Vertrauen trotz Börsenskandalen © WikiImages, Pixabay

Vertrauen in die Börse trotz Skandalen wie Wirecard?

25.06.202025. Juni 2020 4 min Lesezeit

Was an der Börse niemand braucht sind Skandale, gierige oder unfähige Manager und eine schwache Aufsicht. Und doch gibt es sie immer wieder. Gerade erst bei Wirecard. Warum eigentlich? Wie können Sie trotzdem gewinnbringend anlegen beziehungsweise vorsorgen?

Wirecard wird zum Synonym für „Börsenskandal“

Der aktuelle Preisverfall der Aktie des ehemaligen deutschen Börsenstars, ist wahrscheinlich auf einen Bilanzskandal zurückzuführen. Durch den Kursrutsch ist das Unternehmen nur noch etwa ein Viertel so viel wert wie zum Zeitpunkt der Erstnotiz am 25.10.2000 zu 12,876 Euro. Das Hoch war übrigens bei 199 Euro im September 2018.

Börsenskandale sind nicht neu, zerstören aber Vertrauen…

… und damit weit mehr als nur Börsenwert. Dem monetären Verlust folgt ein viel größerer Schaden. Solche Skandale sind Wasser auf den Mühlen der Börsenpessimisten, die immer wieder lautstark verkünden, dass die Börsen Lug und (Be-)trug seien. Skandale in dieser Form gab es aber in der langen Historie von Wertpapierhandelsplätzen immer wieder, ohne dass die positive Entwicklung der Aktienmärkte aufgehalten wurde. Einige blieben nur in Erinnerung (zum Beispiel EM-TV, Worldcom, Enron oder Bernie Madoff). Andere wurden sogar verfilmt („High Speed Money“ ist die Geschichte von Nick Leeson, der die britische Traditionsbank Barings in den Konkurs trieb und eine weltweite Devisenkrise auslöste). Man kann selbst mit den härtesten Gesetzen eine gewisse kriminelle Energie nicht generell stoppen. Und irgendwann kann eine kleine (Kurs-)Entwicklung zu einer großen Bewegung werden und viele machen mit. Mit dem Wissen von heute könnte man es im Fall „Wirecard“ mit Bert Brecht sagen: „Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat.“ Im Nachhinein weiß man es eben besser.

Vertrauen ist die Voraussetzung für vieles. Auch für Ihre Vorsorge und Vermögensverwaltung

Tatsächlich sind Anleger in Österreich und Deutschland aktuell auf dem Weg zu erkennen, dass dem Niedrig- beziehungsweise Nullzins und den tendenziell fallenden Pensionsansprüchen nur mit Aktiensparen oder Vermögensverwaltungen begegnet werden kann. Da kommt plötzlich ein schwarzer Schwan in Form einer Pandemie um die Ecke und gleich danach ein viel besprochener und öffentlichkeitswirksamer Bilanzskandal daher. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Für den Kapitalaufbau beziehungsweise -erhalt gibt es keine Alternative zu Substanzwerten wie Aktien oder Immobilien. Der Bilanzskandal um das DAX-Unternehmen Wirecard führt zu Vertrauensverlust an den Börsen und ruft Verschwörungstheoretiker und Warner auf die Bühne. Hören Sie nicht auf sie. Bleiben Sie standhaft. Die Abkehr von Anlagen in Sparbüchern, Festgeldern oder verzinslichen Wertpapiere ist vor dem Hintergrund der Nicht-Zinsen gerade in vollem Gange, verständlich und richtig. Die Gespräche zwischen Anlegern und Beratern über den Sinn von Vermögensverwaltungen häufen und intensivieren sich zunehmend. Der Sinn einer professionellen Vermögensverwaltung oder -beratung wird immer offensichtlicher.

Was leistet eine Vermögensverwaltung in einem solchen Falle?

Auch eine professionelle Vermögensverwaltung oder Fondsmanagement schützt nicht vor einer Beteiligung an einem betrügerischen Unternehmen. Tatsächlich ist es sogar so, dass Sie am meisten Geld verdienen könnten, wenn Sie sich eines sehr konzentrierten Anlageansatzes bedienten. Die Kapitalanlage in nur eine Aktie eröffnet die größte Chance. Das Risiko, dass Sie ausgerechnet in jenes Unternehmen investieren, welches betrügt, ist relativ gering. Ebenso klein ist aber auch die Chance, dass Sie genau die Aktie erwischen, die Sie wirklich reich macht. Wenn Sie nur eine Aktie besitzen, bedeutet dies, dass Ihre Chance und Ihr Risiko nicht gestreut, also diversifiziert, ist. Neben der einzigartigen Aktie, die Sie verarmen oder reich werden lässt, existieren jedoch viele Unternehmen, die für das globale Wirtschaftswachstum sorgen. Vereinfacht könnte man sagen, dass sich der Wert eines durchschnittlichen Unternehmens (und damit seiner Aktie) alle zehn bis zwölf Jahre verdoppelt. Das entspricht einem Wachstum von durchschnittlich sechs bis sieben Prozent pro Jahr.

