Ergebnisse zum Banken Stresstest

28.10.2014

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt beherrschen Europas Banken die Negativschlagzeilen der Medien. Geht es nach der Europäischen Zentralbank, soll jetzt damit Schluss sein.

Mit den am 26.10 vorgelegten Ergebnissen der Bankenprüfung will man endlich alle Karten auf den Tisch legen. Banken, die ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben und Kapitalbedarf aufweisen, erhalten maximal 9 Monate Zeit, diesen zu decken. Damit sind die Kernziele der Bankenprüfung auch bereits umrahmt. Der Test sollte Transparenz für die Anleger wie auch die EZB als künftige Aufsichtsbehörde schaffen und, wo nötig, Korrekturmaßnahmen anstoßen. Am wichtigsten aber: Er soll das Vertrauen in Europas Banken wieder herstellen.

Die Überprüfung

Die umfassende Bewertung, wie die Bankenprüfung genannt wird, wurde von der EZB gemeinsam mit den nationalen Aufsichtsbehörden durchgeführt. Sie umfasste 130 Kreditinstitute in 18 Mitgliedsstaaten. Dies entspricht ungefähr 82% der Bankaktiva im Euroraum. Drei Säulen bilden ihr Gerüst: Die Aufsichtsrechtliche Risikobewertung, die Prüfung der Aktiva-Qualität (Asset Quality Review – AQR) und der Stresstest. Über die beiden letztgenannten stellte die EZB den Kapitalbedarf der Institute fest. Im AQR wurde die Bewertung der Aktiva überprüft. Banken mussten nach eventuellen Bewertungsanpassungen eine harte Kernkapitalquote (CET1 Ratio) von 8% erreichen, um den Test positiv zu absolvieren. Der Stresstest basiert auf den Ergebnissen des AQR und untersucht zudem die Auswirkungen einer besonders negativen Konjunkturentwicklung auf die Bankbilanzen. In diesem „Stressszenario“ hatten die Institute eine harte Kernkapitalquote von zumindest 5,5% zu erzielenl.

Die Ergebnisse

Im AQR wurde ein Abwertungsbedarf von 48 Mrd. Euro festgestellt. Der überwiegende Teil wird zwar durch Kapitalpuffer gedeckt, doch bei immerhin 16 Banken wurde eine Unterdeckung von insgesamt 5 Mrd. Euro festgestellt. Der separate Stresstest enthüllte einen Kapitalbedarf von 25 Mrd. Euro bei insgesamt 24 Instituten. Die beiden Ergebnisse überlappen sich jedoch stark, sodass 25 Institute der Überprüfung nicht standhielten. Dies jedoch auf Basis der Bilanzzahlen per 31.12.2013. Da 12 der betroffenen Banken in Vorbereitung auf die Überprüfung bereits Kapitalmaßnahmen und andere Korrekturen durchführten, reduziert sich die Zahl der durchgefallen Banken schlussendlich auf 13 Institute mit einem Kapitalbedarf von 9 Mrd. Euro.

Ziel erreicht?

Der Stresstest kann nur insofern das Vertrauen in den Bankensektor wieder herstellen, als er selbst Vertrauen genießt. Darin liegt das Urproblem solcher Überprüfungen. Werden sie zu streng angesetzt und führen zu bösen Überraschungen, ist das Vertrauen in den Test hoch, in die Banken jedoch zerstört. Wird die Latte dagegen zu niedrig angelegt, gerät die Überprüfung zur Farce. Diese Erfahrung musste man bereits mit früheren Bankenstresstests der Europäischen Bankenaufsicht EBA machen. Damit stellt sich die Frage, ob die EZB nun das richtige Maß finden konnte. Schlussendlich werden es die Anleger zeigen, doch es gibt einige Indikatoren, die dafür sprechen. Zum einen lag die Anzahl der durchgefallenen Institute deutlich über den Erwartungen der Analysten. Dies deutet auf eine strengere Überprüfung hin als gemein erwartet wurde. Und auch einen Vergleich mit der erfolgreichen, weil glaubwürdigen, Dodd Frank Bankenprüfung in den USA muss der EZB-Stresstest nicht scheuen. Geht man vom Rückgang der harten Kernkapitalquote im Stressszenario als Indikator für die Strenge des Tests aus, so übertrifft der EZB Test mit minus 4% jenen der USA mit knapp 3% ebenfalls deutlich. Dennoch lässt sich über die Glaubwürdigkeit trefflich diskutieren. Nicht diskutieren muss man jedoch über die erfolgten Korrekturmaßnahmen, die für mehr Stabilität und Sicherheit im Bankensektor sorgen. Als Vorbereitung auf den Stresstest haben Europäische Institute alleine im heurigen Jahr 35 Mrd. Euro an frischem Kapital aufgenommen, um ihre Bilanzen zu stärken. Bereits zuvor hatte die Industrie in Folge der globalen Finanzkrise Kapital in Höhe von rund 225 Mrd. Euro emittiert. Dazu kommen 275 Mrd. Euro an Hilfsgeldern von den nationalen Regierungen. Insgesamt wurde das Eigenkapital somit in einer Höhe gestärkt, das 5% des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone entspricht.

Weitere Entwicklung

Banken, die den Test nicht bestanden haben, müssen in den nächsten 2 Wochen Pläne zur Aufbringung des notwendigen Kapitals vorlegen. Sie haben anschließend maximal 9 Monate Zeit, ihre Kapitallücken zu schließen. In etwa einer Woche, am 4. November, wird die EZB ihre Funktion als Bankenaufsicht übernehmen. Dazu kann sie nun auf die Daten aus der Bankenüberprüfung zurückgreifen. Als wesentliche Neuerung werden sich die Aufseher der EZB nun auf täglicher Basis ein eigenes Bild der Kapital- und Liquiditätsrisiken machen können.

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