Ohne Aktien geht nichts © Capital Bank

Wohlstand: Ohne Aktien geht es nicht

13.01.202113. Jänner 2021 10 min Lesezeit

Das Jahr 2020 ist vorbei und kaum jemand wird traurig darüber sein. Sind doch mit dem Jahreswechsel einige Hoffnungen verbunden. Die größte davon ist die Aussicht auf eine Normalisierung unseres Lebens - privat und wirtschaftlich-. Das wäre dann den Impfstoffen verschiedener Firmen zu verdanken. Es war in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Jahr und wird den Meisten mit gutem Grund negativ in Erinnerung bleiben: Krankheit, Isolation, Quarantäne, Arbeitslosigkeit. Alles Dinge, die wir nicht erleben wollten, aber mussten. Und doch gab es eine Vielzahl Gewinner.

Kurzfristige Sicherheit und langfristige Chancen


An erster Stelle möchte ich den Kapitalanleger und Investor nennen. Aufgrund mangelnder Alternativen beginnen nun auch Österreicher und Deutsche, sich für Kapitalanlagen abseits der ausgetretenen und verdorrten Pfade der Zinsinvestments zu interessieren. Es scheint so, als würden wir zu unserem Glück gezwungen werden müssen. Aktuell findet ein längst überfälliger Umdenkprozess statt. Anleger entdecken die langfristig großen Potenziale des Aktienmarktes und verknüpfen sie mit der Sicherheit erstklassiger Anleihen. Die Assetklassen Anleihen und Aktien sind die Grundpfeiler für eine erfolgreiche Vermögensverwaltung.

Das vergangene Jahr lieferte einen weiteren Beweis dafür, dass die Investition in börsennotierte Unternehmen für den Ertrag kleiner und großer Vermögen unerlässlich ist. Ich wundere mich immer wieder und immer öfter, wie viele Menschen an der Mär und am Narrativ des Unternehmers als Ausbeuter festhalten und deshalb nicht in Aktien investieren. Dieses Bild gehört dahin, wo es herkommt; ins ausgehende Mittelalter und ins Zeitalter der industriellen Revolution.

Aktien sind nicht alles - aber ohne Aktien ist alles nichts

Offensichtlich kann nichts den Erfolg der Aktienbörsen aufhalten. Seit März 2009 beherrschen die Bullen den Aktienmarkt. Von Investoren, Anlegern und Beratern wurden die zwischenzeitlichen - teils kräftigen - Abschwünge vergessen. Das Frühjahr 2020 hat indes eindrucksvoll gezeigt, dass die Börse keine kurzfristige Einbahnstraße ist und hat den Aktionären eine kurze und hässliche Zeit beschert. Über die Einbahnstraßen-Thematik lässt sich übrigens diskutieren (das mache ich auch am Ende des Blogs).

Gute Vermögensverwalter nutzen Chancen, die sich durch fallende Preise ergeben

Welche Chancen dieses Rauf und Runter Ihnen bietet und warum ausschließlich jene Investoren erfolgreich sein können, die im Markt investiert bleiben, schildert unser neuer Blog. Obwohl - oder besser - gerade weil aus heutiger Sicht die nächsten Monate eine mögliche Berg- und Talfahrt erahnen lassen.

Das folgende Schaubild zeigt Ihnen die bereits erwähnten und vergessenen zwischenzeitlichen Kurseinbrüche. Es veranschaulicht, welche Chancen gerade jetzt im Markt sind und warum Sie keinesfalls dem Aktienmarkt den Rücken kehren sollten.

Bitte beachten Sie, dass wir den Deutschen Aktienindex (DAX) ausgewählt haben, weil er der Index der größten europäischen Volkswirtschaft ist. Nicht, weil er die beste Performance erzielt hat. Es gibt deutlich stärkere Indizes. Die Ergebnisse anderer Börsenbarometer zeigen ein ähnliches Bild. In den USA ist das Resultat noch eindeutiger. So erzielte der S&P 500 in 2020 eine Performance von 16 %, wohingegen der DAX das Jahr nur knapp positiv beendete.

Risiko & Performance historisch DAX30: Verluste und Performance des deutschen Aktienindex DAX seit 2005 im Jahresverlauf

Es steht 13:3. Trotz eines durchschnittlichen zwischenzeitlichen Verlustes von etwa 20%, erzielte der Index eine Performance von zirka 9% p.a.

