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Ein 10-jähriges Jubiläum, das niemand feiern will

4 min Lesezeit

Am Donnerstag, den 9. August 2007 gab die französische BNP Paribas bekannt, drei Investmentfonds mit einem Gesamtvermögen von 1,6 Milliarden Euro einzufrieren. Alle drei waren auf Asset Backed Securities („ABS“) spezialisiert, das Epizentrum der folgenden Finanzkrise.

In den Tagen zuvor hatten Kunden versucht, hunderte Millionen Euro aus den Fonds abzuziehen. Doch der Markt war bereits ausgetrocknet.  Den Fonds war es unmöglich, ihre Anleger auszuzahlen. Da diese von Investoren auch als Geldmarktersatz eingesetzt wurden, musste die EZB mit kurzfristigen Liquiditätshilfen reagieren. Der 9. August gilt damit weithin als Beginn der folgenden Finanzkrise 2007/2008. Ein Jubiläum, das sich zum zehnten Mal jährt.

Das Ende der drei BNP-Fonds stellte bekanntlich nur den Beginn einer langen Ausfallsreihe dar. Banken, die zuvor noch als „Too Big to Fail“ galten, kamen plötzlich ins Wanken. Wall-Street Giganten wie Bear Stearns oder Lehman Brothers hörten auf zu existieren. Merrill Lynch, im Jahr 1914 gegründet, konnte nur auf Grund ihrer Übernahme durch die Bank of America gerettet werden. Doch auch die weltgrößte Bank musste mit Hilfe staatlicher Gelder gestützt werden. Ebenso wie der größte Erstversicherungskonzern der Erde, die US-Amerikanische AIG. Um eine Kernschmelze der internationalen Finanzmärkte zu verhindern, stellten Notenbanken praktisch über den gesamten Erdball hinweg konzertierte Liquiditätshilfen zur Verfügung.

Den Banken kam die Finanzkrise aber nicht nur durch Kreditausfälle und Kursverluste teuer zu stehen. Nach Angaben der Financial Times zahlten Finanzinstitute in den USA in Folge der Finanzkrise bisher 150 Milliarden Dollar Strafe. Doch bisher wurde kein einziger Wall-Street Banker verurteilt. Nicht die verursachenden Bankmanager, sondern die Aktionäre zahlten die Zeche für den Subprime Rausch. Die Boston Consulting Group rechnet sogar vor, dass der Bankensektor in den Jahren zwischen der Finanzkrise und 2016 insgesamt 321 Milliarden US-Dollar Strafe zahlte. Die zunehmenden Strafzahlungen der Geldinstitute sind allerdings nicht nur auf das Fehlverhalten in den Jahren 2000 bis 2007 zurückzuführen, als das Subprime-Segment dank findiger Investmentbanker von 100 auf 600 Milliarden Dollar und knapp ein Viertel des gesamten US-Hypothekenmarktes hochgehebelt wurde. Es sind in den letzten Jahren vor allem die zunehmenden regulatorischen Vorgaben, deren Einhaltung den Banken Schwierigkeiten bereiten und die Kassen der Finanzminister neben Banken- und Finanztransaktionssteuern klingeln lassen. Nach Schätzungen der Boston Consulting Group mussten Banken im Jahr 2011 weltweit 14.200 neue Regeln in ihren Systemen und Prozessen implementieren. Bis in das Jahr 2016 stieg diese Zahl auf 51.600 neue oder geänderte regulatorische Anforderungen an. Und es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter anhält. Das wird weitere Bankpleiten nicht verhindern, aber es wird ihre Anzahl und ihre gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen reduzieren. Die Herausforderung der Regulatoren wird in den kommenden Jahren allerdings sein, den Banken soweit Raum zu lassen, dass sie ihre volkswirtschaftlichen Aufgaben weiterhin wahrnehmen können. Denn ein gesunder Bankensektor braucht nicht nur eigenkapitalstarke Institute. Auch für ihn gelten die grundlegenden ökonomischen Voraussetzungen von Innovation und Kreativität für ein gesundes und nachhaltiges Bestehen.

Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft waren verheerend. Die US-Arbeitslosenquote stieg von 4,6% im Jahr 2007 bis 2010 auf 9,6% an. Das Bruttoinlandsprodukt sank im Jahr 2008 um 0,3%. Im Folgejahr reduzierte sich die Wirtschaftsleistung um weitere 2,8%. Ähnlich war die Entwicklung in Europa, doch mit erheblichen Unterschieden in den einzelnen Staaten. Während Länder wie Österreich und Deutschland noch vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftskrise kamen, ist die Liste jener Länder, die am Abgrund standen lange: Island, Irland, Griechenland, Zypern, Italien, Spanien und Portugal zählten zu den größten Verlierern der Krise. Einige haben sich inzwischen wieder erholt. Andere noch nicht. Spanien erreichte im Jahr 2016 erstmals wieder die Wirtschaftsleistung des Vorkrisenjahres 2007. Portugals Bruttoinlandsprodukt lag 2016 noch 5% unter dem Vorkrisenniveau. Die Wirtschaftsleistung Italiens muss noch etwa 7% wachsen, um an die Leistung des Jahres 2007 real anknüpfen zu können. Griechenland bleibt mit einem Minus von knapp 25% weit hinter allen anderen Staaten zurück. Unmöglich, dass dieses Land seine Schulden jemals voll tilgen kann. Dennoch: Die Weltkonjunktur wird in diesem Jahr nach 2010 mit voraussichtlich +3,40% das zweithöchste Wachstum seit der Finanzkrise ausweisen. Für das Jahr 2018 erwarten von Bloomberg befragte Ökonomen einen weiteren Anstieg auf +3,50%. Das Wachstum in der Eurozone könnte in diesem Jahr erstmals seit 2007 wieder über 2% liegen. Und auch in den USA wird der Zuwachs der jährlichen Wirtschaftsleistung heuer mit voraussichtlich 2,20% wieder über dem Schnitt der vergangenen Jahre liegen. Die Risiken für diese Prognosen bleiben ausgewogen. Ein Überschwang, wie in den Jahren 2006 und 2007, ist derzeit noch nicht zu erkennen.

Wolfgang Ules © Capital Bank
geschrieben von Wolfgang Ules

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