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Trump & der „König der Bankrotteure“

15.03.201815. März 2018 4 min Lesezeit

Handelszölle haben nur Verlierer. Das sagen die Wirtschaftsforscher. Trump meint, ein Handelskrieg sei leicht zu gewinnen. Wie kann man etwas gewinnen, das nur Verlierer kennt? Oder gibt es doch Profiteure? Einen Mann kann man als großen Gewinner des letzten Konflikts um Stahl bezeichnen. Er ist heute Handelsminister der USA, 80 Jahre alt, gehörte bis 2017 zu den 400 reichsten Amerikanern und wird an der Wall Street "König der Bankrotteure" genannt.

Erinnern Sie sich noch daran? 2002 erließ Bush ebenfalls Handelszölle für die Stahlindustrie. Die EU reagierte mit gezielten Gegenmaßnahmen. Die Maßnahmen Bushs halfen der angeschlagenen US-Stahlindustrie, sich zu regenerieren. Nach 21 Monaten hob Bush die Tarife wieder auf. Noch bevor die europäischen Gegenmaßnahmen einsetzten. Und es gab Gewinner: zum Beispiel Wilbur Ross. Er kaufte 2002 eine Reihe bankrotter Stahlfirmen. Der prominenteste Einkauf seiner Shopping Tour war Bethlehem Steel. Die Strafzölle von Bush halfen den Unternehmen, wieder Geld zu verdienen und erhöhten dadurch ihren Wert. Ross verkaufte die Firmen nach erfolgreicher Sanierung an den Inder Lakshmi Mittal - für 4,5 Milliarden US-Dollar. Der Reingewinn für Ross waren 260 Millionen Dollar. Wilbur Ross hat also sehr gute Erfahrungen mit Straf- bzw. Schutzzöllen gemacht. Wilbur Ross? Kennen Sie nicht? Aktuell ist der 80-Jährige Handelsminister im Kabinett von Präsident Donald Trump und dessen Nachbar in Florida und New York. Ein guter Kumpel eben. Vor 30 Jahren haben sich die Beiden kennen gelernt. Damals war Ross Chef der Insolvenz-Abteilung bei Rothschild und Trump war gerade mit seinen drei Casinos in Atlanta Pleite gegangen. Ross vertrat Trumps Gläubiger und rettete dabei die Unternehmen von Trump.

Was verursachen Handelszölle? Vorteile

Trump will “America great again” machen. Er schützt eine Branche, die nicht wettbewerbsfähig ist. Der Stahl ist zu teuer, die Erzeugung zu langsam, die Qualität nicht gut genug. Für die amerikanischen Stahlerzeuger sind Schutzzölle  zunächst positiv. Trump verschafft Ihnen  Zeit. Ein Stück weit abgeschirmt von ausländischer Konkurrenz können sie die Preise für ihre Produkte anheben. Zudem können sie ihre Produktion wohl leicht ausweiten und damit mehr Personal einstellen. Damit löst Trump ein weiteres Wahlversprechen ein. Derzeit arbeiten knapp 150.000 Beschäftigte in der US-Stahlproduktion. Ein sichtbarer innenpolitscher Sieg.

Was verursachen Handelszölle? Nachteile

Doch damit enden die guten Nachrichten für die USA. Denn die höheren Preise für Stahl und Aluminium müssen jene US-Unternehmen tragen, die diese Basismetalle für ihre Produkte benötigen. Allen voran Maschinenbauer, Bauindustrie und die Rüstungswirtschaft. In diesen Bereichen arbeiten rund 6,5 Millionen Menschen in den USA, also etwa 40 Mal mehr als in der Stahlindustrie. Da diese Unternehmen die höheren Stahl- und Aluminiumpreise wiederum an ihre Kunden weiter geben müssen, steigen die Preise ihrer Güter und verlieren damit an den heimischen wie internationalen Märkten an Wettbewerbsfähigkeit. Ein klassisches Eigentor!

Auswirkungen auf die Weltwirtschaft

Während einige Branchen in den USA und weltweit also unter den neuen Handelszöllen leiden werden, erwarten wir für die Weltwirtschaft noch keine großen Auswirkungen. Zum einen, weil bisher nur eine sehr begrenzte Anzahl an Produkten von den Zöllen belastet ist. Schätzungen legen nahe, dass etwa 0,9% der globalen Wirtschaftsleistung betroffen sind. Es ist schwer vorstellbar, dass  die Nachfrage nach diesen Produkten so weit einbricht, dass diese materielle Auswirkungen auf die Weltkonjunktur haben könnte.

Der globale Trend geht in die andere Richtung

Seit dem Amtsantritt Trumps wurde eine Reihe von internationalen Handelsabkommen ratifiziert. Darunter das Transpazifische Freihandelsabkommen CPTPP oder das CETA-Abkommen zwischen der EU und Kanada. Und auch das kommunistische China setzt seinen Weg der langsamen Öffnung weiter fort. Im diesjährigen Volkskongress wurde die Senkung bestehender Einfuhrzölle beschlossen. Und China investiert weiter Milliarden in die „Neue Seidenstraße“ um den Handel innerhalb Asiens sowie mit Europa zu stärken. Einen Handelskrieg mit den USA sucht China nicht.

Die US-Importzölle auf Stahl und Aluminium werden wenige Auswirkungen auf die Weltkonjunktur zeigen. Allerdings machen die jüngsten Attacken Trumps gegen deutsche Autobauer deutlich, dass er erst auf den Geschmack von Handelszöllen gekommen ist und damit Druck gegenüber Handelspartnern aufbaut. Trump erscheint dabei höchst berechenbar. Aber auch er weiß, dass die USA selbst unter einer Ausweitung von Handelszöllen und einer Abschottung vom Welthandel am meisten leiden würden.

Auswirkungen auf den strategischen Anteil Ihrer Kapitalanlage

Solange es bei vereinzelten Scharmützeln bleibt, sind die Auswirkungen gering. Wenn sich der „Schutz“ verschiedener Industriezweige durch Zölle verbreitet, wird er Einfluss auf die Weltwirtschaft haben und damit auf die Unternehmen. Und letztlich auf Kurse von Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Währungen. Dann muss eine Neubewertung der Situation vorgenommen werden. Auf jeden Fall gilt wie bisher: eine hohe Diversifikation (Streuung) bei gleichzeitig geringer Korrelation („Wechselwirkung“) schützt Ihr Vermögen. Trotz Trump, Ross und Zöllen.

Vertrauen ist gut. Die richtige Bank ist besser. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und finden Sie Ihren perfekten Berater unter: www.perfekterberater.at

 

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geschrieben von Mag. Wolfgang Ules

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