DAX Jahresverlauf ©Capital Bank

Datenquelle: Teletrader, eigene Darstellung

Vier Mal so viele positive wie negative Jahresergebnisse

Die Karos zeigen Ihnen, welchen maximalen Verlust (= maximum drawdown) Sie aushalten mussten, um die Rendite der Balken zu erzielen. Der Chart verdeutlicht eindrucksvoll, dass es immer nötig war, Verluste zu akzeptieren, um letztlich Gewinne erzielen zu können. Keine Gewinne ohne Verluste! Diese Information ist für sich betrachtet bereits sehr wertvoll. Allerdings schließt sich, fast schon gezwungen, folgende Frage an:

Kann man temporäre Verluste durch geschicktes Market-Timing verhindern?


Sie erwarten jetzt sicher die Antwort(en), die Sie schon sehr oft gehört haben! „Die Ruhmeshalle der Market-Timer ist ein leerer Saal.“ Oder „Nein, Market-Timing ist unmöglich, entscheidend für die Rendite ist „Time in the market“ usw.

Sie bekommen hier aber keine Antwort von der Stange. Wir haben uns viele unterschiedliche Zeitreihen und Indizes angesehen. Zur Verdeutlichung haben wir für Sie das im DAX starke Jahr 2012 gewählt, das einen zwischenzeitlichen Rückgang hatte, der nahe am Durchschnitt liegt. In Summe erzielte der Anleger eine Performance von 29,06 % vom Jahresbeginn bis –ende. Der maximale Verlust 2012 vom letzten Hoch betrug -16,60 %. Wichtig für die Untersuchung ist eine weitere Zahl: Das Handelsjahr besteht aus - je nach Land und Lage der Feiertage - ungefähr 250 Tagen.  2012 hatte genau 254 Handelstage in Deutschland.

Ein kleines Börsen-Quiz

Bevor Sie jetzt weiterlesen, nehmen Sie sich bitte ein Blatt Papier zur Hand und schreiben Ihre Schätzungen zu folgenden Daten für das Jahr 2012 und den DAX darauf:

  1. Anzahl der negativen Tage
  2. Anzahl der positiven Tage
  3. Höchster Tagesgewinn 
  4. Höchster Tagesverlust
  5. Wie viele Tage wären nötig gewesen, um die Jahressrendite zu erzielen?
  6. Wann waren die renditestärksten Tage?

Die zehn besten Aktientage: Überraschende Erkenntnis

Nur 2,36 % der Handelstage - nämlich sechs (!) - waren für 73,06 % der Rendite verantwortlich. Gerade einmal 10 Tage (3,94 %) waren nötig, um die gesamte Jahresperformance zu überbieten. Ganz wichtig für Sie: Das Ergebnis können Sie auf andere Jahre und Indizes übertragen. Es ist stets das gleiche Bild! Nur wenige Tage erzielen die gesamte Jahresperformance.

Die folgende Tabelle beantwortet fünf der sechs Fragen, die Sie für sich aufgeschrieben hatten. Vergleichen Sie bitte Ihre abgegebenen Tipps mit den Werten in der Tabelle.

Anzahl negative TageAnzahl positive Tagehöchster Tagesgewinngrößter Tagesverlustnotwendige Tage
1161384,33%-3,42%10

Frage 6: Wann waren die renditestärksten Tage an der Börse?

Den Perioden mit den schwächsten Ergebnissen folgten Zeitabschnitte mit den höchsten Gewinnen. Warum? In dieser Zeit ist die Angst vor weiteren Kursverlusten am größten. Die wenigsten Investoren trauen sich in den Markt einzusteigen. Die Börsenlegende Warren Buffet meinte dazu:


 Sei ängstlich, wenn die Anderen gierig sind. Und sei gierig, wenn die Anderen ängstlich sind.

Der Großteil der Anleger und Investoren handelt leider genau anders. Die Masse steckt an.

Überrascht Sie das Ergebnis?

Gratulation, wenn Sie die richtigen Ergebnisse wussten. Vermutlich weichen Ihre Tipps aber von der Realität ab. Keine Sorge: Sie befinden sich in guter und großer Gesellschaft. Die Untersuchung zeigt eindeutig, dass das richtige Timing von Ihnen verlangt, dass Sie genau die 4% der Handelstage treffen, die den Gewinn ausmachen. Obendrein müssen Sie das Ziel zu einem Zeitpunkt treffen, an dem Ihr Standpunkt stark schwankt und es draußen kräftig stürmt. Selbst erfahrene Jäger würden unter diesen Bedingungen keine großen Ziele treffen, geschweige denn kleine.

