Nachhaltig investieren © Simon English, Unsplash

Nachhaltige Geldanlage – ein Trend, der gerade erst ins Rollen kommt

19.06.202019. Juni 2020 5 min Lesezeit

Wir wissen, dass die Welt vor großen Herausforderungen steht. Die Klimakrise bringt Hitzewellen, steigende Meeresspiegel und zerstört die Artenvielfalt im Tier- sowie Pflanzenreich. Die soziale Ungleichheit wächst - viele Menschen arbeiten in schlechten Beschäftigungsverhältnissen und haben keine ausreichende Gesundheitsversorgung. Unsere Produktion und unser Konsum verschlimmern diese Tatsachen. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, überkommt einen manchmal ein Gefühl der Machtlosigkeit. Immerhin möchte man auch seinen Kindern und Enkeln noch eine lebenswerte Welt hinterlassen.

 

Wer richtig konsumiert und investiert, kann die Welt ein Stückchen besser machen

Als Konsument versucht man vielleicht, regionaler und nachhaltiger einzukaufen. Aber auch als Anleger kann man seinen Teil zu einer besseren Welt beitragen. Immerhin gehört einem als Aktionär ein Teil eines Unternehmens. Und man kann nachhaltig bestimmen, in welche Unternehmen oder Länder man sein Geld investiert. Dabei muss man schon lange nicht mehr zwischen Moral und Ertrag entscheiden – vielleicht musste man das auch eigentlich nie.

Wie das mit der Nachhaltigkeit im Investmentbereich begann

Es ist ziemlich genau elf Jahre her, da saßen an einem angenehmen Sommertag etwa 100 neugierige Zuhörer in einem Saal der Frankfurt School of Finance und warteten auf Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, dem späteren Co-Präsidenten des Club of Rome. Sein Thema war „nachhaltiges Investieren“.

Im Nachhinein betrachtet, offenbarten die Gespräche vor dem Hauptakt bereits die riesigen Wissenslücken rund um das Thema „Umwelt, Nachhaltigkeit und Ethik in Verbindung mit Geldanlage“. Die Spezialisten für Kapitalanlage von damals wussten weniger zu diesem Thema als die meisten Anleger heute. Der Tenor war eindeutig: Will man Rendite für sein Kapital, geht es nicht mit ESG-Anlagen. Moral und Ethik oder eben Ertrag lautete die Devise.

Erste zarte nachhaltige Pflänzchen der Kapitalanlage in Form von Umweltfonds erblickten damals das Licht der Welt. Eine Nachfrage nach diesen Fonds gab es quasi nicht. Auch das Angebot war sehr übersichtlich, wenn nicht eher winzig. Es war das Feld für Spezialisten und Nischenplayer.

Nachhaltigkeit in der Geldanlage heute

Heute sieht das ganz anders aus. Am 8. Juni 2020 informierte das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in einer Presseaussendung über die Entwicklungen 2019 in Bezug auf nachhaltige und verantwortliche Investments und zeichnete ein sehr eindeutiges Bild: Die Investitionen von Privatanlegern in nachhaltige Konzepte stiegen um 77% von 3,82 Milliarden Euro auf 6,75 Milliarden. Die Steigerung in der Gruppe der so genannten institutionellen Investoren betrug 31%. Diese investieren jetzt bereits 20,44 Milliarden Euro in nachhaltige Konzepte.

Nachhaltiges Investment Chart ©Capital Bank

Hinweis: Historische Kursentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.

Aber was bedeutet nachhaltig investieren?

Um herauszufinden, ob ein Investment nachhaltig ist, sieht man sich die ESG-Kriterien an. Das „E“ für Environment steht hierbei z.B. für Umweltverschmutzung oder -gefährdung, Treibhausgasemissionen oder Energieeffizienzthemen (Umwelt). Social („S“) beinhaltet Aspekte wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Diversity oder gesellschaftliches Engagement (Corporate Social Responsibility). Unter Governance („G“) wird eine nachhaltige Unternehmensführung verstanden. Hierzu zählen z.B. Themen wie Unternehmenswerte oder Steuerungs- und Kontrollprozesse (Corporate Governance).

Verschiedene Nachhaltigkeitsratings basieren auf der Analyse dieser Kriterien. Einheitliche klare Richtlinien hierzu gibt es aber nicht.

98% der österreichischen Fondsmanager ziehen hierzu definierte Ausschlusskriterien heran.