Jetzt wissen wir aber, dass der Durchschnitt nur eine geringe Aussagekraft hat. Zur Verdeutlichung ein Bild: Wenn ein Fluss durchschnittlich 1,30 Meter tief ist, heißt es nicht, dass Sie auch als Nichtschwimmer hineingehen sollten. Sehr wahrscheinlich wird der Fluss auch Stellen haben, die drei oder mehr Meter tief sind. In diesem Fall würden Sie ertrinken.

Die Leistung der Vermögensverwaltung besteht darin, Sie durch den flachen Teil des Flusses, die Furt, zu führen. Oder auf die Kapitalanlage übersetzt: die professionelle Vermögensverwaltung sorgt dafür, dass Ihr Vermögen durch geschicktes Agieren unter Berücksichtigung vieler Parameter wächst. Dabei sind Diversifikation und Korrelation ebenso wichtig wie Unternehmenszahlen, Weitblick und Geduld.

Wer wählt also die richtigen Aktien aus und verteilt dabei Ihr Risiko?

Das ist der Vermögensverwalter. Dabei kommt es nicht einmal darauf an, dass er die eine richtige Aktie auswählt. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, ein Portfolio zu entwerfen, dass darauf ausgerichtet ist, die Risiken und Chancen zu verteilen und Ihre Vorgaben zu erreichen. Dabei kann das Ziel sehr unterschiedlich sein und hängt von Ihnen ab. Häufige Ziele sind zum Beispiel:

  • Maximaler Ertrag bei gegebener Sicherheit
  • Maximale Sicherheit bei gegebener Rendite
  • Ertrag soll größer als die Inflation sein
  • Das Portfolio soll zusätzliche Liquidität für den Investor schaffen
  • Die Vermögensweitergabe soll optimiert werden

Diversifikation und Korrelation

Um zu verdeutlichen was damit gemeint ist, stellen Sie sich bitte folgendes vor: Sie sind Straßenhändler. Sie verkaufen Regenschirme in Salzburg. Das ist ein lukratives Geschäft. Sie haben eine große Nachfrage, weil es in Salzburg oft regnet. Das ganze Jahr gibt es Niederschlag. Die Marge auf Regenschirme ist großartig. Die Kunden fragen selten nach dem Preis. Es regnet schließlich, sie werden nass und Sie haben die Lösung sofort parat. Nach zwei erfolgreichen Jahren wollen Sie Ihren Umsatz und Gewinn vergrößern. Sie sind in der Lage aufgrund der sehr guten Ergebnisse weitere margenstarke Artikel einzukaufen. Deshalb erweitern – diversifizieren – Sie Ihr Sortiment um Gummistiefel, Regenjacken, Handschuhe etc. Sie freuen sich auf das dritte Jahr Ihrer Tätigkeit und rechnen mit einem hohen Gewinn. Sie sehen vor Ihrem geistigen Auge bereits eine Grafik, deren Säulen aus dem Schaubild herausschießen. Am Ende des Geschäftsjahres holt Sie die Wahrheit ein: Das Lager ist voll. Sie machen einen veritablen Verlust.

Was ist schief gegangen?

Salzburg meldet einen neuen Rekord an Besuchern. An der Menge der Touristen lag es also nicht. Sie haben dafür gesorgt, dass bei Ihnen alles Mögliche gekauft werden kann, was man an einem Regentag so braucht. Sie haben stark diversifiziert. Und trotzdem mächtig Geld verloren.

Aber warum?

Sie haben für genau ein Ereignis Lösungen: Regen. Es war ein warmer Frühling, ein heißer Hoch-Sommer und ein trockener und warmer Spätsommer. Viel Sonne, angenehme Temperaturen und sehr wenig Regen. In diesem Jahr wäre es besser gewesen, wenn Sie zu den Regenschirmen auch Produkte angeboten hätten, die bei Kaiser-Wetter nachgefragt werden, wie Speiseeis, Sonnencrème, Sonnenbrillen oder Schirmmützen. Also Produkte, die wenig oder nicht mit dem Ereignis „Regen“ zusammenhängen –korrelieren. Das bedeutet Diversifikation mit geringer Korrelation. Und macht den Gewinn viel wahrscheinlicher. Es erhöht ihn nicht zwangsläufig, aber macht ihn sehr viel wahrscheinlicher. Und verhindert die großen Verluste.

