Nafta 2.0 startet in die Verhandlungen

11.08.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Französische Industrieproduktion fällt im Juni schwächer aus

Nach einem starken Vormonat hat sich die Herstellung in den französischen Industriebetrieben im Juni wieder etwas verringert. Laut dem Bericht des staatlichen Statistikamtes Insee vom Donnerstag lag die Gesamtproduktion im Juni um 1,1% unter dem Niveau des Vormonates. Von den Analysten wurde nur ein leichter Rückgang von 0,6% erwartet. Im Mai gab es noch einen deutlichen Zuwachs von 1,9%. Auf Jahressicht legte die Gesamtproduktion, die auch die Energieerzeugung beinhaltet, um 2,6% deutlich zu.

AMERIKA

Preisdruck auf Erzeugerebene in den USA bleibt weiter nur moderat

Die Preisentwicklung auf Ebene der Unternehmer in den USA hat sich weiter leicht abgeschwächt. Die Daten des US-Arbeitsministeriums vom Donnerstag haben gezeigt, dass im Vergleich zum Vorjahresmonat die Erzeugerpreise um 1,9% gestiegen sind. Der Wert des Vormonates betrug noch 2,0%. Damit ist die Jahresrate bereits das dritte Mal in Folge zurückgegangen. Die Erwartungen der Analysten lagen bei einem Preiszuwachs von 2,2%.

Die schwache Inflation gilt weiterhin als Hauptgrund für die sehr verhaltene Geldpolitik der US-Notenbank. Diese richtet sich hauptsächlich nach dem Verbraucherpreisniveau aus, welche durch die Preisentwicklung auf Herstellerebene beeinflusst wird.

ASIEN

Nordkorea-Konflikt belastet asiatische Märkte

Die asiatischen Märkte leiden unter der verbalen Zuspitzung des Konfliktes zwischen Nordkorea und den USA. An allen asiatischen Aktienmärkten waren Ende dieser Woche Kursabschläge zu verzeichnen. Auch die Devisenmärkte sind durch den Nordkorea-Konflikt belastet. Sowohl der südkoreanische Won als auch der philippinische Peso und der australische Dollar schwächten sich gegenüber Euro und Dollar ab. Gewinner sind die Krisenfluchtwährungen japanischer Yen und der Schweizer Franken.

UNTERNEHMENS-NEWS

ANHEUSER-BUSCH BÜNDELT RUSSLAND-AKTIVITÄTEN

Der weltgrößte Bierproduzent tut sich mit dem türkischen Konkurrenten Anadolu Efes zusammen um die Geschäftseinheit zu stärken. Die jeweiligen Teile sollen zukünftig in das neue Unternehmen AB InBev-Efes fusioniert werden und somit neue Wachstumsmöglichkeiten schaffen. Eine Eingliederung der Ukraine-Einheit von Anheuser-Busch wird ebenfalls überlegt. Finanzielle Details zur Transaktion wurden vorerst nicht genannt.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

NAFTA 2.0 STARTET IN DIE VERHANDLUNGEN

Nächsten Mittwoch fällt der Startschuss für die Verhandlungen von Nafta 2.0. Dann verhandeln die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada das Freihandelsabkommen in Washington neu. Das North American Free Trade Agreement, kurz Nafta soll dadurch modernisiert werden.

Aktuelle Streitpunkte sind vor allem der Agrarsektor und das Schiedsverfahren. Bei seiner Wahl zum Präsidenten hatte Donald Trump in Punkto Handelsabkommen so einiges versprochen. Das primäre Ziel der USA ist es, das Handelsdefizit des Landes zu senken. Aktuell führen die USA aus Mexiko und Kanada viel mehr Waren ein als sie selbst exportieren. Mit Mexiko liegt das Handelsdefizit der USA bei rund 48 Milliarden Euro. Das Handelsabkommen hat in Mexiko vor allem die Autoindustrie angeschoben. Glaubt man den Experten, so gehen diese nicht davon aus, dass die USA das Handelsdefizit mit Nafta 2.0 senken können. Denn weder Mexiko, noch Kanada wollen am derzeitigen Abkommen viel verändern. Das Leitungsbilanzdefizit beider Länder liegt zudem höher als jenes der USA. Sowohl Kanada wie auch Mexiko sind Nettoimporteure.

Das „Peterson Institute for International Economics“ hat jüngst eine Analyse zu dem Thema durchgeführt. Ihrer Ansicht nach liegt der Grund dafür, dass die Vereinigten Staaten mehr importieren als exportieren daran, dass sie sich immer weiter verschulden. Das Peterson Institute sieht die Lösung im Senken des US-Defizits. Ein neues Handelsabkommen mit Mexiko und Kanada würde gemäß dem Institut nur das Defizit mit einem anderen Land in die Höhe treiben, denn die Waren müssten schließlich von irgendwo herkommen.

Mit Kanada wollen die USA unter anderem einen besseren Zugang für ihre Agrarprodukte haben. Obwohl der Agarsektor bei Nafta nur eine untergeordnete Rolle spielt, sind einige US-Bundestaaten sehr von den Agrarerzeugnissen abhängig. Kanada könnte in diesem Punkt einer Marktöffnung im Agrarbereich aber zustimmen. Jedoch wollen die USA auch die „Rules of Origin“ verschärfen. Hierbei kann ein Produkt unter Nafta zollfrei gehandelt werden, wenn 62,5% der einzelnen Teile in einem Nafta-Land hergestellt werden. Das könnte in Folge den Verkauf von PKWs aus Mexiko in den USA bremsen, da bei diesen einige Teile aus Europa zugeliefert werden.

Eine Verschärfung der „Rules of Origin“ könnte den Klein- und Mittelbetrieben das Leben schwer machen, da man für die Herkunft der einzelnen Teile komplizierte Nachweise erbringen muss. Zudem wollen die USA das bisherige Schiedsverfahren abschaffen. Demnach würde es in Zukunft keine Möglichkeit mehr geben, dass beispielsweise Mexiko oder Kanada Einspruch einlegen, wenn die USA die Einfuhr eines Produkts einschränken. Bisher konnte demnach von einem Nafta-Partner ein Schiedsgericht beauftragt werden, wobei dann zwei Richter, die von den beiden Ländern nominiert werden, über die Nafta-Konformität eines Produkts entscheiden. Dabei haben sich die USA zuletzt auch einige Male gegen Kanada und Mexiko geschlagen geben müssen.

Einig sind sich die drei Länder darin, dass man den elektronische Handel und elektronische Dienstleistungen in dem modernisierten Abkommen regeln will. Die USA möchten beispielsweise, dass Unternehmen wie Google und Facebook gesammelte Daten aus Mexiko und Kanada ohne Einschränkungen in die USA exportieren können. Eine Verbesserung für etwa Onlinehändler wollen die USA erzielen, indem sie Kanada dazu drängen, Steuern auch schon auf Waren unter 20 Kanadischen Dollar einzuheben.

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