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In Sichtweite: Das Ende des seit 2009 dauernden Anstiegs?

21.09.201821. September 2018 4 min Lesezeit

Mit der Wirtschaft läuft es rund um den Globus bestens. Warum gibt es immer mehr Anleger und auch Wirtschaftsexperten, die mit dem Ende der aktuellen Wachstumsphase rechnen? Okay, zwischen den USA und China knirscht es, die Beziehungen zwischen den USA und Europa waren auch schon mal besser. Aber: kann ein Streit über Zölle zum weltweiten Abschwung der Wirtschaft führen? Oder gibt es noch andere Gründe für die Skepsis vieler Marktteilnehmer? Wir haben uns intensiv mit dieser Frage beschäftigt. Und nach Lösungen für den Anleger gesucht. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, welche Gründe abseits von Handelskriegen für einen Abschwung in der globalen Wirtschaft und damit den Aktienbörsen sorgen könnten. Börsen nehmen bekanntlich viele Ereignisse voraus.

Kommt die Rezession?

Lassen wir für einen Augenblick den Streit über Zölle außer Acht. Einen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung gab es bereits öfter. Auch ohne Schutz- oder Strafzölle. Wie kommt eine Rezession in Gang. Was passiert da eigentlich genau? Sie kennen doch das Sprichwort von der weichen und harten Landung, oder? Sehen wir uns einen kompletten Wirtschafts-Zyklus an. Wir beginnen in der Hochkonjunktur. Also jetzt. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob wir uns mittendrin oder am Ende dieser Phase befinden. Das kann man ja nie so genau sagen. Da ähneln sich Volkswirte und Meteorologen.

Was passiert in der Hochkonjunktur?

Die Arbeitslosigkeit sinkt bzw. ist auf einem tiefen Stand. Die Arbeitnehmer erwirtschaften für die Unternehmen Rekordgewinne. Sie wollen daran teilhaben und fordern höhere Löhne und Gehälter. Der Konsum steigt und damit der Inflationsdruck. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, erhöhen die Zentralbanken die Zinsen. Höhere Personalkosten und steigende Refinanzierung führen bei den Unternehmen zu geringeren Gewinnen. Das ist das Ende der Hochkonjunktur.

Nach jedem Gipfel kommt ein Abstieg

Die Arbeitnehmer entwickeln ein schlechtes Gefühl. Sie bekommen Angst um ihre Jobs und fürchten um die Zukunft. Also schränken sie sich ein. Getreu dem Motto: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen sinkt. Je größer die Angst, desto höher der Sparwille. Und fertig ist die Rezession.

Und warum können die Volkswirte die Entwicklung nicht genau datieren?

So einleuchtend und einfach Hochkonjunktur und Rezession klingt, ist es eben nicht. Viele Einflüsse können den Eintritt in den Abschwung verschieben –nicht verhindern-. Es könnte ja sein, dass die Mehrheit der Verbraucher gar nicht sparen will und weiterhin konsumiert. Möglicherweise treten die Notenbanken nicht auf die Bremse und belassen den Zins auf einem geringen Niveau. Vielleicht kommt ein Staatsoberhaupt daher und senkt die Kosten der Unternehmen, in dem er großzügig die Steuern senkt. Wenn auch auf Kosten der Staatsfinanzen. Denkbar sind auch begleitende Maßnahmen wie Schutzzölle.

Wie weit ist der Zyklus in der weltgrößten Wirtschaft fortgeschritten?

Die Arbeitslosenquote in den USA ist die geringste seit 50 Jahren. 1:0 für ein Ende der Phase.

Die Unternehmen steigern ihre Produktivität weiter. Ausgleich 1:1.

Das Lohnwachstum ist weiterhin schwach. Und schon führt die Mannschaft Hochkonjunktur. 1:2.

Die Notenbank FED erhöht die Zinsen allmählich. Erneuter Ausgleich 2:2.

Und irgendwann finden die fiskalpolitischen Anreize –Steuersenkung, Zölle- ihr Ende. 3:2 für Rezession.

Wie sieht es in Europa aus?

Wir haben nach wie vor in zahlreichen Regionen hohe Arbeitslosenzahlen. Zinserhöhungen sind kein Thema bis Mitte 2019, sagt die EZB. Dann haben wir die Themen BREXIT, Staatsverschuldung und einig andere. Das klingt nicht nach Ende der Wachstumsphase. Wenn das Ende des Aufschwungs droht, dann wird er wohl importiert. Aber: Wenn die größte Wirtschaft der Welt zu husten beginnt, dann werden wir auch eine Grippe bekommen. Europa ist noch immer eine exportabhängige Region und braucht die amerikanischen Konsumenten. Ein zeitlich leicht verschobener Gleichlauf der Konjunkturphasen war in der Vergangenheit zu beobachten und es gibt keinen plausiblen Grund, warum es in der Gegenwart anders sein sollte.

