EZB-Protokoll: Anleihekäufe bekommen vorerst kein klares Enddatum

24.11.2017

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Deutschlands Wirtschaft boomt trotz schwieriger Regierungsbildung weiter

Die schwierigen Regierungsverhandlungen in den letzten Wochen haben scheinbar keinen Einfluss auf das Wachstum der deutschen Wirtschaft gehabt. Der vom Markit-Institut veröffentlichte Konjunkturindex für die Industrie stieg im November überraschend deutlich um 1,9 auf 62,5 Punkte an. Die Industrie verzeichnet damit das deutlichste Wachstum seit mehr als zwei Jahrzehnten, meint dazu Markit-Experte Phil Smith.

Deutliche Zuwächse bei den Neuaufträgen, besonders aus Asien und den USA lassen die deutsche Wirtschaft weiter florieren. Im Vertrauen auf anhaltend gute Geschäfte investieren die Unternehmen nun auch wieder mehr, vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Markit-Chefökonom Chris Williamson erwartet bis zum Jahresende noch einmal eine leichte Steigerung der Wirtschaftsleistung, er rechnet mit einem BIP-Wachstum von 0,9% für das letzte Quartal.

AMERIKA

Einzelhandelsumsätze in Kanada fielen im September schwächer aus als erwartet

Die Umsätze der kanadischen Einzelhändler konnten im September um 0,1% auf 49,1 Milliarden US-Dollar gesteigert werden. Das gab das nationale Statistikamt am Donnerstag in seinem Bericht bekannt. Die Erwartungen der Analysten lagen aber mit einem Umsatzplus von 0,9% etwas höher. Am deutlichsten stiegen die Umsätze an den Tankstellen, sowie bei Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Auch die Verkäufe in Lebensmittel- und Getränkegeschäften konnten nach Umsatzeinbußen im August wieder zulegen.

ASIEN

Industriesektor in Japan verbessert sich deutlich im November

Nach den etwas schwächeren BIP-Zahlen in der letzten Woche, hat sich das Wachstum der japanischen Industrie deutlich verbessert. Für den November klettert der Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe von 52,8 Punkten aus dem Vormonat auf 53,8 Zähler im November. Das bedeutet den besten Wert seit mehr als 44 Monaten. Die Neuaufträge konnten besonders deutlich zulegen und auch das Exportgeschäft profitiert von der derzeitigen Schwäche der japanischen Währung.

UNTERNEHMENS-NEWS

SIEMENS: STELLENABBAU KÖNNTE HOLPRIG WERDEN

Die geplante Streichung von rund 6.900 Stellen stößt auf Unverständnis bei den Arbeitnehmervertretern und in der Politik. SPD- Martin Schulz verwies dabei auf die soziale Verantwortung des Industriekonzerns. Bereits im Vorfeld hatte die IG-Metall massiven Widerstand gegen die Pläne angekündigt. Gegebenenfalls sind auch Streiks im Raum. Dies sei jedoch immer das letzte Mittel, so Gewerkschaftschef Jörg Hofmann.

Siemens Chef Joe Kaeser ließ die Kritik jedoch nicht im Raum stehen. Man handle in diesem Zusammenhang vorrauschauend und reagiere bereits proaktiv auf absehbare Strukturprobleme, um langfristig Lösungen zu haben.

Der Industriekonzern hatte den Stellenabbau aufgrund der schwachen Geschäftsentwicklung in der Kraftwerkssparte angekündigt. Auch die Disposition beziehungsweise die Schließung ganzer Produktionsstätten ist geplant.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

EZB-PROTOKOLL: ANLEIHEKÄUFE BEKOMMEN VORERST KEIN KLARES ENDDATUM

Die veröffentlichten EZB-Protokolle der letzten Notenbanksitzung vom 25./26. Oktober zeigen, dass einige Notenbanker bei der letzten Sitzung Argumente für ein klares Enddatum der Anleihekäufe hervorgebracht haben. Ein weiterer angesprochener Punkt ist, dass die Anleihekäufe nicht mehr im bisherigen Ausmaß an die Inflationsentwicklung gebunden sein sollten.

Bei ihrer Oktobersitzung hatte die EZB beschlossen, die Anleihekäufe ab Jänner des kommenden Jahres zu halbieren. Dann werden anstatt 60 Milliarden nur mehr 30 Milliarden Euro pro Monat an Volumen gekauft. Ein Großteil der Notenbanker war jedoch dafür, dass das Anleihekaufprogramm mindestens bis September 2018 weiterläuft, beziehungsweise auch länger, falls dies der Fall sein sollte. Ein Enddatum wurde bei der Oktobersitzung vorerst nicht definiert. Nachdem die Markterwartungen davon ausgehen, dass die Zinsen bis einige Zeit nach dem Ende von QE nicht angehoben werden, gehen die Analysten von Capital Economics derzeit von einem ersten Zinsschritt frühestens im September 2019 aus.

VENEZUELAS STAATLICHE ÖLINDUSTRIE BRAUCHT DRINGEND AUSLÄNDISCHE KREDITE

Die angespannte Budgetlage des venezolanischen Staates macht auch vor dem größten staatlichen Ölkonzern PDVSA nicht halt. Der Ölförderbetrieb bleibt zwar weiterhin das Vorzeigeunternehmen des sozialistischen Landes, doch fehlen dringend notwendige Investitionen und Reparaturen an den vorhandenen Förderanlagen.

Mit der Rezession fiel auch die Ölproduktion Venezuelas auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren und der niedrige Ölpreis setzte PDVSA zusätzlich unter Druck. Um den Betrieb weiterführen zu können, bestätigte der Vizepräsident der Gassparte, Cesar Triana, Finanzierungsgespräche mit ausländischen Partnern. Das russische Unternehmen Rosneft, die italienische Eni, die spanische Repsol und das norwegische Ölunternehmen Statoil zeigten sich nach den Verhandlungen bereit, die gemeinsamen Öl- und Gasförderstätten weiter finanziell zu unterstützen. Damit dürfte es dem lateinamerikanischen Land möglich sein, die Ölförderung kurzfristig zu steigern, um die dringend benötigte Liquidität zu erhalten.  

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