsengeschehen?


Wie sieht es heute, 50 Jahre danach, aus? Nun, die Investoren haben heute ebenfalls ihre Lieblinge. Das trifft auf die privaten und die institutionellen Anleger gleichermaßen zu. Warum kaufen die meisten Fondsmanager die gleichen Aktien? Man könnte auch die Frage stellen, warum ein Fußballtorwart bei einem Elfmeter in eine Ecke springt und nicht einfach stehen bleibt? Die Chancen in der Mitte sind ebenso hoch wie in der rechten oder linken Ecke. Die Antwort ist einfach: Es sieht sehr blöd und unmotiviert aus, wenn der Ball in ein Eck „trudelt“ und der Torwart sich nicht bewegt. Für den Vermögensverwalter ist es ebenso schlecht, wenn ein Index aufgrund einer Handvoll Aktien mehr Rendite erzielt, als der studierte, erfahrene und durch viele Analysten unterstützte Fondsmanager. Kaum ein Investor bliebe in einen Fonds investiert, wenn dieser über einen längeren Zeitraum weniger Rendite erzielen würde als der Index.


Wirtschaftliche Argumente vs. Herdentrieb


Nicht nur wirtschaftliche Argumente führen also zum Kauf bestimmter Aktien. Manchmal ist es eben fast ein Imperativ, Anteile an einem bestimmten Unternehmen zu besitzen. So lässt sich erklären, warum viele Investoren die gleichen Aktien kaufen. Offensichtlich wiederholt sich aktuell das Szenario der frühen Siebziger. Während eine große Anzahl von Aktien kaum auf Anlegerinteresse stößt, erfreuen sich einige Aktien - vornehmlich aus dem Bereich Technologie - großer Beliebtheit. Das Investorengeld konzentriert sich nur auf einige Aktien. So ist z.B. der Börsenwert von Apple größer als der, der größten 30 deutschen Aktiengesellschaften zusammen. Ein gutes Beispiel für einen Hype ist Tesla. Dieses Unternehmen ist an der Börse mehr wert als der größte Fahrzeugbauer der Welt. Natürlich kann man Gründe dafür finden. Manche haben sogar eine Berechtigung. Aber mal ehrlich: ein geschätztes KGV von 200? Denken Sie an die Nifty Fifty.


Nifty Thirty statt Nifty Fifty?


Vermutlich würde man heute nicht einmal auf 50 Unternehmen kommen, welche die Hausse in den USA ausmachen. Wahrscheinlich sind es nur zwei bis drei Dutzend. Aber im Prinzip ist es heute wie vor 50 Jahren. Eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Unternehmen treibt die Indizes auf immer neue Rekordstände. Andere interessante Unternehmen bleiben günstig bewertet, steigern unbeachtet ihre Gewinne und befinden sich nicht allzu häufig auf den Einkaufszetteln der privaten und institutionellen Investoren.
Erinnern Sie sich an die Grafik oben, die gezeigt hat, dass auf kurzfristige Sicht, das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einer Aktie, keinen Schluss auf deren weitere Entwicklung zulässt. Was auf den kurzen Zeitraum von einem Jahr nicht funktioniert, liefert aber sehr gute Informationen für einen Anlagehorizont von zehn Jahren. 


KGV 10 Jahre ©Capital Bank


Sie müssen letztlich entscheiden, ob Sie einen kurzfristigen, taktischen und unsicheren Achtungserfolg erzielen oder längerfristig und strategisch Ihr Vermögen mehren wollen.


Das Ende der Sage um die Nifty Fifty


Mit dem Start ins Jahr 1973 fand die Party ein jähes Ende. Die Nifty Fifty verloren massiv an Wert. Xerox verlor 71%, Avon 86%, Polaroid sogar 91%.
Das klingt dann wieder ernüchternd. Wie sagt man so schön? Bäume wachsen nicht in den Himmel. Und auch das Wachstum von Aktienkursen ist beschränkt. Wenn der Gewinn steigt, wird das Unternehmen teurer. Wenn die Aktie steigt ohne einen Anstieg des Gewinns, müssen Sie darüber nachdenken.
Das Tröstliche ist: Selbst, wenn Sie den schlechtesten, also teuersten Zeitpunkt für den Einstieg in die Nifty Fifty gewählt haben, dann hätten Sie in den folgenden 29 Jahren eine durchschnittliche Performance von 9,7% erzielt. Aus 10.000 US-Dollar wären also fast 150.000 US-Dollar geworden (mit viel Bauchweh verdient). Trotz einiger Pleitefirmen wie zum Beispiel Eastman Kodak. Das ist allerdings nur der Trostpreis! Hätten Sie stattdessen den Index S&P 500 genommen, wäre Ihr Vermögen auf 270.000 US-Dollar geklettert. Das entspricht also dem 1,8-fachen der Nifty Fifty.


Passive Fonds sind ertragreicher als aktiv gemanagte Fonds?


Klingt für Sie nach einer Aufforderung, in passive Fonds zu investieren? Das ist falsch. Die Aktien der Nifty Fifty wurden keinesfalls in einem Fonds aktiv gemanagt. Vielmehr waren sie der teure Teil des passiven Index.
Das beweist einmal mehr, dass im Gegensatz zu einer professionellen Vermögensverwaltung ein passiver Indexfonds, nicht für passive Anleger geeignet ist, die ruhig schlafen und trotzdem gut essen wollen.

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

 


*KGV: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Eine wichtige Kennziffer in der Aktienanalyse. Je kleiner die Zahl desto günstiger sind die Aktien bewertet. Sie errechnet sich: Aktienkurs dividiert durch den Gewinn je Aktie. Dabei müssen Sie unbedingt beachten, dass verschiedene Branchen oder Regionen sehr unterschiedliche Normalwerte für das KGV haben. Es lohnt sich immer, die KGV verschiedener Aktien zu vergleichen.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

Terminvereinbarung

Möchten Sie sich unverbindlich von uns beraten lassen?

TERMIN VEREINBAREN

Newsletteranmeldung

Erhalten Sie News & Kommentare aus den Bereichen Private Banking, Volkswirtschaften und Märkte.

Jetzt kostenlos anmelden

« zurück zur Übersicht

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Vermeiden Sie reelle Verluste... © SMC / Capital Bank

30.01.2020 6 min Lesezeit

Vermeiden Sie reelle Verluste bei Sparbuch / Festgeld / Anleihen

Die Angst vor einem ewig bleibenden Niedrig-, Null- oder gar Negativzins greift bei Anlegern um sich, wie die Verbreitung eines aggressiven Virus. Gleichzeitig fürchten sich Investoren vor zu teuren Aktien. Was also machen mit dem Ersparten, Geerbten… Wie gewonnen, so zerronnen? Gegenwehr sinnlos? Lesen Sie weiter und erfahren, wie es geht.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
Peter Halbschmidt

Mini-Bots © Capital Bank

01.07.2019 3 min Lesezeit

Was haben Mini-Bots mit der italienischen Staatsverschuldung zu tun?

Not macht erfinderisch, sagt ein Sprichwort. Wenn wichtige Dinge fehlen, hat man eben Ideen, wie man sich ohne sie helfen kann. Offensichtlich im Geiste des deutschen Sprichwortes stimmte das italienische Abgeordnetenhaus Ende Mai einstimmig (keine Enthaltung, keine Gegenstimme. Das ist doch seltsam, oder?) einer Resolution zugunsten von „Mini-Bots“ zu. Was nach einem niedlichen, kleinen Roboter klingt, kann für die Eurozone enorme Sprengkraft entwickeln.

Wolfgang Ules © Capital Bank
Wolfgang Ules
Close