Keine Angst vor steigenden Zinsen

Datum: 14.12.2016

Als die Republikanische Partei am 19. Juli Donald Trump als Kandidaten für die Präsidentenwahl der Vereinigten Staaten nominierte, verzeichneten die Zinsen in Europa und den USA historische Tiefstände. Doch nicht nur vereiste Autoscheiben am Morgen erinnern uns daran, dass der letzte Sommer weit hinter uns liegt. Auch die ökonomische Lethargie der Sommermonate ist verflogen. Die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA sorgte politisch vorsichtig formuliert „für Impulse“.

Für’s Erste hat es gereicht, die Konjunkturerwartungen nach oben revidieren zu lassen. Das Programm aus Steuersenkungen und steigenden Fiskalausgaben gibt der Wirtschaft, was sie jetzt dringend braucht: Hoffnung. Angst hemmt bekanntlich Konsum und Investitionstätigkeiten. Mit steigenden Konjunkturerwartungen nehmen dagegen auch Konsumfreude und Investitionsbereitschaft zu. Das alleine könnte dem fortgeschrittenen Konjunkturzyklus neue Energie, neue Impulse geben. Das lethargische Deflationsgespenst erscheint uns heute deshalb als fade Erinnerung an einen verregneten Sommer 2016.

Wenige Wochen nach den US-Wahlen setzte die OPEC noch eines drauf. In den beiden vergangenen Jahren verteidigte Saudi Arabien seine Marktanteile mit Zähnen und Klauen. Damit schickten die Saudis nicht nur den Ölpreis in den Keller, sondern stellten das Mandat der OPEC in Frage, für Preisstabilität zu sorgen. Die Folgen sind bekannt. Der Preis für ein Fass der Sorte „Brent Crude Oil“ erreichte am 20. Jänner dieses Jahres mit 27,88 US-Dollar ein Mehrjahrestief. Das sorgte nicht nur in Saudi Arabien für ein episches Finanzloch. International stieg der Deflationsdruck und brachte Notenbanken über den gesamten Globus zum Schwitzen. Am 30. November gab das Öl-Kartell nun aber bekannt, diesen Kurs zu stoppen. Im nächsten Jahr werde man die tägliche Produktionsmenge um 1,2 Millionen Barrel kürzen. So zumindest der Plan. Am vergangenen Wochenende stimmten auch Nicht-OPEC Mitglieder, allen voran Russland, Förderkürzungen zu. Der Ölpreis stieg seither deutlich über die Marke von 50 Dollar je Fass.

All diese Entwicklungen führten zu steigenden Inflationserwartungen in den USA und Europa. In Folge wird die US-Notenbank Federal Reserve aller Voraussicht nach am heutigen Tage den Leitzins erneut anheben. Einige befürchten nun, dass die Zeit niedriger Zinsen vorbei sei. Und tatsächlich sind etwa die Zinsen von 10-jährigen US-Staatsanleihen seit der Nominierung Donald Trumps im Juli von unter 1,4% auf über 2,4% angestiegen. In Deutschland legten die 10-jährigen Zinsen immerhin noch 0,5% auf 0,35% zu.

Ist das nun ein nachhaltiger Trend? Müssen sich Renteninvestoren auf anhaltende Kursverluste – weil steigende Renditen – einstellen? Wir meinen zumindest für das nächste Jahr: keinesfalls! Und nutzen hingegen sogar attraktive Einstiegsmöglichkeiten am Rentenmarkt. Erst müsste Donald Trump seine Fiskalpolitik wahr machen und gleichzeitig sein Wahlkampf-Protektions-Gesums vergessen. Und auch die OPEC zeigte historisch betrachtet nur wenig Disziplin, wenn es darum ging, sich selbst zu beschränken.

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