Katalonien erklärt Unabhängigkeit verschiebt diese jedoch vorerst

11.10.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Starke Umsatzsteigerung deutscher Exporteure im August dank Eurozone

Wie das statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, sind die deutschen Exporte verglichen mit dem Vormonat um 3,1% gestiegen. Erwartet wurde von Ökonomen nur 1,0% nach einer leichten Schwächephase im Sommer. Vor allem die Exporte in die Eurozone waren außerordentlich gut und bestätigen einerseits den Wachstumspfad, auf dem sich die deutsche Wirtschaft befindet, unterstreichen aber auch die Bedeutung Europas für Deutschland. Trotz Unsicherheiten in Bezug auf die künftige wirtschaftliche Beziehung von Deutschland zu Großbritannien und den USA, präsentiert sich die deutsche Außenwirtschaft global robust und wettbewerbsfähig.

AMERIKA

Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta und möglicher Beitritt von Briten nach Brexit

Die US-Handelskammer fordert die Trump-Administration zur Mäßigung bei der Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA mit Kanada und Mexiko auf. Gleichzeitig überlegt die britische Regierung englischen Zeitungsberichten zu Folge einen möglichen Beitritt zu diesem Freihandelsabkommen als Alternative zur Europäischen Union nach dem Brexit. Großbritannien möchte sich diesen Schritt vorbehalten, wenn die Gespräche über ein Freihandelsabkommen mit der EU scheitern sollten.

UNTERNEHMENS-NEWS

LVMH MIT GLÄNZENDEM QUARTAL

Der Luxusgüterkonzern legte zum Start der Berichtssaison einiges vor. Der Umsatz konnte im abgelaufenen Geschäftsquartal auf 30,1 Milliarden Euro gesteigert werden. Das entspricht einem Anstieg von 12% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und übertrifft somit die Erwartungen der Analysten, welche nur mit einem 9%-igen Anstieg gerechnet hatten. Gut lief es für LVMH in der Mode- und Lederwarensparte. Aber auch das Geschäft mit Spirituosen konnte zulegen. Der Konzern selbst zeigte sich jedoch zurückhaltend. Vor allem im Hinblick auf geopolitische Entwicklungen wolle man weiter vorsichtig sein.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

KATALONIEN ERKLÄRT UNABHÄNGIGKEIT VERSCHIEBT DIESE JEDOCH VORERST

Regierungschef Carles Puigdemont erklärte gestern vor dem Parlament in Barcelona die Unabhängigkeit Kataloniens. In seinem nächsten Satz sprach er jedoch davon, dass der Prozess vorerst ausgesetzt werden soll, um so einen Dialog mit der Zentralregierung in Madrid zu starten. In seiner Rede verurteilte Puigdemont abermals die Polizeigewalt, die beim Referendum vor einer Woche zum Einsatz kam. Dadurch hätte Katalonien das Recht gewonnen, ein unabhängiger Staat in der Republik zu werden.

Nach der Rede des Regierungschefs unterzeichneten die Abgeordneten der Regionalparlaments sowie Puigdemont selbst ein Unabhängigkeitsdokument. Die Hauptbotschaft des Dokuments: „Wir gründen die katalanische Republik, als unabhängigen und souveränen Staat.“

Die Zentralregierung in Madrid hat Puigdemonts Erklärung gestern Abend als nicht akzeptabel bezeichnet. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Saez de Santamaria betonte, dass Puigdemont die Ungewissheit Kataloniens damit nur vergrößert habe. Zahlreiche Unternehmen haben durch diese Ungewissheit bereits damit begonnen, den Firmensitz beispielsweise von Katalonien nach Valencia zu verlegen.

Ministerpräsident Rajoy hatte als Bedingung für eine Gesprächsbasis mit Katalonien zuvor den Verzicht der Ausrufung der Unabhängigkeit gefordert. Die spanische Tageszeitung „EL PAIS“ schreibt heute davon, dass Präsident Rajoy ungewöhnliche Mittel einsetzen wird, sollte Regierungschef Puigdemont die Unabhängigkeitserklärung nicht zurückziehen.

Die spanische Zentralregierung wird sich heute intensiv zu diesem Thema beraten. Mariano Rajoy ist dazu auch mit anderen Parteien im Gespräch. Eine internationale Vermittlung lehnt der Ministerpräsident ab.

OPEC-GENERALSEKRETÄR HOFFT AUF DROSSELUNG DER SCHIEFERÖLPRODUKTION

Der OPEC-Generalsekretär Mohammed Barkindo sprach in Neu-Dehli am Rande des India Energy Forums über den aktuellen Ölpreis und die zukünftige Strategie der Organisation erdölexportierender Länder. Barkindo sieht weiterhin den Abbau der hohen globalen Öl-Lagerbestände als sein Hauptziel an. Das Förderkürzungsprogramm zwischen der OPEC, Russland und neun weiteren Ölproduzenten hätte zwar die tägliche Fördermenge um 1,8 Millionen Fass gedrosselt. Trotzdem müsse das Ölkartell weitere „außergewöhnliche Maßnahmen“ treffen, um die gewünschten Ziele zu erreichen.

Der Generalsekretär der OPEC wollte bei seiner Maßnahmenankündigung nicht weiter ins Detail gehen, doch forderte er die amerikanischen Schieferöl-Produzenten auf, sich an der aktuellen Reduktion der Fördermengen zu beteiligen. Während sich die meisten Ölförderländer an das Abkommen halten, erhöhten die USA alleine in diesem Jahr ihre Öl-Produktion um fast zehn Prozent. Der Analyst von PVM Oil, Tamas Varga, sieht eine Verlängerung des aktuellen Vertrages beim nächsten OPEC-Treffen am 30. November für zu wenig an. Es dürfte wahrscheinlicher sein, dass neben der Vertragsverlängerung auch eine schärfere Ölförderkürzung in Kraft treten wird.

KOMPROMISS BEI BASEL-III-REFORM ZEICHNET SICH AB

Bei den Verhandlungen zur Reform der weltweiten Kapitalvorschriften für Banken zeichnet sich zwischen den USA und Europa laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ein Kompromiss ab. Hauptstreitpunkt ist, inwieweit Großbanken Risiken in ihren Bilanzen mit internen Modellen herunterrechnen dürfen. Dieser nach internen Modellen errechnete Kapitalbedarf („Output Floor“) soll eine bestimmte Grenze des nach einem Standard-Modell ermittelten Werts nicht unterschreiten.

Die USA fordern eine Grenze von 75%, Europa drängt hingegen auf eine Marke von 70%. Mit der Angelegenheit vertraute Personen aus Aufsichtsbehörden und Banken gehen davon aus, dass ein Kompromiss von 72,5% als wahrscheinlich gilt.

Nun liegt es am Basler Ausschuss für die Bankenaufsicht die Vereinbarung zu genehmigen. Die Top-Regulierer werden dieses Wochenende beim Jahrestag des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington vor Ort sein. Die Verhandlungen zur Basel-III-Reform ziehen sich schon länger hin.

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