EZB hält Leitzins auf Rekordtief und ändert Wortwahl zu Anleihekäufen

09.03.2018

KONJUNKTUR UND ZENTRALBANKEN

EUROPA

Deutsche Industrie startet mit Auftragsrückgängen ins neue Jahr

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am Donnerstag mitgeteilt, dass die deutschen Industrieunternehmen im Jänner um 3,9% weniger neue Aufträge eingesammelt haben als im Vormonat. Von den Ökonomen wurde lediglich ein Minus von 1,6% erwartet.

Der Rückgang sei auch durch die volatile Entwicklung bei den Großaufträgen bedingt gewesen, erklärte dazu das Ministerium. Ohne die Großorders wäre der Rückgang mit 2,4% deutlich geringer ausgefallen. Aus dem Inland kamen zu Jahresbeginn im Monatsvergleich um 2,8% weniger Aufträge, die Auslandsaufträge sanken zum Vormonat um 4,6%. Dank guter internationaler Stimmungsindikatoren sollte sich die positive Entwicklung der deutschen Industriebetriebe aber weiter fortsetzen.

AMERIKA

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA steigen leicht an

In der letzten Woche sind die Erstanträge auf eine Arbeitslosenunterstützung in den USA etwas angestiegen. Wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mitteilte, stieg die Anzahl der Neuanträge um 21.000 auf 231.000 Anträge an. Die Volkswirte waren nur von einem Stand von 220.000 Anträgen ausgegangen.

Der etwas aussagekräftigere Vierwochenschnitt stieg um 2.000 auf 22.500 Anträge an. Trotzdem präsentiert sich der amerikanische Arbeitsmarkt in ausgezeichneter Verfassung, die Anzahl von 210.000 Anträgen in der Vorwoche bedeutete den niedrigsten Stand seit beinahe 50 Jahren.

ASIEN

Japan setzt Geldschwemme trotz Wirtschaftserholung weiter fort

Die japanische Notenbank hat wie erwartet bei der Zinssitzung am Freitag ihre Geldpolitik unverändert belassen. Der Strafzins auf Einlagen von Finanzinstituten bleibt weiter bei 0,1%, auch die angestrebte Rendite bei zehnjährigen Staatsanleihen wird bei 0,0% belassen. Die Bank of Japan (BoJ) ist weiterhin davon überzeugt, dass ihre lockere Geldpolitik die Inflation auf die angestrebte Höhe von etwa 2,0% treiben wird. Dank anziehender Investitionen erlebt die japanische Wirtschaft derzeit die längste Aufschwungsphase seit den 1980er Jahren. Im letzten Quartal konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 1,6% gesteigert werden.

UNTERNEHMENS-NEWS

E.ON UND NISSAN SCHMIEDEN ALLIANZ

Der deutsche Energieriese und der japanische Autobauer vereinbarten eine strategische Partnerschaft und werden zukünftig im Bereich Elektromobilität zusammen arbeiten. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf das Laden von Elektrofahrzeugen und der Integration der Ladeinfrastruktur in das Stromnetz gelegt. In Dänemark sind bereits die ersten Ergebnisse dieser Partnerschaft sichtbar. Dort erhält man beim Kauf des E-Autos Nissan Leaf eine Ladestation für zu Hause und eine Energieflatrate zum Laden der Batterie.

SIEMENS-CHEF KAESER IST WENIG BEGEISTERT VON SCHUTZZÖLLEN

Beim Weltwirtschaftsforum Ende Jänner in Davos hat Joe Kaeser den US-Präsidenten noch gelobt. So würde die US-Steuerreform die Möglichkeit, bieten neue Jobs zu schaffen. Anders sieht es jedoch bei den angekündigten Schutzzöllen auf Stahl und Aluminium aus. Für Kaeser ist das ein falsches Signal an die Welt. „Nach einer großartigen Steuerreform, um neue Jobs zu schaffen, ein lausiger Ansatz zu fairem Handel. Nicht gut für Kunden, nicht gut für Jobs. Nicht gut für eine freie Welt“, twitterte er vergangene Woche. Die direkten Auswirkungen für Siemens seien jedoch gering.

AKTUELLES AUS DER WIRTSCHAFT

EZB HÄLT LEITZINS AUF REKORDTIEF UND ÄNDERT WORTWAHL ZU ANLEIHEKÄUFEN

Die Nullzinspolitik im Euroraum bleibt aufrecht. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer geldpolitischen Sitzung am Donnerstag in Frankfurt bekannt gab, verbleibt der Leitzins für die Eurozone beim Tiefstwert von 0,0%. Geschäftsbanken, die ihr Geld bei der EZB parken, müssen weiterhin 0,4% Strafzinsen zahlen.

Geändert hat die Zentralbank allerdings ihre bisherige Wortwahl zu den umstrittenen Anleiheankäufen: Der Wortlaut, das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten könnte möglicherweise ausgeweitet werden, wurde gestrichen. Das letzte Mal hatte die EZB vor genau zwei Jahren an der Zinsschraube gedreht. Im März 2016 hatten die europäischen Währungshüter den zentralen Zinssatz auf den historisch niedrigen Wert von 0,0% gesenkt. Dadurch sollte den Ländern der Eurozone eingeräumt werden, sich Kapital günstig zu leihen, um den Wirtschaftsaufschwung und die Inflation anzukurbeln.

Mittlerweile spricht die spürbare Konjunkturerholung in der Euro-Zone für eine weniger lockere Geldpolitik. Allerdings entfernte sich die Inflation im Februar mit 1,2% wieder vom angepeilten EZB-Ziel von knapp 2%. Zudem dürften Sorgen vor einem Handelskrieg mit den USA und die schwierige Ausgangslage bei der Regierungsbildung in Italien die EZB zur Vorsicht mahnen.

In der anschließenden Pressekonferenz betonte EZB-Chef Mario Draghi, dass die Inflationsrate zwar bei 1,5% liege und das voraussichtlich bis zum Jahresende. Allerdings sei die Entwicklung der zugrundeliegenden inflationstreibenden Preise noch nicht zufriedenstellend.

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