Die beiden letzten Rezessionen und die Rendite am Aktienmarkt

Der Einfluss der Wirtschaftsleistung auf die Börsen ist groß. Letztlich notieren dort die Aktien der Unternehmen, die den Verlauf der Wirtschaft ausmachen. Die beiden wirtschaftlichen Abschwünge im dritten Jahrtausend brachten den Aktionären einen Verlust von jeweils etwa 50 %. Das ist mächtig. Der Investor braucht anschließend eine Verdopplung, um den Wert seiner Geldanlage von vor der Krise erneut zu erreichen. Da kommen dann natürlich negative Gedanken auf, die umso größer sind, je kürzer vor dem Einbruch in den Markt investiert wurde. Oft hört man zu diesem Zeitpunkt: „Ich habe es ja gleich gewusst“, (das ist natürlich Unsinn. Wenn der Investor es gewusst hätte, hätte er nicht investiert). Auch ein häufiger Kommentar ist: „Die Aktienbörse ist nichts für mich. Alles nur Zocker und Glücksritter.“

Die Statistik beweist das Gegenteil. Der Erfolg der Kapitalanlage wird wesentlich von der Investitionsdauer beeinflusst. Nicht vom Einstiegzeitpunkt. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie erzielten Weltaktienfonds, trotz des erheblichen Einbruchs in Folge der „Lehman“-Krise, eine Rendite von 8,66 % p.a.. Lesen Sie hier mehr dazu.

Die nächste Rezession kommt sicher.

Der nächste Bärenmarkt wird vermutlich keine 50 % Verlust bringen. Warum?

Der Börsenabsturz 2000 geht als Dotcom-Blase in die Geschichtsbücher ein. Kurz vor dem Platzen der Blase, hatten die Aktien der Technologie-Branche durchschnittlich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 55. Was sagt die Zahl aus? Je höher diese Kennzahl, desto teurer ist das Unternehmen bewertet. Vereinfacht könnte man sagen, der Investor braucht 55 Jahre, um aus den Gewinnen seines Unternehmens sein Investment zurück zu erhalten. Das entspricht einer Verzinsung von 1,3 %. Der gleiche Index zeigt heute im Durchschnitt ein KGV von 19 auf. Und der S&P 500 (die 500 größten börsennotierten Unternehmen der USA) liegen im langjährigen Durchschnitt. 2000 lag das KGV hier bei 25.

Vergleichen wir die Börsenzyklen mit den Jahreszeiten, dann gehört die Baisse wie der Winter einfach dazu. Mal ist der Winter kälter mit viel Schnee. Mal ist er wärmer. Aber er kommt, verlässlich jedes Jahr. Analog dazu, gibt es Kursrückgänge an den Börsen. So richtig kalte Winter sind ebenfalls ein wiederkehrendes Ereignis. Nicht jährlich und nicht vorhersehbar. Das entspricht den Bärenmärkten an den Börsen. Temporär wiederkehrend, nicht vorhersehbar und frostig. Sie werden auch nur Bärenmärkte genannt, wenn die Temperatur – 20 ° oder weniger beträgt.

Soll man warten bis der Bärenmarkt losgeht oder bereits jetzt handeln?

Wir können es nur immer wieder sagen: Timing funktioniert nicht. Während der letzten Bärenmärkte fiel jedoch folgendes auf:

  1. die Verluste konnten durch Investition in erstklassige Anleihen reduziert werden
  2. Aktien großer Unternehmen verloren weniger als kleine oder mittelgroße AGs
  3. So genannte Substanzwerte – „Value“ – schnitten besser ab als Wachstumsunternehmen – „Growth“
  4. eine Veranlagung in wenig korrelierende Investments reduzierte die Verluste
  5. und die beste aller Lösungen: übertragen Sie die Verantwortung auf einen Spezialisten.

Sie sollten abhängig vom eigenen Gefühl beginnen, die oben erwähnten Möglichkeiten gemeinsam mit einem Spezialisten zu prüfen und zu besprechen.

Fazit

Staatsanleihen erstklassiger Schuldner in Euro werden keine Verluste aufheben können. Dazu würde es Zinssenkungen brauchen, die in Europa kaum mehr möglich sind. In den USA wären Zinssenkungen nach den letzten Erhöhungen theoretisch möglich. In der Vergangenheit war zu beobachten, dass insbesondere zu einem späten Zeitpunkt an der Aktienbörse der Gewinnzuwachs nochmals beschleunigt wurde. Ein kompletter Ausstieg wäre vor diesem Hintergrund falsch. Wie gesagt: Timing funktioniert nicht. Der Mehrwert von Spezialisten, die sich um Ihr Vermögen kümmern ist groß; sehr groß.

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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