Aktien zu teuer © Capital Bank

Sind Aktien schon zu teuer?

4 min Lesezeit

Mit jedem Tag der Kursrückgänge an den internationalen Börsen erhöht sich die Dividendenrendite und fällt das Kurs-/Gewinnverhältnis erstklassiger Unternehmen. Bereits jetzt sind keineswegs alle Aktien zu teuer. Viele Aktien sind sogar günstig bewertet. Lesen Sie, wie Sie beurteilen können, ob ein Investment günstig oder teuer ist.

Die ersten vier Monate brachten große Gewinne, bis…

Dem Blitz-Crash zum Ende des Jahres 2018 folgte in den ersten vier Monaten des Jahres ein Turbo-Rebound. Mit einem neuen Zoll-Tweet erschütterte Donald Trump Anfang Mai die Börsen der Welt. Seither verlieren die Aktien - fast - täglich.

Viele internationale Aktienbörsen haben seit Jahresbeginn bis zur Trump´schen Drohung mehr als 15% zugelegt. Einige Anleger beschäftigen nun die gleichen Fragen: Kommt jetzt der richtige Crash? Oder geht es nach einer kurzen Pause weiter nach oben und ich verpasse steigende Kurse, wenn ich dem Markt den Rücken kehre? Soll ich jetzt einstiegen? Sehr wahrscheinlich liegt die Wahrheit zwischen schwarz und weiß!

Aktien steigen seit März 2009. Seit Jahresanfang 2019 erhöht sich die Geschwindigkeit erneut.

Die Kursentwicklung internationaler Aktien seit 2009 ist hinlänglich bekannt. Sehr interessant auch, dass nur zehn Tage im Jahr die Performance bestimmen. Zu Beginn des Jahres 2018 hatten wir ein ähnliches Szenario. Lesen und vergleichen Sie die Situation.

Was müssen Sie jetzt tun?

Machen Sie es wie die Legenden unter den Investoren. Lernen Sie von Buffett, Lynch und Co. Suchen Sie Aktien, die billig sind. Vielleicht sogar weniger kosten als sie wert sind. Nutzen Sie die Korrektur an den Märkten zu Ihrem Vorteil. Klingt einfacher als gesagt –bzw. geschrieben-. Lesen Sie weiter und erfahren Sie mehr.

Inflation der Sachwerte - was ist damit gemeint?

Die Frage klingt sehr schwierig. Unter Sachwerten versteht man in diesem Zusammenhang vor allem Aktien und Immobilien. Tatsächlich kann man aber anhand einiger Kennzahlen und Vergleichen auf längere Sicht beurteilen, ob Aktien wirklich teuer sind.

Kapitalanlagen werden oft in Geld- und Sachwerte kategorisiert. Das erste Segment umfasst Lebensversicherungen, Bausparen, Festgeld, Anleihen etc. Sie sollen Zinsen erwirtschaften und das eingesetzte Kapital zurückzahlen. Anlagen, durch die Sie Mitbesitzer oder Teilhaber werden, sind Substanzwerte. Während Sie bei Geldwerten die rechtliche Stellung eines Gläubigers einnehmen, stellen Sie produktives Eigenkapital bei Sachwerten zur Verfügung.

Aktuell suggerieren viele Börsenberichte –vielleicht unabsichtlich-, dass Aktien bereits sehr teuer sind. Das stimmt nur bedingt. Viele Aktien sind nicht nur im Vergleich zu Anleihen und Immobilien günstig, sondern auch historisch.

Mit der Investition in Substanzwerte –wie Aktien- erhöhen Sie das Wertschwankungs-Risiko. Dieses Risiko wird Volatilität genannt. Durch die Börsennotiz haben Sie die Möglichkeit, jederzeit den aktuellen Wert Ihrer Anlage zu erfassen und sehen deshalb, dass Unternehmen ständig anders bewertet werden. Wenn es eine Börse für Immobilien gäbe, wäre es dort auch so. Das zeigt sich auch an den börsennotierten Aktien der Immobilien-Branche.

Steigende Kapitalmarktzinsen zum Beispiel können zu Recht als Störfeuer in Bezug auf höhere Bewertungen von Aktien bezeichnet werden. Warum das so ist, erfahren Sie im weiteren Beitrag.

Störfeuer von der Seite der Leitzinsen

Aktuell sieht es so aus, als ob die Zinsen und Renditen wohl nicht steigen werden. Eine Zinserhöhung hat die EZB bis inklusive 2020 ausgeschlossen. In den USA rechnen 70 % der Analysten mit wieder fallenden Renditen. Von dieser Seite kommt vermutlich kein Druck auf die Aktienkurse.

Droht dennoch der richtige Crash?

Ein wesentlicher Einflussfaktor –der Zins- zeigt Entspannung. Anleihen werden deshalb für die meisten Anleger keine Alternative zum Aktieninvestment sein.

Wie sieht es aber von der wirtschaftlichen Seite aus? Sind Handelsbeschränkungen geeignet, um die Weltwirtschaft zum Erliegen zu bringen?

Handelsbeschränkungen sind natürlich häufig ein Nachteil für Unternehmen und reduzieren tendenziell den Welthandel. Eine Verlangsamung der weltweiten Konjunktur ist sehr wahrscheinlich. Eine Rezession hingegen weniger. Und tatsächlich spiegelt die Börse die prognostizierte Entwicklung von Unternehmen wider. Also sehen wir uns die Aktiengesellschaften von der fundamentalen Seite an.