Was sind die häufigsten Ausschlusskriterien in Österreich (gemessen am Anlagevolumen)

  1. 1. Waffen und Rüstung (Platz 6 in D)
  2. 2. Kohle (Platz 5 in D)
  3. 3. Kernenergie (Platz 7 in D)
  4. 4. Menschenrechtsverletzung (Platz 4 in D)
  5. 5. Arbeitsrechtsverletzung (Platz 2 in D)
  6. 6. Gentechnik (Kein Ausschluss in D)
  7. 7. Pornografie (Platz 10 in D)
  8. 8. Tabak (Platz 8 in D)
  9. 9. Glücksspiel (Platz 9 in D)
  10. 10. Korruption und Bestechung (Platz 1 in D)

Auswahl von nachhaltigen Investments: normbasiertes Screening

Eine andere Möglichkeit, wie Manager zu ihren Investitionen gelangen, ist mit dem normbasierten Screening. Besonders häufig wird dabei geprüft, ob Investments den ILO-Kernarbeitsnormen bzw. dem UN Global Compact entsprechen. 91% der österreichischen Fondsmanager nutzen diese Methode.

Was ist der Unterschied zwischen „nachhaltig“ und „verantwortlich“?

Wenn eine Kapitalanlagegesellschaft sich zu bestimmten Kriterien erklärt, gilt die Gesellschaft selbst als „verantwortlich“. Das bedeutet, sie nehmen ihre Verantwortung in den Bereichen Umwelt, Produkt und Gesellschaft konsequent wahr. Nachhaltige Konzepte sind eine Teilmenge davon. Während 106,8 Milliarden Euro „verantwortlich“ investiert sind, beträgt das Anlagevolumen in „nachhaltige“ Kapitalanlagen 30,1 Milliarden Euro.

„Verantwortlichkeit“ bezieht sich also auf die Kapitalanlagegesellschaft. „Nachhaltigkeit“ auf das spezielle Anlageprodukt.

Im Verhältnis zum gesamten Anlagemarkt betragen die nachhaltigen Geldanlagen 15,9%. Das bedeutet, dass annähernd jeder sechste Euro in Österreich nach den ESG-Kriterien angelegt wird. In Deutschland zum Beispiel beträgt der Anteil nur 5,4%. In der Schweiz hingegen macht der Anteil nachhaltiger Investments gewaltige 38% aus.

Warum sollten Sie nachhaltig investieren?

Wenn überwiegend Unternehmen Geld als Eigen- oder Fremdkapital erhalten, die sich gezielt für bestimmte Richtlinien einsetzen (Umwelt, Soziales und Governance), dann machen Sie mit Ihrem Investment die Welt ein bisschen besser. Außerdem können Sie einen Wertzuwachs oder Zins- und Dividenden-Einnahmen erzielen. Obendrein zeichnet sich durch die Corona-Krise aktuell ab, dass nachhaltige Unternehmen krisenresistenter sind. Sie erreichen also ein Win-Win-Win-Situation.

Wie können Sie nachhaltig investieren?

Wie gesagt gibt es keine einheitlichen Kriterien und Manager verwenden unterschiedliche Ausschlusskriterien.

Bei manchen Investments kann man ganz leicht erkennen, ob sie nachhaltig sind oder nicht.

Ein Beispiel soll es verdeutlichen: Sie kaufen eine Staatsanleihe der USA. Damit leihen Sie einem Staat Geld, der es zum Beispiel auch für den Kohlebergbau oder für Waffen ausgibt. Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen zulässt und die Todesstrafe überwiegend unterstützt. Das verstieße gegen viele ESG-Kriterien und wäre damit kein nachhaltiges Investment. Die USA ist ein willkürlich gewähltes Beispiel. Sie werden sehr viele Staaten finden, die man wohl nicht als nachhaltig im Sinne der ESG-Kriterien bezeichnen würde.

Bei anderen Investments ist das schwieriger. Wenn Sie Aktien an einem Medizinunternehmen einkaufen, dann wäre es wohl nachhaltig. Was machen Sie aber, wenn ein Unternehmen gleichzeitig Atomkraftwerke und Krankenhäuser ausstattet?

Fazit:

Sie sehen schon, das Thema ist nicht einfach und die Auswahl schwierig.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen lohnt sich aber ein nachhaltiges Investment. Dazu brauchen Sie einen vertrauenswürdigen Berater, der Ihnen bei der Auswahl zur Seite steht.

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Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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