Der 45. US-amerikanische Präsident heißt: Donald Trump

Datum: 09.11.2016

Der Wahlkampf ist vorbei und der 45. US-amerikanische Präsident gewählt: Donald Trump. Lag Hillary Clinton am Abend in den Umfragen noch vorne und war als klare Favoritin in den Wahlkampf gegangen, so konnte sich Trump in letzter Minute wichtige Swing States wie beispielsweise Florida, Ohio und North Carolina sichern. Angesichts der Umfragewerte, die deutliche Vorteile für Hillary Clinton zeigten, mag dieser Wahlentscheid überraschen. Die Kapitalmärkte waren von diesen Umfrageergebnisse allerdings schon im Vorfeld nicht überzeugt. 

Der US-Aktienindex S&P 500 verzeichnete in den zwei Wochen vor der Wahl ein Minus von etwa 5%. Dabei wird es kurzfristig natürlich nicht bleiben. Die Märkte reagierten über Nacht nochmals mit Kursverlusten.

Zwischen Mauern & dem Präsidenten für alle

Das war für dieses Szenario nicht anders zu erwarten. Denn für Börsen ist Unsicherheit das größte Gift. Und davon bringt ein US-Präsident Trump reichlich mit. Er selbst nannte sein Temperament seine „wahrscheinlich größte Stärke“. Zudem sind aus dem Wahlkampf kaum echte Inhalte bekannt. Unklar ist auch, wie sehr er versuchen wird, seine wenigen Ankündigungen tatsächlich wahr zu machen.

Klar ist allerdings, dass Trump nicht für ein offenes Amerika steht. Mit seiner Skepsis gegenüber Zuwanderung und Freihandel sparte er nie. Das trübt die makroökonomischen Aussichten nicht nur für die USA ein. Auf der anderen Seite stehen Ankündigungen über fiskalpolitische Impulse und die klassischen Inhalte der Republikaner wie etwa Steuersenkungen und Bürokratieabbau. Trump könnte die Kapitalmärkte mittelfristig also durchaus positiv überraschen.

Sehr kurzfristig betrachtet, bringt der Wahlsieg Trumps die Aktienmärkte nochmals unter Druck. Positiv dürften heute dagegen Gold und Staatsanleihen reagieren, während Hochzins- und Schwellenländeranleihen ebenfalls Gegenwind spüren werden.

Sollte Trump seine Wahlversprechen wahr machen, würden Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien unter Druck geraten, während Unternehmen der fossilen Brennstoffe, insbesondere aus dem Kohlebergbau, Unterstützung erhalten.

Weitere positive Effekte für Kursentwicklungen sehen wir in steigenden Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung, die für neue wirtschaftliche Impulse sorgen könnten. Zu erwarten ist zudem eine Erholung bei Pharmawerten und den klassischen alten Industriezweigen der USA.

Auch der Ausblick auf die Geldpolitik in Europa und den USA hat sich mit dem Sieg Trumps geändert. Die Wahrscheinlichkeit für eine US-Zinsanhebung im Dezember ist heute wohl gesunken. Wie schon im Zuge des Brexits werden die Währungshüter die Effekte des Wahlausgangs auf die Finanzmärkte sehr genau studieren und gegebenenfalls für Stabilität sorgen. Auch für Europa hat die Wahrscheinlichkeit für eine weitere geldpolitische Expansion mit dem Wahlsieg Trumps zugenommen. Ob dies notwendig sein wird, werden die nächsten Wochen zeigen.

Was passiert bis zur Vereidigung des Präsidenten? Amerika wählt seinen Präsidenten in der indirekten Form, denn die Wahl vom 8. November legt erst die Wahlmänner fest. Am 19. Dezember treffen sich dann die Wahlmänner und –frauen im Electoral College, zu Deutsch Wahlmännergremium, um in den einzelnen Bundestaaten ihre Stimmen abzugeben. Die Stimmzettel werden versiegelt an den Vizepräsidenten gesandt. Per US-Verfassung sind die Wahlleute nicht an das Ergebnis der Wähler in den Bundesstaaten gebunden, jedoch haben einige Bundesstaaten dementsprechende Gesetze erlassen. Dass Wahlleute entgegen dem Wahlergebnis abstimmen, ist eher unwahrscheinlich. In einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhaus am 6. Jänner werden die Stimmen des Electoral College ausgezählt. Erst nach dieser Auszählung steht der US-amerikanische Präsident offiziell fest, um am 20. Jänner vereidigt zu werden.

Schöpferische Zerstörung

Mit diesem Wahlausgang drängen sich im weitesten Sinne Gedanken an die Idee der „schöpferischen Zerstörung“ Schumpeters auf. Manchmal ist es notwendig, alte Strukturen aufzubrechen, um neues entstehen zu lassen. Das stellte auch der US-Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olson fest. In seinem Werk „Aufstieg und Niedergang von Nationen“ beschäftigte er sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Organisationsgrad von Interessensgruppen und dem Wirtschaftswachstum.

Seiner Theorie nach wirken sich sehr starke Interessengruppen, die er historisch mit klassischen Eliten verglich, negativ auf das Gemeinwohl des Staates aus. Die verlorene US-Mittelschicht wird Olson überwiegend nicht gelesen haben. Ihr Gefühl entspricht allerdings ganz offensichtlich jenen Zusammenhängen, die Olson in diesem Werk beschreibt. Ein solcher – vielleicht notwendiger - Wandel ist mit Donald Trump wahrscheinlicher als mit Hillary Clinton.


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