Flucht nach den zehn schlechtesten Aktientagen

Übrigens: Wenn Sie an den zehn schlechtesten Tagen investiert waren und dann dem Markt den Rücken gekehrt haben, erzielten Sie ein Minus von 27,68%. Das Risiko, die schlechten Tage zu erwischen, ist ähnlich groß wie die Chance, die guten Tage zu treffen. Das Vorhaben ausschließlich bei den guten Tagen dabei zu sein, wird durch den Umstand, dass die besten Ergebnisse nach den schlechten erzielt werden, zusätzlich erschwert. Die nächste Grafik zeigt dies deutlich.

Lassen Sie sich für folgende Grafik ausreichend Zeit.

Verteilung der guten und schlechten Tage des Börsenjahres 2012 im DAX

Tägliche Performance DAX 2020 ©Capital Bank

Datenquelle: Teletrader, eigene Darstellung

Market-Timing bleibt eine Illusion

Die Schaubilder und Zahlen lassen keine andere Schlussfolgerung zu. Desillusionierend, aber wahr: Der Traum vieler Investoren und Anleger, nämlich ein System für das richtige Timing zu haben, gleicht der - erfolglosen und verlustreichen - Suche nach dem heiligen Gral. Beide Ereignisse füllen Bücher, erzählen fesselnde Geschichten und erschaffen Legenden und Helden. Für beide Illusionen finden Sie glühende Gegner und fanatische Anhänger. Gefunden wurde bisher aber weder der heilige Gral, noch das perfekte System für das richtige Timing.

Wie wird sich die Untersuchung für Sie trotzdem rentieren?

Ziehen Sie die richtigen Schlüsse und hören Sie nicht auf Prognosen, vielversprechende neue Handelssysteme oder Propheten. Bleiben Sie grundsätzlich investiert.

So einfach? Investieren und abwarten? Wozu braucht man dann die Heerscharen von Analysten und Beratern? Die Anlage von Geld ist also total einfach?

NEIN! Das ist die falsche Schlussfolgerung. Sie brauchen die Analysten nicht für den Zeitpunkt des Investments. Sie benötigen sie für die richtige Vermögensstruktur - Asset Allocation - und die Auswahl Ihrer Investments. Mindestens genauso wichtig ist Ihr persönlicher Berater. Er ist Ihr mentaler Coach. Er hält Sie in allen Momenten mit den richtigen Argumenten im Markt. Er zerstreut Ihre Zweifel. Er ist Ihr Fels in der Brandung. Er bewahrt Sie vor überhasteten Aktionen. Er passt Ihre Vermögensstruktur an Ihre Lebensverhältnisse an. Er ist das Verbindungsglied zum Vermögensverwalter und gleicht Ihre Ziele mit dessen genutzten Werkzeugen ab. Finden Sie deshalb Ihren perfekten Berater.

„Die Börse ist keine Einbahnstraße“

„Das müssen Sie verstehen, Kursverluste gehören einfach dazu (Stimmt). Die Börse ist schließlich keine Einbahnstraße.“ Das bekommen Sie häufig dann von Ihrem Berater zu hören, wenn er Begründungen für mögliche Kursverluste sucht, oder? Und jeder weiß, was damit gemeint ist: Die Kursentwicklung an den Börsen kennt nicht nur eine Richtung.

Insofern ist der Vergleich mit einer Einbahnstraße unpräzise. Richtigerweise müsst man sagen: Die Börse kennt keine Regelmäßigkeiten. Eine Einbahnstraße kann natürlich - ebenso wie die Börse - kurzfristig die Richtung ändern. Man kann auch aus mehreren Straßen in die Einbahn einbiegen oder sie verlassen.

Tatsächlich fährt aber sowohl die Einbahnstraße als auch die Börse letztlich nur in eine Richtung. Steigen Sie ein, bleiben Sie auf der Straße, lassen Sie sich nicht von Abzweigungen ablenken und vertrauen Sie Ihrem Chauffeur. Er hält Sie in der Spur.

Vereinbaren Sie einen Termin. Die erfahrenen Berater und Beraterinnen der Capital Bank freuen sich auf Sie.

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

 

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
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