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Bitcoins: Glaube, Liebe, Hoffnung oder Blase, Boom und Blechschaden?

3 min Lesezeit

Wie halten Sie es mit den Kryptowährungen? „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist!“ (Victor Hugo) oder „Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat!“ (Bertold Brecht)? Mit diesem Zwiespalt sind Sie nicht allein.

Diese beiden Zitate längst verstorbener Literaten beschreiben aus meiner Sicht das Dilemma um die „Kryptos“ sehr genau. Sind Bitcoin und Co. eine weltverändernde Neuheit oder die Neuauflage des Tulpenwahns in der Mitte des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden? (Buchempfehlung: Mike Dash: Tulpenwahn. Die verrückteste Spekulation der Welt. Unbedingt lesen!)

Bezüglich Bitcoin & Co. sind sich auch die Experten nicht einig. Es gibt sehr unterschiedliche Lager.

Kürzlich hat sich der Ökonom Robert Shiller zu diesem Thema eindeutig geäußert: Er spricht von einer Blase. Man sollte meinen, dass Dr. Shiller weiß wovon er spricht. 2013 hat er den Nobelpreis erhalten. Sein Buch „Irrationaler Überschwang“ gilt mittlerweile als Standardwerk zum Thema „Spekulationsblasen“. Er findet, dass Bitcoin aktuell das beste Beispiel für eine Blase sei. Angesichts der Preisentwicklung muss man kein Nobelpreisträger oder Raketenwissenschaftler sein, um die Risiken einer Investition zu erkennen. Denn allein im Jahr 2017 hat sich der Preis um 500% gesteigert.

Können Sie sich erinnern, wie die Anleger im Jahr 2000 auf den Neuen Markt in Deutschland reagierten? Ich schon: Keine Aktie war zu teuer, in kurzer Zeit waren unglaubliche Renditen zu erzielen, keine Unternehmensstory war hanebüchen genug, um eine Investition zu verhindern. Alle, die man kannte, wurden schnell „steinreich“. "IPO" - initial public offering - war das Zauberwort. Jedes Unternehmen mit einer Idee ging an die Börse. IPO war kein neues Wort oder Ereignis. Es bezeichnete lediglich den Börsengang eines Unternehmens. Zum Schluss der Internet-Blase stand Ernüchterung. Viele hatten ihre Papiergewinne wieder verloren. Das waren noch die Glücklichen. Viele andere Anleger hatten nie Gewinne, die sie verlieren konnten. Sie verloren einen Großteil ihres eingesetzten Kapitals.

Heute gibt es das Zauberwort "ICO" - initial coin offering. Wie viele Kryptowährungen es aktuell gibt, kann kaum jemand sagen. Vermutlich sind es bereits über 1.000. Das ist ein Vielfaches von reellen Währungen. Tatsächlich werden die Kryptos kaum für Zahlungen von Waren und Dienstleistungen genutzt. Sie dienen fast ausschließlich der Geldanlage.

Warum funktioniert die Vervielfachung der Währung trotzdem?

Laut Shiller braucht es für die Faszination eine gute Story. Die Geschichte von Bitcoin ist einfach, aber spannend: Vor knapp 10 Jahren erfindet Satoshi Nakamoto das Zahlungsmittel. Nakamoto ist ein Pseudonym. So viel ist heute klar. Ob für eine Person oder eine Gruppe ist nicht klar. Das verleiht der Story einen mysteriösen Anstrich. Das ist gut. Geheimnisvoll ist immer gut! Und wie jeder gute Roman hat der Bitcoin einen Schurken: ANGST! Und dieser Bad Guy musste nicht einmal geschaffen werden. Es ist die fundamentale Angst vor dem Unbekannten, der Zukunft. Vor dem Hintergrund der angsteinflößenden, fortschreitenden Digitalisierung, künstlicher Intelligenz, Cyberwar & Co. würde es natürlich helfen, wenn man reich wäre. Dann wäre die Frage nach der eigenen Zukunft jedenfalls beantwortet. Alles wäre gut.

Warum aber wird die Kursentwicklung nicht so weitergehen?

  1. In Deutschland spricht man vom "Bild-Zeitungs-Indikator". Gemeint ist: Wenn die BILD eine Kapitalanlage zum Kauf empfiehlt, ist es gut, wenn man aus dem Markt geht. Das dürfte wohl auch für die Kryptos gelten.
     
  2. Auf der Mariahilfer Straße in Wien stehen die Leute an, um reelle Euro gegen virtuelle Bitcoins zu tauschen.
     
  3. Und wirklich ausschlaggebend: Mein Friseur hat mich gefragt, ob ich Bitcoin oder Ethereum kaufe?

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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