ifo-Studie: „America first“ wird für Trump zum Bumerang

13.09.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Arbeitslosenquote in Italien fällt auf Fünfjahrestief

Die Lage auf dem italienischen Arbeitsmarkt entspannt sich weiter. Für das zweite Quartal meldete das nationale Statistikamt Istat den dritten Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen in Folge. In den Monaten April bis Juni ist die Arbeitslosenrate um 0,4% auf 11,2% gefallen. Damit fiel sie besser als von den Experten erwartet aus, diese prognostizierten eine Rate von 11,3%. Die Beschäftigtenzahl verbesserte sich im zweiten Quartal auf 22,98 Millionen Beschäftigte, gleichzeitig sank die Zahl der Arbeitssuchenden von 3,00 Millionen auf 2,910 Millionen Personen.

AMERIKA

Optimismus des Kleingewerbes in den USA hält weiter an

Das Wohlbefinden der Kleingewerbetreibenden in den USA, die etwa 50% der privaten Arbeitskräfte beschäftigen, hat im August weiter zugelegt. Der entsprechende Index, der von der National Federation of Independent Business (NFIB) berechnet wird, ist von 105,2 Punkten aus dem Vormonat auf 105,3 Zähler angestiegen. Die Erwartungen der Experten lagen bei einem Indexstand von 105,0 Zählern. Der Stimmungsindex setzt sich aus 10 Komponenten wie Inflation, Investitionsstatistiken und Arbeitsbedingungen zusammen und bildet einen guten Überblick über die Trenddaten von amerikanischen Kleinunternehmen.

ASIEN

Konjunkturindex für japanische Großproduktion legt deutlich zu

Der Business Survey Index (BSI) für die Großproduktion in Japan ist für das dritte Quartal deutlich angestiegen. Er stieg von -2,9 aus dem Vorquartal auf 9,4 Zähler an. Das gab das japanische Finanzministerium am Mittwoch bekannt. Der BSI Groß-Herstellungsindex misst die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Großherstellern. Er beinhaltet die Einschätzung und Prognose der Behörde in Bezug auf die Wirtschaft, die sehr stark von der Herstellungsindustrie abhängig ist.

UNTERNEHMENS-NEWS

WIENER LINIEN SETZEN AUF SIEMENS

Der deutsche Industrieriese hat von den Verkehrsbetrieben der Bundeshauptstadt einen millionenschweren Auftrag an Land gezogen. Bis zum Jahr 2030 soll Siemens 45 vollautomatisierte Züge nach Wien liefern, sprich diese würden keinen Fahrer mehr benötigen. Der Gegenwert des Auftrags dürfte sich etwa auf 550 Millionen Euro belaufen. Die Deutschen haben sich bei der Ausschreibung gegenüber dem kanadischen Konkurrenten Bombardier durchgesetzt.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

IFO-STUDIE: „AMERICA FIRST“ WIRD FÜR TRUMP ZUM BUMERANG

Eine tatsächliche Umsetzung der Devise „Amerika zuerst“ im Welthandel würde zu einem Bumerang für US-Präsident Donald Trump werden. Einer Studie des ifo-Instituts zufolge, die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung erfolgt ist, führt die Abschottungspolitik im ungünstigsten Fall zu einem langfristigen Rückgang der US-Wirtschaftsleistung um 2,3%. Dazu wurden vom Ifo-Institut verschiedene Szenarien durchgerechnet.

Die US-Wirtschaft würde bereits Schaden nehmen, wenn man im Raum der Freihandelszone Nafta mit Mexiko und Kanada wieder Zölle und andere Handelshemmnisse wie technische Auflagen oder Dokumentationspflichten einführen würde. Der Effekt wäre aber mit langfristig minus 0,2% oder 125 Dollar für das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen noch sehr gering. Größere Nachteile würden sich einstellen, wenn die USA gegenüber allen Handelspartnern eine protektionistische Handelspolitik anwenden sollten. Nach einer Erhöhung der Zölle für Importe aus dem Rest der Welt um jeweils 20% würden im Gegenzug die US-Exporte in die meisten Länder um 40 bis 50% zurückgehen, da die US-Industrie weniger wettbewerbsfähig als bisher wäre. Dies würde zum Rückgang des langfristigen Pro-Kopf-Jahreseinkommens um 1,4% oder 780 US-Dollar führen.

Wenn die übrigen Länder - wie anzunehmen - auf eine Abschottung der USA mit den gleichen Maßnahmen reagieren, würden die Einkommen weiter zurückgehen. Schlagen sie mit 20%-Zöllen zurück, hemmt dies erheblich den Handel zwischen den USA und dem Rest der Welt. Die Importe der USA würden je nach Land um 50 bis 60% zurückgehen. Die US-Exporte würden sogar um 70% und mehr sinken. Die Folge wären hohe Einkommenseinbußen: In den USA wäre das reale Pro-Kopf-Jahreseinkommen langfristig 2,3% beziehungsweise 1.300 US-Dollar geringer.

Die in der Studie getroffenen Annahmen sind noch zurückhaltend: Aktuell drohen die USA einzelnen Ländern nicht mit 20% Zoll, sondern mit 35% und mehr. So berücksichtigt das Simulationsmodell nicht geringere Produktivitätsfortschritte, die sich bei einer Abschottung wegen des nachlassenden Wettbewerbsdrucks ergeben. Demzufolge sind die beschriebenen Entwicklungen nur die Untergrenze für den Schaden, der von Trump mit protektionistischen Maßnahmen den USA und der Weltwirtschaft zugefügt werden kann.

ÖSTERREICHS BUNDESFINANZIERUNGSAGENTUR BEGIBT 100-JÄHRIGE STAATSANLEIHE

Die österreichische Bundesfinanzierungsagentur begibt erstmals über den internationalen Kapitalmarkt eine hundertjährige Anleihe. Während die bisherigen Staatspapiere mit gleicher Laufzeit von Irland und Belgien lediglich bei ausgewählten Kunden privat platziert wurden, sorgt die Neuemission am Kapitalmarkt für Aufregung. Vor allem das geplante Volumen von mindestens einer Milliarde Euro, ist für diese lange Laufzeit eher ungewöhnlich und wird als Test gesehen, ob der Markt bei derartigen Schuldtiteln noch Potenzial sieht.

Laut der Bundesfinanzierungsagentur dürfte die Emission aber auf reges internationales Interesse stoßen. Merrill Lynch, Erste Group, Goldman Sachs und Societe Generale werden das Staatspapier am Kapitalmarkt platzieren. Nach ersten Angaben soll die mögliche Rendite zwischen 2 und 2,05% liegen und die Nachfrage sich bei über 11 Milliarden Euro einpendeln.

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