EZB Protokolle: Geldpolitik hängt von weiterer Entwicklung ab

19.05.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Briten lassen sich von hoher Inflation die Kauflaune nicht verderben

Die Konsumenten im Vereinigten Königreich haben im April trotz gestiegener Inflation für gute Umsätze im Einzelhandel gesorgt. Das Statistikamt ONS meldete am Donnerstag eine Steigerung der Einzelhandelsumsätze um 2,3% gegenüber dem Vormonat. Von den Analysten wurde lediglich ein Plus von 1,0% erwartet. Als umsatztreibend erwiesen sich vor allem die Osterfeiertage im April. Auch im Jahresvergleich konnten die Umsätze positiv überraschen, hier meldet das Statistikamt ein Plus von 4,0%.

AMERIKA

USA: Philly-Fed-Index springt hoch

Das Geschäftsklima in der Region Philadelphia hat sich im Mai überraschend stark verbessert. Der von der regionalen Notenbank berechnete Konjunkturindex (Philly-Fed-Index) ist im Mai um 16,8 Punkte auf 38,8 Zähler hochgesprungen. Die Volkswirte erwarteten hingegen einen Rückgang auf 19,5 Zähler.

Der Subindex für die Auslieferungen legte auf 39,1 Punkte zu, beim Beschäftigungsindex und dem Index für Neugeschäfte gab es leichte Rückgänge. Der Philly-Fed-Index bildet die wirtschaftlichen Aktivitäten der Industrie in der Region Philadelphia ab und gilt als wichtiger Frühindikator für die US-Produktion.

ASIEN

Japan kann Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal deutlich steigern

Der Bericht des Kabinettbüros vom Mittwoch hat gezeigt, dass sich das japanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal mehr als erwartet erhöht hat. Gegenüber dem letzten Quartal stieg das BIP um 0,5% an. Die Erwartungen der Analysten lagen nur bei einer Steigerung um 0,4%. Auf Jahressicht konnte das BIP um 2,2% wachsen. Getrieben wurde das Wirtschaftswachstum vor allem durch höhere Konsumausgaben und gestiegene Exporte.

UNTERNEHMENS-NEWS

ANHEUSER-BUSCH INVESTIERT IN US-BRAUEREIEN

Der weltgrößte Bierbrauer nimmt in den kommenden Jahren etwa zwei Milliarden US-Dollar in die Hand, um sowohl die Produktion als auch den Vertrieb zu verbessern. Allein im heurigen Jahr sollen etwa 200 Millionen US-Dollar den Brauereien zufließen. Somit ist es eines der größten Investitionsprogramme der Konzerngeschichte. Ziel ist es, die Position im US-Markt weiter zu stärken beziehungsweise ausbauen.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

EZB-PROTOKOLLE: GELDPOLITIK HÄNGT VON WEITERER ENTWICKLUNG AB

Aus den gestern veröffentlichten Protokollen der EZB-Sitzung vom April geht hervor, dass bereits aufgekommene Diskussionen über Möglichkeiten zur Beendigung der Geldpolitik vom Rat als zu früh erklärt wurden. Obwohl der EZB-Rat dem Wachstumsausblick unlängst optimistischer entgegensah als zuletzt, war man vor allem hinsichtlich der Inflationserholung skeptisch.

Das Protokoll spricht davon, dass bei einer nachhaltigen und selbsttragenden Entwicklung der Inflation in die Nähe der angestrebten 2%-Marke, künftig eine umfangreichere Diskussion über die Möglichkeiten zur Normalisierung der Geldpolitik angebracht wäre. Im heurigen Jahr kam vor allem von Seiten Deutschlands vermehrt die Forderung nach einem Ende der lockeren Geldpolitik. Gemäß dem Protokoll war sich der Rat bei der vergangenen EZB-Sitzung aber großteils einig, dass sich die Inflation noch nicht auf einem nachhaltigen Weg befindet.

In der April-Sitzung hatte der EZB-Rat die Geldpolitik unverändert belassen, sowohl auf der Zinsseite wie auch beim Anleihekaufprogramm. Falls es notwendig sei, hatte der Rat sogar eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt sowie eine mögliche Ausweitung des Anleihekaufprogramms.

Anfang Juni wird sich die EZB dann anhand der neuen Stabsprojektionen und anderer Daten ein neues Bild bezüglich Wachstums- und Inflationsaussichten machen. Im April lag die Inflationsrate bei 1,9%, nach 1,5% im März. Für den aktuellen Monat erwartet man jedoch einen Rückgang. Die Zielmarke der EZB liegt bei knapp 2%.

ERSTMALS SEIT FÜNF JAHREN WENIGER BAUGENEHMIGUNGEN IN DEUTSCHLAND

Der deutsche Bauboom scheint sich abzuschwächen. Von Jänner bis März nahm die Anzahl der Baugenehmigungen um 5600 oder 6,6% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 79.000 ab. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgab, handelt es sich dabei um den ersten Rückgang in einem Quartal seit fünf Jahren.

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) stufte dies als ein leichtes Minus auf hohem Niveau ein und erkennt darin somit keine Trendwende. „Die Rahmenbedingungen sind weiter gut“, befand ZDB-Experte Andreas Geyer. „Die Daten sind kein Signal, um jetzt schon in Panik zu verfallen.“

Allerdings verlief die Entwicklung je nach Wohnungstyp uneinheitlich. Entgegen dem Trend nahmen Genehmigungen für den Bau neuer Mehrfamilienhäuser mit mindestens drei Wohnungen um 5,5% zu und erreichten mit 37.600 den höchsten Quartalswert seit 20 Jahren. Das sei die Entwicklung, die Deutschland brauche, um der Wohnraumknappheit in Großstädten und Uni-Städten entgegenzuwirken, ergänzte Geyer. Auch bei Wohnheimen gab es eine Zunahme, und zwar um 2,2%, während die Nachfrage für den Um- und Ausbau bestehender Häuser - etwa das Aufstocken mit Dachgeschosswohnungen – um 3% zurückging. Bei Einfamilienhäusern (-15,3%) und Zweifamilienhäusern (-7,2%) musste man ebenfalls Rückgänge verzeichnen.

Allgemein profitiert die Baubranche seit längerem von niedrigen Zinsen. Derart leisteten sich in den vergangenen Jahren einerseits immer häufiger private Bauherren die eigenen vier Wände, während andererseits Investoren mangels attraktiver Anlagealternativen ihr Kapital in Immobilien veranlagen. Zusätzlich erhöht der Zuzug von Flüchtlingen in Ballungsräume die Nachfrage nach Wohnungen. Fachleute errechnen für dieses Jahr die Schaffung von 310.000 bis 320.000 neuen Wohnungen, womit der von der Regierung in Berlin hochgerechnete jährliche Bedarf von 350.000 Wohnungen aber verfehlt würde.

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