Wie sind Unternehmen derzeit bewertet?

Analysten, unsere Vermögensverwalter und Fondsmanager ziehen zum Zweck der Bewertung eines Unternehmens verschiedene Kenngrößen heran. Das sollten Sie auch tun, wenn Sie selbst entscheiden, welche Aktien Sie kaufen. Dadurch wird nämlich ein Vergleich innerhalb eines Wirtschaftszweiges, einer Region und historisch ermöglicht. Die Kennzahlen zeigen also, ob ein Unternehmen –machen wir es mal plastisch- wie z.B. Daimler in Relation zum Mitbewerb BMW günstig oder teuer bewertet ist (das ist keine Kaufempfehlung für Daimler oder BMW!). Und lässt einen Vergleich mit der Vergangenheit zu. Das Video zeigt, wie eindeutig z.B. das KGV eine Vorschau auf die künftige Performance der Aktie gibt.

Diese Bewertungen gehören in den Bereich der Fundamental-Analyse. Einige bekannte Kennzahlen möchten wir an dieser Stelle vorstellen:

Das Kurs-/Gewinnverhältnis

Diese Kennzahl zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen den aktuellen Gewinn erzielen muss, um den Börsenwert zu erreichen. Je kleiner die Zahl desto günstiger ist die Aktie bewertet. Jetzt muss man noch vergleichen, wie es in der Vergangenheit war bzw. der Mitbewerb bewertet ist. Und man hat eine Tendenz. Siehe auch

Das Kurs-/Buchwertverhältnis

Diese Kennzahl stellt den aktuellen Börsenwert mit dem bilanziell ausgewiesenen Buchwert des Unternehmens in Relation. Je niedriger der Wert desto günstiger ist die Aktie bewertet. Wichtig ist, dass Sie wissen, dass der Wert in verschiedenen Branchen eine andere Aussage hat. Wenn der Börsenwert bei einer Immobilien-Aktie größer 1 ist, dann müssen Sie das anders bewerten als eine Pharmaaktie mit dem gleichen KBV. Das KBV liefert also einen weiteren Hinweis.

Das Gewinnwachstum

Das ist die prozentuale Veränderung des Gewinns zum Vorjahr. Je höher das Wachstum desto besser. Aber Achtung: der Gewinn für das aktuelle Geschäftsjahr ist eine Schätzung der Unternehmensleitung und von Aktienanalysten. Die tatsächlichen Ergebnisse können positiv oder negativ überraschen, was regelmäßig zu steigenden oder fallenden Kursen führt.

Wer kennt nicht Meldungen wie „Unternehmen übertrifft eigene Ziele und das der Analysten erheblich“? Andererseits gibt es Gewinnwarnungen.

Das Price/Earning to Growth Ratio (PEG)

Das ist eine Kennzahl, die das KGV eines Geschäftsjahres mit dem erwarteten mittleren Gewinnwachstum der nächsten Jahre ins Verhältnis setzt. Ist die Zahl kleiner 1, spricht man von einer Unterbewertung, bei einer Zahl größer 1 von einer Überbewertung der Aktie. Wird häufig bei sogenannten Wachstumswerten eingesetzt.

Beispiel: eine Aktie hat ein KGV von 10. Die Analysten schätzen ein Gewinnwachstum von 20 % pro Jahr. Daraus ergibt sich ein PEG von 0,5. Die Aktien wäre erst bei einer Kursverdopplung fair bewertet.

Die Dividenden-Rendite

Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl zur Bewertung und zum Vergleich von Aktien. Die Dividendenrendite setzt die vom Unternehmen gezahlte Dividende mit dem Kurs der Aktien ins Verhältnis. Diese Kennzahl kann sowohl auf Basis der momentan gezahlten Dividende, als auch auf Basis von erwarteten künftigen Dividenden berechnet werden.

All diese Kennzahlen liefern einen Hinweis für den erfahrenen Investor.

Es gibt natürlich noch jede Menge mehr Kennzahlen, die zur Bewertung von Aktien heran gezogen werden. Trotzdem sollten Sie nun ein Gefühl haben, wie ein Unternehmen an der Börse beurteilt wird.

Analysiert man aktuell Indizes und Aktien, kann man festhalten, dass sie relativ zu vergangenen Zeiten preiswert bewertet sind. Relativ zum Return von Anleihen geradezu sehr günstig. Das KGV einer deutschen Bundesanleihe ist nicht messbar, weil der Zinssatz bei 0 % liegt. Die 10-jährige US-Anleihe hat eine Verzinsung von 2,3 % p.a. Man benötigt also 43,47 Jahre bis das eingesetzte Kapital aus den Zinsen rückgezahlt ist. Zum Vergleich: das KGV von Apple beträgt 17.

Der Vergleich zwischen den europäischen Leitzinsen und der durchschnittlichen Dividendenrendite der 50 größten Unternehmen Europas zeigt, dass Aktien im Vergleich seit 2006 mehr Dividenden zahlen als Anleihen Zinsen.

Bei der Aktienauswahl von unseren Vermögensverwaltern geht die Analyse über diese Untersuchungen weit hinaus. Sie können aus dem obigen Beitrag sehr gut ersehen, wie aufwändig eine erfolgversprechende Aktienanalyse ist. Sie können diese Aufgabe vertrauensvoll den Profis in unserem Haus überlassen und sich entspannt zurück lehnen.

Wir freuen uns auf Sie. Vertrauen ist gut, die richtige Privatbank ist besser.

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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