EZB halbiert Anleihekaufprogramm – Türkische Notenbank widersetzt sich Erdogan

14.09.2018

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Inflation in Deutschland verharrt auf hohem Niveau

Dank gestiegener Energiepreise ist die Inflationsrate in Deutschland auch im August vergleichsweise hoch geblieben. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag berichtete, verharrte die Teuerungsrate für Waren und Dienstleistungen auf dem Wert des Vormonates bei 2,0%.

Als besonders preistreibend zeigten sich, wie bereits in den Monaten zuvor, die Preise für Energie. Für Energieprodukte musste um 6,9% mehr bezahlt werden. Auch die Preise für Lebensmittel legten mit plus 2,5% überdurchschnittlich stark zu. Klammert man die Preise für Energie und Lebensmittel aus, wäre die Teuerung lediglich bei 1,3% gelegen.

AMERIKA

US-Arbeitsmarkt zeigt sich weiter in guter Verfassung

Die Bedingungen auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt sind weiter ausgezeichnet. Wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington bekanntgab, wurden in der letzten Woche um 1.000 Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe weniger gestellt als in der Woche zuvor. Damit wurde ein Tiefststand an Erstanträgen von 203.000 erreicht. Der etwas aussagekräftige Vierwochenschnitt ging ebenfalls zurück. In dieser Abgrenzung sank die Anzahl der Anträge um 2000 auf 208.000.

ASIEN

Einzelhandel und Industrieproduktion in China legen wieder zu

Die Produktion in den chinesischen Industriebetrieben konnte im August wieder zulegen. Nach den Angaben des nationalen Statistikbüros wurde im Jahresvergleich um 6,1% mehr produziert. Im Juli lag der Wert noch bei 6,0%.

Etwas überraschen konnten auch die Umsätze im Einzelhandel. Diese legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 9,0% deutlich zu. Von den Experten wurde lediglich eine Stagnation auf dem Wert des Vormonates bei 8,8% erwartet.

UNTERNEHMENS-NEWS

APPLE MIT NEUEN PRODUKTEN

Mitte der Woche hat der amerikanische Technologiekonzern Apple seine neue iPhone-Linie sowie eine neue Apple-Watch vorgestellt. Dabei bestechen die neuen Modelle hauptsächlich durch größere Bildschirme, bessere Kameras und verbesserte hauseigene Prozessoren.

Auch auf den traditionellen Home-Button, der in der Vergangenheit die Smartphone Bedienung geprägt hat, wird bei den neuen Modellen komplett verzichtet. So setzt Apple hier auf die bereits zum Einsatz kommende Gesichtserkennung.

Die neuen teureren Modelle bekommen als erste iPhones auch eine zusätzliche fest eingebaute eSIM-Karte, die auf Netze verschiedener Betreiber umprogrammiert werden kann. Damit wird man in Zukunft ein iPhone auch mit zwei Telefonnummern nutzen können. Bei der neuen Apple Watch wird es ein EKG-Messgerät geben. Apple ist damit der erste Anbieter, der einen EKG-Sensor in einer Computer-Uhr unterbringen konnte.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

EZB HALBIERT ANLEIHEKAUFPROGRAMM – TÜRKISCHE NOTENBANK WIDERSETZT SICH ERDOGAN

Es dürfte eine vergleichsweise einfache EZB-Ratssitzung gewesen sein, gestern in Frankfurt. Wie vielfach kommuniziert, wird die Notenbank das Anleihekaufprogramm im Oktober auf ein monatliches Volumen von 15 Milliarden Euro reduzieren. Ende des Jahres sollen die Nettozukäufe beendet werden. Ab nächstem Jahr werden nur noch Tilgungen innerhalb des EZB-Portfolios reinvestiert.

Der Zinssatz für die Hauptfinanzierungsgeschäfte sowie die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagenfazilität wurden unverändert bei 0,00%, 0,25% beziehungsweise -0,40% belassen. Zudem bestätigte die Notenbank erneut, dass die Leitzinsen mindestens über den Sommer 2019 auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.

In ihren Einschätzungen über die wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone korrigierten die Experten des Eurosystems die Konjunkturerwartungen für die Jahre 2018 und 2019 geringfügig auf 2,0% beziehungsweise 1,8% nach unten. Für das Jahr 2020 werden weiterhin 1,7% Wachstum erwartet. Die Inflationserwartungen blieben hingegen unverändert bei 1,7% für die Jahre 2018 bis 2020. In Richtung seines Heimatlandes Italien richtete Notenbankpräsident Draghi angesichts der bevorstehenden Budgetverhandlungen den Apell, solide Haushaltspositionen sicherzustellen. Zudem drängte der EZB-Rat auf entschlossene Schritte zur Vollendung der Banken- und Kapitalmarktunion.

Mit Spannung wurde gestern neben der EZB-Notenbankkonferenz auch die Sitzungen der britischen und der türkischen Notenbank verfolgt. Kurz vor den Presseberichten der türkischen Notenbank bezeichnete der türkische Staatspräsident Erdogan Zinsen erneut als Instrument der Ausbeutung. Die türkische Lira reagierte sofort mit erneuten Verlusten. Im Kampf gegen die Lira-Krise stellte sich die türkische Notenbank jedoch mit einer überraschend starken Anhebung der Leitzinsen gegen Erdogan. Sie erhöhte den Leitzins von 17,75 auf 24% und stützte damit die türkische Währung, die im anschließenden Handel deutlich zulegen konnte.

Die Bank of England beließ gestern den Leitzins dagegen unverändert. Sie hatte diesen erst vor einen Monat auf 0,75% und damit das höchste Niveau seit dem Jahr 2009 angehoben.

BANKEN SPRECHEN SICH FÜR EZB-GELDMARKTZINS „ESTER“ AUS

Bei kurzfristigen Geldmarktgeschäften wird ein von der Europäischen Zentralbank (EZB) bereitgestellter Referenzzins künftig den Takt vorgeben. Die großen Banken der Euro-Zone haben sich dafür ausgesprochen, den von den Währungshütern entwickelten Zinssatz „Ester“ als neuen Richtwert anzuwenden, wie die EZB am Donnerstag mitteilte.

Manche Geldmarkt-Referenzsätze waren in der Vergangenheit ins Visier geraten, als öffentlich wurde, dass Banker sie jahrelang zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert hatten. An ihnen orientieren sich die Zinsen für zahlreiche Finanzgeschäfte im Gesamtvolumen von Billionen von Euro.

Die EZB hatte angekündigt, ihren kurzfristigen Referenzsatz bis Oktober 2019 bereitzustellen. Ester soll ausschließlich auf Grundlage der Geldmarktstatistik berechnet werden und damit weniger anfällig für Manipulationen sein. Der Zins löst den bisherigen Referenzzins Eonia für Tagesgeld im Interbankengeschäft ab.

In Europa müssen bis 2020 sowohl der Eonia-Zinssatz als auch der Euribor-Satz, den Banken untereinander für kurzfristige Euro-Kredite ansetzen, grundlegend reformiert werden, da zu diesem Zeitpunkt eine neue EU-Verordnung in Kraft tritt. Die alten Richtgrößen entsprechen dann nicht mehr den Vorgaben. Ein Vorstoß der Finanzbranche, die Methode zur Festsetzung für den Euribor-Referenzzins zu überarbeiten, war 2017 fehlgeschlagen.

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