Angekündigte Reform der Währungsunion bringt umstrittene Kompromisslösung

05.12.2018

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Erzeugerpreise in der Eurozone ziehen kräftig an

Die Preise auf Erzeugerpreise im Euroraum haben im Oktober deutlich mehr als erwartet zugelegt. Wie aus den Zahlen der Statistikbehörde Eurostat vom Dienstag hervorgeht, sind die Herstellerpreise im Vergleich zum Vormonat um 0,8% angestiegen. Die Erwartungen der Volkswirte lagen nur bei einem Preisanstieg um 0,5%. Im Jahresvergleich lagen die Preise um 4,9% höher. Für die gesamte EU meldete Eurostat ein Preisplus zum Vormonat um 0,7%. Die Herstellerpreise gelten als wichtiger Indikator für die Entwicklung der Verbraucherpreise. In der Regel werden Änderungen bei den Einkaufskosten an den Handel und somit an den Verbraucher weitergegeben.

AMERIKA

US-Präsident Trump bestätigt Verhandlungsbeginn mit China

Mit einer Meldung auf Twitter hat US-Präsident Trump den Beginn der Verhandlungen mit der chinesischen Regierung über eine Lösung des Handelskonfliktes am Dienstag bestätigt. Die Gespräche sind für einen Zeitraum von 90 Tagen anberaumt und können bei Bedarf auch verlängert werden. Als Verhandlungsführer ernannte Trump nach Angaben eines Regierungssprechers am Montag seinen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer. Dieser hatte erst vor kurzem einen neuen Handelsvertrag mit Mexiko und Kanada ausgehandelt.

ASIEN

Chinas Dienstleistungssektor wächst im November kräftig

Die Stimmung unter den Dienstleistungsunternehmen in China hat sich im November wieder aufgehellt. Verantwortlich dafür war vor allem das deutlich anziehende Neugeschäft. Der Caixin/Markit-Einkaufsmanagerindex stieg von 50,8 Punkten aus dem Oktober auf 53,8 Zähler kräftig an. Für die gestiegene Auftragslage stockten die Betriebe auch ihre Personalstände auf. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet etwas mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes (BIP) des Landes. Das Wachstum fiel im letzten Monat etwas besser aus als bei den Industriebetrieben.

UNTERNEHMENS-NEWS

NESTLÉ STELLT SICH ERNEUT GEGEN THIRD POINT

Der Schweizer Nahrungsmittelriese steht bereits seit Monaten unter Druck aus Amerika. Der aktivistische Investor Daniel Loeb mit seinem Fonds Third Point LLC, der derzeit rund 1,30% an dem Schweizer Unternehmen hält, fordert Veränderungen. Vor allem die 23%-Beteiligung an L‘Oreal stößt Loeb bitter auf. Diese soll veräußert werden.

Vorstandvorsitzender Paul Bulcke wehrt sich nun erneut gegen die Kritik. Man werde zur richtigen Zeit über die Beteiligung entscheiden, so dieser in einem Interview mit der Financial Times. Wann und welche Kriterien herangezogen werden, ließ er aber offen.

Die neue Geschäftsführung unter Ulf Schneider hat dem Konzern bereits eine Neuausrichtung verordnet.. Man will sich verstärkt auf wachstumsstarke Geschäftsfelder wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung konzentrieren. Von anderen, weniger lukrativen Geschäftsteilen, will man sich trennen. Den Worten ließ man auch bereits Taten folgen.

So wechselte das schwächelnde Süßwarengeschäft bereits den Besitzer, auch vom Lebensversicherungsgeschäft hat man sich getrennt. Andererseits wurden Zukäufe im wachstumsstarken Gesundheitsgeschäft getätigt. Schneider zufolge ist Nestlé auf dem besten Weg, seine Ziele zu erreichen. Anvisiert sind unter anderem eine deutliche Margenverbesserung und eine Steigerung des Betriebsgewinns.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

ANGEKÜNDIGTE REFORM DER WÄHRUNGSUNION BRINGT UMSTRITTENE KOMPROMISSLÖSUNG

Bereits seit Jahren versuchen die Euro-Finanzminister, eine gemeinsame Reform der Währungsunion auf den Weg zu bringen. Nach einem Verhandlungsmarathon konnten sich die Eurofinanzminister in den frühen Morgenstunden des gestrigen Dienstags auf einen Kompromiss einigen. Obwohl viele im Ergebnis „mehr Reförmchen statt Reform“ sehen, sind die Ergebnisse nicht unumstritten.

Vor allem der von Frankreich und Deutschland forcierte Eurozonen-Haushalt sorgte für Zündstoff. Sechs Stunden lang hätten der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra und der französische Finanzminister Bruno Le Maire über das Euro-Budget gestritten. Am Ende blieb der Begriff Euro-Zonen-Budget nur als „Möglichkeit“ in der Schlusserklärung stehen. Hoekstra setzte außerdem die Kürzung der Formulierung durch. Das Budget dürfe zwar für mehr „Konvergenz“ zwischen den Euro-Volkswirtschaften und für mehr „Wettbewerbsfähigkeit“ genutzt werden. Nicht aber für die „Stabilisierung“ wirtschaftlich schlecht geführter Länder.

Der Eurozonen-Haushalt ist unter Ökonomen nicht unumstritten. So erklärte der deutsche Ökonom Hans Werner Sinn vor kurzem in einem Interview mit dem Magazin „Business Insider“, man könne „durch Finanztransfers zwar den Lebensstandard der Bevölkerung der betroffenen Länder heben, doch kann man die dortige Wirtschaft nicht voranbringen“. Im Gegenteil würde das Eurozonen-Budget „eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit der Empfängerländer“ bewirken, so Sinn.

Neben dem Eurozonen-Budget wurde von den Finanzministern auch die Weiterentwicklung des Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM zum Europäischen Währungsfonds beschlossen. Schon bevor ein Land vor der unmittelbaren Pleite steht, soll er ähnlich dem Internationalen Währungsfonds Notkredite vergeben können. Im Fall einer drohenden Staatspleite soll er zwischen dem Schuldnerland und den Gläubigern einen Schuldenschnitt vermitteln können.

Die Durchsetzung eines solchen Schuldenschnitts bei europäischen Staatsanleihen soll ab 2022 außerdem durch die Einführung einer neuen Regelung („single limb collective action clause“) erleichtert werden. Dafür soll der ESM gemeinsam mit der EU-Kommission die Volkswirtschaften der Eurozone überwachen.

Auch bei Bankenkrisen soll der ESM durch die so genannte Backstop-Regelung zum Einsatz kommen. Spätestens ab 2024 soll der ESM über eine Not-Kreditlinie für Banken verfügen. Über den Backstop sollen Gelder erst fließen, wenn der von den Banken selbst gefüllte Abwicklungsfonds („SRF“) ausgeschöpft ist.

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