Venezuela und was es mit dem Dekret 7784 auf sich hat - Kann die Apple-Watch bald telefonieren?

08.08.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Deutsche Unternehmen fahren Produktion etwas zurück

Nach fünf Anstiegen in Folge haben die deutschen Unternehmen ihre Produktion im Juni etwas gedrosselt. Wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag mitteilte, haben Industrie, Baubranche und die Energiebetriebe gegenüber dem Vormonat um 1,1% weniger produziert. Von den Ökonomen wurde ein weiteres leichtes Wachstum um 0,2% erwartet, der Wert von +1,2% aus dem Mai wurde bestätigt.

Die Experten gehen allerdings davon aus, dass die größte Volkswirtschaft Europas trotz des Produktionsrückganges ihr Wachstumstempo halten wird können. Es sei aufgrund der guten Auftragslage und der Belebung der Weltwirtschaft nicht mit einer Trendwende zu rechnen. Auch das immer noch niedrige Zinsniveau wirke weiter als Konjunkturstütze.

AMERIKA

Beschäftigungsindex in den USA legt weiter zu

Der vom Conference Board ermittelte Arbeitsmarktindex ist im Juli wieder leicht angestiegen. Er legte von 132,42 Punkten aus dem Vormonat auf 133,77 Zähler zu. Der Index wird von Ökonomen der US-Notenbank erfasst und basiert auf 19 verschiedenen Indikatoren, die den Arbeitsmarkt charakterisieren. Damit können die allgemeinen Arbeitsmarktbedingungen besser widergespiegelt werden. Er gilt als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung der USA.

ASIEN

Chinas Exportwachstum fällt im Juli schwächer aus als erwartet

Die Exporte der chinesischen  Unternehmen sind im Juli deutlich schwächer als erwartet ausgefallen. Es wurden im Vergleich zum Vorjahr um 7,2% mehr Waren und Dienstleistungen ausgeführt. Dies gab die Zollbehörde am Dienstag bekannt. Die Schätzungen der Experten lagen bei einem Exportplus von 10,9%, der Zuwachs des Vormonates lag noch bei 11,3%.

Die letzten Konjunkturdaten Chinas sind sehr positiv ausgefallen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte erst kürzlich seine Wachstumsprognose für 2017 von 6,6% auf 6,7% leicht angehoben. Als dämpfend für das Exportwachstum wurden aber politische Risiken, wie der Handelsstreit mit den USA und der Nordkorea-Konflikt angeführt.

UNTERNEHMENS-NEWS

KANN DIE APPLE-WATCH BALD TELEFONIEREN?

Noch in diesem Jahr soll eine neue Generation der Smartwatch des Techriesen auf den Markt kommen. Diese soll dann auch ohne iPhone auskommen und beispielsweise direkt über das Mobilfunknetz ins Internet gehen. Bislang war dafür noch eine Verbindung mit dem Telefon nötig. Den Angaben von Apple zufolge ist man derzeit in Gesprächen mit Mobilfunkanbietern in den USA und Europa. Läuft alles nach Plan, steht einer Marktführung 2017 nichts im Wege.

Die Apple-Watch ist die weltweit meistverkaufte Computeruhr. Während sich Apple mit den Verkaufszahlen bedeckt hält, gehen Marktbeobachter von mehr als drei Millionen abgesetzten Uhren pro Quartal aus. Zuletzt seien diese auch deutlich angestiegen.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

VENEZUELA UND WAS ES MIT DEM DEKRET 7784 AUF SICH HAT

Eigentlich handelt es sich bei dem Land um den ölreichsten Staat der Erde. Trotzdem ist man in Venezuela derzeit am Boden. Begonnen hat alles mit einem willkürlichen Erlass des damaligen Präsidenten Hugo Chávez vor sieben Jahren.

Aktuell ist die Versorgungslage des Landes katastrophal. Medikamente sind teilweise überhaupt nicht erhältlich, sodass Verwandte sich über TV für Medikamente für ihre Angehörigen einsetzen. Dies und viele andere Punkte treiben die Leute zu Protesten auf die Straße. Die Fehler sind hausgemacht und liegen teils Jahre zurück. Diese ließen Investitionen ausbleiben und trieben viele junge Venezolaner zur Jobsuche in die Nachbarländer.

Der Grundstein für die leeren Apotheken und Supermärkte geht auf das Präsidentendekret 7784 zurück. Bei diesem geht es um die Verstaatlichung des Einkaufszentrums „Sambil La Candelaria“ nahe dem Präsidentenpalast in Caracas. In der neuen Shopping Mall hätten 4.000 direkte und 6.000 indirekte Arbeitsplätze entstehen sollen. Viele Einzelhändler haben ihr ganzes Hab und Gut verkauft, um damit ihren Traum eines Lokals in dem neuen Einkaufscenters zu verwirklichen. Als Venezuela von der großen Flut heimgesucht wurde, hatte der damalige Präsident Hugo Chávez kurzerhand das Einkaufszentrum verstaatlicht, um dort wie auch in Hotels die Flutopfer einzuquartieren. Das Problem bei der ganzen Sache war nur, dass die versprochenen Ausgleichzahlungen der Regierung nie ankamen und viele Unternehmen deshalb Pleite gingen. Die Regierung kontrolliert inzwischen auch die Preise der Supermärkte. Sollte der Preis in den Augen der Regierung nicht gerecht sein, dann führt dies dazu, dass Ladenbesitzer verhaftet, öffentlich vorgeführt werden und ihr Lager beschlagnahmt wird.

Die immense Inflation des Landes – der IWF geht von rund 720% im Jahr 2017 aus - hat aktuell aber einen Großteil der Einzelhändel aufgeben lassen. Der Schwarzmarkt, der den stabilen US-Dollar als Ersatzwährung hat, boomt. Die Regierung Maduros will die Krise aber nicht wahrhaben.

Auch der Kahlschlag des staatlichen Erdölkonzerns PDVSA unter Hugo Chávez, bei dem knapp 18.000 Mitarbeiten (rund die Hälfte des Personals) gefeuert wurde, bedingte den Abstieg Venezuelas. Dem Konzern fehlte fähiges Personal, was nun dazu führt, dass Raffinerien verrotten und Pipelines platzen. So zerstörte eine Explosion 2012 Teile der größten Raffinerie des Landes.

Experten zufolge benötigt Venezuela einen Ölpreis von rund 90 US-Dollar, um seinen Staatshaushalt zu decken. Derzeit liegt der Ölpreis für WTI aber nur bei rund 48 US-Dollar. Zu Zeiten Chávez Regentschaft lag der Ölpreis noch bei über 100 Dollar. So ließen sich neben populären Sozialprogrammen – die ihm seine Wiederwahl sicherten – beispielsweise auch der Copa Amerika im Jahr 2007 finanzieren. Seit Nicolás Maduro an der Macht ist, ging es mit dem Ölpreis aber immer weiter bergab. Katastrophal für das Land ist auch, dass viele gut ausgebildete Leute das Land gleich nach der Ausbildung verlassen. Deshalb hegen Experten Zweifel, ob sich Venezuela auch nach einem Regierungswechsel so schnell erholen würde.

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