EZB-Direktor sieht Finanzstabilität als Notenbank-Ziel skeptisch

07.09.2018

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Auftragseingänge in der deutschen Industrie lassen etwas nach

Aufgrund der schwächeren Nachfrage aus dem Ausland hat das Neugeschäft in den deutschen Industriebetrieben im Juli etwas nachgegeben. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag berichtete, gab es um 0,9% weniger Neuaufträge als im Vormonat. Von den Experten wurde dagegen ein Anstieg der Aufträge um 1,8% erwartet. Insbesondere die weltweiten Verunsicherungen durch Handelskonflikte dürften dabei eine Rolle gespielt haben. Auch die stockenden Brexit-Verhandlungen werden von den Experten für das geringere Neugeschäft verantwortlich gemacht.

AMERIKA

Wachstum der US-Dienstleister legt im August mehr als erwartet zu

Die Stimmung in den Unternehmen der US-Dienstleistungsbranche hat sich im August wieder deutlich aufgehellt. Der vom Institute for Supply Management (ISM) berechnete Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe konnte von 55,7 Punkten aus dem Vormonat auf 58,5 Zähler deutlich zulegen. Die Schätzungen der Ökonomen lagen lediglich bei einem Anstieg auf 56,3 Punkte. Besonders bei den Subindizes für Neuaufträge und die Produktion gab es ein kräftiges Plus.

ASIEN

Japan will gemeinsame Kredite an afrikanische Staaten anbieten

Der japanische Außenminister Taro Kono hat gemeinsame westliche Kredite an afrikanische Staaten vorgeschlagen. Diese Initiative soll die afrikanischen Länder davor schützen, in eine finanzielle Abhängigkeit von China zu geraten.

Kono schlug eine Bündelung von Finanzhilfen durch die USA, der EU und Japan vor. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bereits ihre Bedenken über die hohen Kreditzusagen Chinas an einige afrikanische Länder geäußert.

UNTERNEHMENS-NEWS

SIEMENS UND ALSTOM BESTÄTIGEN FUSIONSPLAN

Die australische Wettbewerbsbehörde räumte Bedenken über die Zusammenlegung der Zugsparte von Siemens mit dem französischen Konkurrenten Alstom ein. Nach einer ersten Einschätzung könnte sich diese negativ auf die derzeitige Wettbewerbssituation auswirken und in weiterer Folge möglicherweise zu höheren Preisen und weniger Innovation führen, so die Behörde. Mit einer endgültigen Entscheidung in dieser Causa ist am 29. November zu rechnen.

Siemens und Alstom teilten daraufhin mit, dass die Zusammenlegung wie geplant im ersten Halbjahr 2019 über die Bühne gehen soll. Die kritischen Einwände seien wenig überraschend und könnten in Gesprächen mit den australischen Behörden ausgeräumt werden.

Die Zusammenlegung der Zugsparte von Siemens und Alstom wurde bereits im September des letzten Jahres angekündigt. Ursprünglich war ein Abschluss der Transaktion bis zum Ende dieses Jahres vorgesehen. Die beiden Unternehmen hatten jedoch erst vor kurzem erklärt, dass es zu Verzögerungen kommen werde und sich die endgültige Übernahme verzögern wird. Mit der neu geschmiedeten Allianz will man sich gegen den großen Konkurrenten CRRC aus China behaupten. Dieser hat bereits die Überhand am US-Markt gewonnen und will auch in Europa verstärkt Fuß fassen.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

EZB-DIREKTOR SIEHT FINANZSTABILITÄT ALS NOTENBANK-ZIEL SKEPTISCH

EZB-Direktor Yves Mersch hat sich bedeckt zu Forderungen geäußert, die Euro-Notenbank solle als zusätzliches Ziel auch die Finanzstabilität in ihre Agenda aufnehmen. Die EU-Verträge hätten der Europäischen Zentralbank (EZB) hier eine beisteuernde und unterstützende Rolle zugewiesen, sagte Mersch am Donnerstag auf einer Konferenz in Frankfurt. Das sei laut Mersch besser so: „Andernfalls könnte politischer Druck, diese oder jene Haltung in Fragen der Finanzstabilität einzunehmen, auch die Zentralbank-Unabhängigkeit gefährden.“

Der Chef der Deutschen Bundesbank Jens Weidmann hatte zuletzt ebenfalls davor gewarnt, die Geldpolitik mit dieser Aufgabe zu überbelasten. Die EZB hat als vorrangigen Auftrag, die Preisstabilität im Euro-Gebiet zu gewährleisen. Dies sehen die Währungshüter dann als erfüllt an, wenn die Inflation auf mittlere Sicht bei knapp unter 2% liegt. In der jüngsten Vergangenheit waren immer wieder Stimmen laut geworden, die EZB solle darüber hinaus für die Bewahrung eines stabilen Finanzsystems sorgen.

Mersch stuft solche Forderungen auch deshalb kritisch ein, da sich Finanzstabilität im Unterschied zu Preisstabilität nur schwer messen lässt. Ohne ein klar messbares Ziel sei es aber viel schwieriger, die Leistungen einer Institution zu bewerten und sie in die Pflicht zu nehmen, bekräftigte er.

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