Fazit

  • Die Kapitalanlage in eine einzige oder sehr wenige Aktien entspricht einem Glücksrittertum.
  • Das Risiko mit nur einer Aktie zu verarmen ist größer als reich zu werden.
  • Skandale zerstören das für die Geldanlage und Vorsorge notwendige Vertrauen.
  • Korrelation und Diversifikation sind wichtig für den längerfristigen Erfolg.
  • Ohne professionelle Vermögensberatung bzw. -verwaltung funktioniert vorsorgen und investieren nicht mehr.

À propos Vorsorgen

Unser Pensionssystem ist schwer krank und der Zins bereits verstorben.

Wir wissen alle, dass das Umlageverfahren unseres Pensionssystems und der „Generationenvertrag“ nicht mehr haltbar sind, weil künftig deutlich weniger Personen erwerbstätig sein werden als heute und außerdem die Lebenserwartung weiter steigt. Gleichzeitig taugen Anleihen, Bausparen, Lebensversicherungen, Festgelder und Sparbücher nicht mehr zum Vermögensaufbau, weil sie keine Zinsen mehr zahlen.

Was in dieser Situation zu tun ist, erklärt schrittweise und verständlich das kostenlose neue Whitepaper der Capital Bank. Fordern Sie es gleich an. Es ist ganz einfach.

 

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

Terminvereinbarung

Möchten Sie sich unverbindlich von uns beraten lassen?

TERMIN VEREINBAREN

Newsletteranmeldung

Erhalten Sie News & Kommentare aus den Bereichen Private Banking, Volkswirtschaften und Märkte.

Jetzt kostenlos anmelden

« zurück zur Übersicht

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

neuer Blickwinkel © Ivan Bertolazzi, Pexels

03.06.2020 6 min Lesezeit

Verändern Sie Ihre Perspektive und profitieren Sie von Ihrem neuen Blickwinkel

Sie kennen Ihr Wohnzimmer genau, oder? Stellen Sie sich mal auf den Kopf und schauen SIe sich Ihre gute Stube nochmals an. Wetten, dass Sie viele Dinge neu entdecken? Die aktuelle Situation an den Börsen bietet Ihnen bei einer alternativen und längerfristigen Betrachtung interessante Möglichkeiten der Geldanlage jenseits der verdorrten Zinslandschaft. Nach dem dramatischen Absturz der Aktien im März, haben viele Notierungen Verluste im April und Mai wieder aufgeholt. Sind Aktien jetzt immer noch billig oder schon wieder teuer? Denken Sie an Ihren Perspektivenwechsel und ändern Sie Ihre Frage. Fragen Sie stattdessen: Was kann ich tun, damit mein Vermögen mittelfristig nicht weniger wird? Lesen Sie weiter und erfahren Sie, wie es längerfristig sogar wächst.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
Peter Halbschmidt

Ruhe bewahren © Jens Johnsson, Pexels; Bearbeitung: Capital Bank

27.03.2020 4 min Lesezeit

Investieren trotz Panik an der Börse? Wie geht es richtig?

Seit Jahresbeginn zeigen die Aktien-Börsen weltweit eine negative Wertentwicklung. In kurzer Zeit und mit atemberaubender Vehemenz vernichteten die Märkte die Wertentwicklung der letzten Jahre. Selbst nach der starken Gegenbewegung von fast 20% im letzten Monat, bleibt ein Kursminus von 15 bis 20% für dieses Jahr. Auch viele Rohstoffe, allen voran das Rohöl (dessen Wert seit Jahresbeginn 60% verloren hat), liegen ebenfalls deutlich im Minus. Selbst das oft als sicherer Hafen bezeichnete Gold verlor zwischen dem 09.03.2020 und dem 19.03.2020 mehr als 10%. Im gleichen Zeitraum verloren deutsche Staatsanleihen etwa 6% ihres Wertes. Seit einem Monat sind aber wieder steigende Aktien-, Renten- und Goldkurse zu beobachten. Ob dies bereits die erhoffte Trendwende ist, bleibt aber noch unklar. Die starken Tagesschwankungen werden uns wohl noch erhalten bleiben. Wie reagiert man als Anleger nun am besten auf diese Entwicklungen?

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
Peter Halbschmidt
Close