Harvey macht auch vor den Unternehmen nicht halt

31.08.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Verbraucherpreise in Deutschland legen im August wieder zu

Die Inflation ist in Deutschland im August wieder leicht angestiegen, der Bericht des statistischen Bundesamtes (Destatis) weist einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,8% gegenüber dem Vorjahresmonat aus. Auf  Monatssicht betrug der Zuwachs 0,1%. Besonders stark beigetragen zum Preisauftrieb haben wieder die Lebensmittel. Sie verteuerten sich auf Jahressicht um 3,0%, die Energiepreise legten um 2,3% zu.

Die Teuerungsrate in Deutschland nähert sich damit bereits deutlich an die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebte Zielmarke von etwa 2,0% an. Für den gesamten Euroraum erwarten die Analysten allerdings eine deutlich niedrigere Inflationsrate. Laut Expertenschätzung dürfte diese für den August im Bereich von 1,4% liegen.

AMERIKA

US-Privatwirtschaft schafft im August deutlich mehr Arbeitsplätze

Die Beschäftigungszahlen in der amerikanischen Privatwirtschaft haben sich im August wieder stark erhöht. Nach Angaben des privaten Dienstleisters ADP wurden auf dem Privatsektor 237.000 neue Stellen geschaffen. Von den Experten wurde lediglich ein Zuwachs um 185.000 Jobs erwartet. Außerdem wurde der Wert vom Juli von 178.000 auf 201.000 Stellen nach oben berichtigt. Die ADP-Daten gelten als wichtige Maßzahl für den Arbeitsmarkbericht der US-Regierung, der am Freitag veröffentlicht wird.

ASIEN

Stimmung in den staatlichen Industriebetrieben Chinas verbessert sich wieder

Im August hat sich die Stimmung in den großen und staatlichen Industriebetrieben in China wieder positiver entwickelt. Der vom Statistikamt in Peking veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Industrie ist im August um 0,3 Punkte auf 51,7 Zähler angestiegen. Die Erwartungen der Experten lagen bei einem Rückgang auf 51,3 Punkte.

Auf Jahressicht konnte der Produktionsausstoß um 6,4% gesteigert werden, er lag damit aber unter den Prognosen der Analysten von 7,1%. Am Freitag veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin Caixin seinen Bericht zur Lage in den kleinen und mittleren Privatbetrieben.

UNTERNEHMENS-NEWS

HARVEY MACHT AUCH VOR DEN UNTERNEHMEN NICHT HALT

Der Tropensturm zwingt auch viele Unternehmen dazu, ihre Kapazitäten zurück zu fahren. Nachdem bereits der Ölriese Royal Dutch Shell den Betrieb der Ölraffinerie Shell Deer Park vor der Küste Houstons eingestellt hat, folgen nun auch größere Anlagen von BASF. Beim deutschen Chemiekonzern waren bisher nur kleinere Standorte von den Wetterkapriolen betroffen.

Nun könnte es aber auch bei größeren Anlagen wie der in Port Arthur soweit sein. Dort betreiben die Deutschen einen der weltgrößten Steamcracker - eine Anlage, die aus Rohbenzin wichtige Ausgangsprodukte für die Kunststoffherstellung gewinnt. Ein Herunterfahren dieser Anlage wäre auch entsprechend kostspielig. Die Situation werde genau beobachtet, um gegebenenfalls handeln zu können.

Wann die Anlagen von Shell wieder hochgefahren werden, steht auch noch offen. Derzeit ist noch kein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Betriebs festgesetzt.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

DEUTSCHE BUNDESREGIERUNG SIEHT TROTZ FORTSCHRITTEN BEIM FACHKRÄFTEMANGEL WEITEREN HANDLUNGSBEDARF

Die Fachkräftelücke entwickelt sich zum zunehmenden Problem für die Sicherung von Wohlstand und Wachstum in Deutschland. Die Regierung in Berlin sieht trotz Fortschritten bei der Mobilisierung von mehr Erwerbstätigen, etwa bei Frauen und älteren Menschen, großen Handlungsbedarf, wie aus dem am Mittwoch beschlossenen Forschrittsbericht zum Fachkräftekonzept hervorgeht. Das Beratungsunternehmen Prognos geht davon aus, dass bis 2030 rund drei Millionen Fachkräfte fehlen dürften, 2040 seien es knapp 3,3 Millionen.

Arbeitsministerin Andrea Nahles warnte, die Herausforderung bliebe riesengroß. Der Regierungsbericht mahne zum Handeln. Die aktuelle Ausbildungsentwicklung belege das wachsende Fachkräfteproblem. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging die Zahl der Lehrlinge 2016 zum wiederholten Male zurück. Nur noch knapp 510.000 Jugendliche schlossen Ausbildungsverträge ab, 1,3% weniger als 2015.

Achim Dercks, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), sprach von 37% der Unternehmen, die mittlerweile Problemen bei der Besetzung von Lehrstellen hätten. Dabei zahle sich Ausbildung aus: Die Arbeitslosenquote von beruflich Qualifizierten sei in den vergangenen zehn Jahren um nahezu 50% gesunken. Zugleich spürten die Betriebe die rückläufigen Zahlen bei den Lehrlingen: „Den Unternehmen fällt es zunehmend schwer, geeignete Kandidaten mit dualer Ausbildung zu finden“, erklärte der DIHK.

Die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Kerstin Andreae, warf der Bundesregierung vor, sie habe nicht rechtzeitig gegengesteuert, um den Fachkräftemangel zu dämpfen. Es gebe viele Ansatzpunkte, um zu handeln, wie einen freiwilligen späteren Beginn der Rente, flexiblere Arbeitszeiten und auch die Fachkräfte-Anwerbung im Ausland auf Basis eines Einwanderungsgesetzes. Es reiche nicht, den Fachkräftemangel zu beklagen, die Regierung müsse etwas dagegen tun, um den Wohlstand zu sichern.

Der Chef des Prognos-Beratungsunternehmens Christian Böllhoff bezeichnete die Fachkräftelücke als wachsende Herausforderung für deutsche Unternehmen. Die Lage werde sich auf mittlere Sicht massiv verschärfen und zwar über alle Branchen hinweg. „Es werden sowohl Arbeitskräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung als auch solche mit Hochschulabschluss fehlen“, stellte er fest. Unqualifizierten Arbeitnehmern dagegen drohe verstärkt die Arbeitslosigkeit.

Die Bundesregierung sieht immerhin Fortschritte. Sie sei bei der Fachkräftesicherung gut vorangekommen, wie Ministerin Nahles betonte, es müsse jedoch mehr getan werden. Als eine zentrale Herausforderung für die Zukunft führte das Ministerium noch größere Anstrengungen an, um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu erhöhen. Gleichzeitig müsse mehr in Bildung und in Weiterbildung investiert werden. Die Zuwanderung von Fachkräften sollte verstetigt und besser gesteuert werden. Schließlich müssten die Kompetenzen und Qualifikationen von Erwerbstätigen kontinuierlich den Veränderungen in der Nachfrage angepasst werden.

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