IWF-Chefvolkswirt fordert Deutschland zur Reduktion des Leistungsbilanzüberschusses auf

07.08.2018

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Volle Auftragsbücher dank starker Inlandsnachfrage im deutschen Maschinenbau

Die deutschen Maschinenbauer blicken zufrieden auf das erste Halbjahr 2018 zurück. Dank einer starken Nachfrage aus dem Inland haben sich die Auftragsbücher insgesamt um 7,0% gefüllt. Das gab der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers, am Montag bekannt. Während die Bestellungen aus dem Ausland um 6,0% zulegten, konnten aus dem Inland sogar um 10,0% mehr Aufträge an Land gezogen werden. Als Hauptgrund nannte Wiechers die spürbar gestiegene Investitionsneigung im Inland. Damit entwickelte sich die Maschinenbaubranche deutlich besser als die deutsche Industrie insgesamt. Den Umsatz konnten die deutschen Maschinenbauer im ersten Halbjahr real um 4,0 % steigern.

AMERIKA

China will weniger Sojabohnen aus den USA importieren

Sojabohnen gelten als der größte Agrarexport der US-Landwirtschaft nach China. Im Vorjahr lag das Exportvolumen aus den USA nach China bei 32,9 Millionen Tonnen mit einem Gegenwert von 12,3 Milliarden Dollar. Laut eines Experten will die Volksrepublik diese Importe aber deutlich zurückschrauben.

Yin Yulong von der chinesischen Akademie der Wissenschaften sprach am Montag in der staatlichen Zeitung „Economic Daily“ von einer Reduktion der Importe von mehr als 10 Tonnen. Als Grund dafür werden neue Technologien und der Einsatz von Sonnenblumensamen genannt. Bereits Anfang Juli hat die chinesische Regierung die Sojabohnenimporte mit Strafzöllen von 25,0% belastet.

ASIEN

Japanische Haushalte geben wieder deutlich mehr Geld aus

Die Ausgaben der privaten Haushalte in Japan sind im Juni kräftig angestiegen. Wie aus dem Bericht des Statistikbüros hervorgeht, stiegen die Ausgaben der Haushalte im Vergleich zum Vormonat um 2,9% an. Dieser Wert liegt deutlich über den Erwartungen der Experten. Diese sagten lediglich einen Anstieg um 1,7% voraus. Für den Vormonat wurde noch ein Rückgang der privaten Ausgaben um 0,2% ausgewiesen. Die privaten Haushaltsausgaben gelten als wichtiger Schlüsselindikator für das Wirtschaftswachstum in Japan.

UNTERNEHMENS-NEWS

NOVARTIS SCHMIEDET PLÄNE FÜR HARTEN BREXIT

Der Schweizer Pharmariese bereitet sich auf einen möglichen Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne ein direktes Abkommen vor. Dadurch wäre der Handel stark beeinträchtigt. Konkret plant Novartis vor allem die Aufstockung der Lagerbestände des gesamten Arzneimittelportfolios. Änderungen an der bestehenden Struktur auf der Insel will man vorerst nicht vornehmen. Weitere Unternehmen wie der französische Konkurrent Sanofi bestätigten bereits ähnliche Pläne.

GROSSAUFTRAG FÜR SIEMENS-GAMESA

Das Tochterunternehmen des deutschen Industrieriesens konnte einen Großauftrag an Land ziehen. Für einen Windpark nahe der niederländischen Nordseeküste wird Siemens Gamesa 89 Windturbinen liefern und übernimmt auch für 16 Jahre die Wartung. Der Bau des Windparks erfolgt durch das niederländische Unternehmen van Oord - die Fertigstellung ist für 2021 geplant.

Dieser Auftrag dürfte dem Unternehmen 500 Millionen Euro in Kassen spülen. Für Siemens-Gamesa kommen solche Aufträge gerade recht. Das Unternehmen schwächelte zuletzt. Man leidet derzeit unter dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld im Kraftwerksgeschäft.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

IWF-CHEFVOLKSWIRT FORDERT DEUTSCHLAND ZUR REDUKTION DES LEISTUNGSBILANZÜBERSCHUSSES AUF

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maurice Obstfeld, sprach in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ über die aktuellen Spannungen bei den internationalen Handelsgesprächen und über den zu hohen Leistungsbilanzüberschuss unseres Nachbarlandes.

Maurice Obstfeld kritisierte die Berliner Regierung vor allem für die Unterstützung des Ungleichgewichts bei den Kapital- und Warenströmen und für die weitere Ausdehnung des Exportüberschusses: „Deutschland sollte sich der Verantwortung für die globale Finanzstabilität bewusst sein und den eigenen fiskalischen Spielraum erheblich erweitern.“

Der IWF-Chefvolkswirt sehe aufgrund der aktuellen Ungleichgewichte zwar noch keine unmittelbare Gefahr für die globale Finanzstabilität, doch könnte das Risiko von Störungen durch Währungs- und Vermögenspreisanpassungen in immer höher verschuldeten Ländern ansteigen. Dies würde nicht nur die Schuldner-, sondern auch die Gläubigerländer im gleichen Ausmaß treffen.

Deswegen fordert Obstfeld die deutsche Politik auf, den Überschuss durch sinnvolle Investitionen in die heimische Infrastruktur oder in die Digitalisierung abzubauen. Aktuell liege Deutschland mit einer öffentlichen und privaten Investitionsquote von 20% des Bruttoinlandsproduktes klar hinter dem Industrieländerdurchschnitt von 22%.

Volker Treier, Vizegeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sieht die Kritik jedoch „vielfach überzogen“. Es stelle sich nicht die Frage, ob der Überschuss als unverhältnismäßig anzusehen sei. Der positive Saldo entstehe aufgrund der Tatsache, dass überall auf der Welt deutsche Qualitätsprodukte gekauft werden.

Haftungsausschluss

Dieser Breakfast Wrap ist eine freie Zusammenstellung von Informationen über allgemeine volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen und Entwicklungen. Er ist keine Grundlage für Anlageentscheidungen, etwa den Erwerb von spezifischen Produkten. Dieser Breakfast Wrap stellt in keinem Fall eine Empfehlung oder Meinungsäußerung der Capital Bank hinsichtlich bestimmter Anlageformen oder Anlagestrategien oder deren Angemessenheit dar. Individuelle Anlageentscheidungen setzen vielmehr die vorherige anleger- und objektgerechte Beratung sowie umfassende Risikoaufklärung voraus. Dieser Breakfast Wrap stellt keine Steuer- oder Rechtsberatung dar. Alle Informationen beruhen auf sorgfältig ausgesuchten Quellen; die aus diesen Quellen übernommenen Informationen wurden nicht überprüft. Es wird insbesondere keine Gewähr für die Vollständigkeit, Richtigkeit und Aktualität übernommen. Die Auswahl und Aufnahme der Informationen lässt keine Rückschlüsse auf Meinungen und Prognosen seitens der Capital Bank zu. Haftungs- oder Schadenersatzansprüche, welche aus der Nutzung oder Nichtnutzung bzw. aus der Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen resultieren, sind ausgeschlossen.

« zurück