Biden oder Trump © Shutterstock, Unsplash, Bearbeitung: Capital Bank

Trump gegen Biden! Wer lässt den Aktieninvestor mehr zittern?

01.10.202001. Oktober 2020 4 min Lesezeit

Am 3.11.2020 wird in den USA gewählt. Trump ist gut für die Börse. Biden schlecht. Ist das wirklich so einfach?

Demnächst findet in den USA die Wahl statt, die vermutlich weltweit das größte Interesse findet: die Präsidentschaftswahl. In der „linken“ Ecke der Herausforderer Joe Biden und in der „rechten“ Ecke der republikanische Champion Donald Trump. Der Ausgang ist offen. Die Beobachter erwarten einen engen Kampf mit leichten Vorteilen für den Herausforderer. Aktuell liegt Joe Biden in den Umfragen knapp vorne. Drei der letzten fünf Präsidentschaftskandidaten konnten ihren Vorsprung aus dem Sommer des Wahljahres allerdings nicht ins Ziel bringen.

Welche Auswirkungen haben Wahlen auf die Börsenentwicklung bzw. Vermögensverwaltung?

„Wenn Ihr wollt, dass sich die Aktienkurse in Luft auflösen, dann wählt den linksradikalen Nichtstuer Joe Biden.“ So lautet einer der vielen Tweets von Donald Trump. Das fällt dann wohl in die Kategorie „Wahlkampfgetöse“ über den Nachrichtendienst Twitter.

Soweit der 74-jährige Champion.

Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Die folgende Grafik zeigt die Börsenentwicklung unter demokratischen (in blau) und republikanischen (in rot) Präsidenten seit Truman. Sie verdeutlicht, dass die grundsätzliche politische Richtung nicht entscheidend war. Richtig Pech hatte George W. Bush. In seine Amtszeit fielen das Ende des Niedergangs der Technologieaktien, die Anschläge auf das World Trade Center und die Finanzkrise von 2008.

S&P 500 seit 1945 ©Teletrader, Darstellung: Capital Bank, Stand: 01.10.2020

Quelle: Teletrader, eigene Darstellung. Stand: 01.10.2020 Hinweis: Historische Kursentwicklungen lassen keine Rückschlüsse auf zukünftige Entwicklungen zu.

 

Die Inflation hatte größeren Einfluss auf die Rendite des Portfolios

Die für Aktienanleger wenig erfolgreichen 60er, 70er und 80er Jahre waren vor allem von Inflationsängsten geprägt. Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren waren mit mehr als 15 % p.a. verzinst. Bei einem fast risikolosen Zins von 15 % muss man nicht in den volatilen Aktienmarkt investieren. Man verdoppelt inklusive Zinseszins-Effekt in nicht einmal 5 Jahren sein Vermögen. Bei paradiesischen Renditen von Staatsanleihen braucht es keinen Vermögensverwalter. Die Situation heute ist gänzlich anders. Der herrschende risikolose Mikrozins macht einen Vermögensberater bzw. -verwalter unentbehrlich.

Wahlprogramme und Einstellungen

Biden hat sein Programm bereits vorgestellt. Er übernimmt sogar Teile von der Trump-Administration. Schauen wir es uns kurz an.

  1. Die US-Unternehmen sollen wieder mehr im Inland produzieren.
  2. In die Erneuerung der Infrastruktur sollen mehrere 100 Milliarden US-Dollar investiert werden.
  3. Er bevorzugt einen offenen Welthandel und will keine Einfuhrzölle.
  4. In erneuerbare Energien will er ebenfalls investieren. Er versprach, „gleich am ersten Tag“ dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten.
  5. Er will CO2 -Emissionen besteuern.
  6. Reiche und Unternehmen sollen stärker besteuert werden.
  7. Er will einen Mindestlohn von 15 US-Dollar. Das entspricht einer Verdopplung zur aktuellen Situation.

Die Einstellungen von Präsident Donald Trump sind weitgehend bekannt.

Die eingeführte Krankenversicherung „Obamacare“ wurde sukzessive demontiert. Bei Amtsantritt 2017 wollte er neue Arbeitsplätze durch die Rückholung der Produktion schaffen. Dieses Ziel wird er weiterhin verfolgen. Ein Thema mit Streitpotenzial dürfte „Polizeigewalt“ sein. Die Annäherung an die politischen Verbündete in Europa liegt Biden mehr am Herzen als Trump. Das gilt wohl auch für die Bündnistreue in Bezug auf die NATO.

Aktiensegmente, die kurzfristig besonders profitieren könnten

Der größte Produzent von erneuerbaren Energien in den USA wird häufig als Profiteur eines Präsidenten Biden genannt. Ebenso Konsumartikelhersteller, die aufgrund vom höheren Mindestlohn mehr umsetzen sollten. Auch Laborausrüster sollten mehr verdienen, weil Biden den Forschungsstandort USA weiter nach vorne bringen will.

Viele der genannten Unternehmen sind Global Brands oder Global Innovators, in die wir in unseren Vermögensverwaltungen investieren.

Verlieren dürften unter Biden wohl Finanztitel und Fracking-Öl-Produzenten, die bei Trump profitieren dürften.

Börsenweisheit: Politische Börsen haben kurze Beine – und keinen Einfluss auf die Anlagestrategie

Die Weisheit drückt aus, dass politische Ereignisse nur kurzzeitig Einfluss auf die Börsenentwicklung haben. Viel wichtiger sind die harten Zahlen der Unternehmen. Die Wahlen haben laut John Rekenthaler, dem Vice President von Research Morningstar, keinen Einfluss darauf. „Im Lauf der Jahre habe ich zahllose Wirtschaftsprognosen gesehen, die auf politischen Überzeugungen beruhten, mit Behauptungen über die Auswirkungen und Änderungen des Steuerrechts, Änderungen der Regulierung, der Handelspolitik und so weiter.“

Fazit: mögliche kurzfristige Achtungserfolge bringen keinen Mehrwert zur professionellen Vermögensverwaltung - im Gegenteil

Die Börsen werden nur für kurze Zeit den Fokus auf die US-Präsidentenwahl legen. Längerfristig denkende strategische Investoren haben aus unserer Sicht keinen Grund, ihre Anlagestrategie zu überdenken. Es spielt letztlich keine Rolle, ob der Herausforderer aus der „linken“ oder der Champion aus der „rechten“ Ecke gewinnt. Sie können sich zurücklehnen und den Showdown entspannt verfolgen.

Die Global Brands, Emerging Leaders und Global Innovators in unserer Vermögensverwaltung haben bereits einige Regierungen und Präsidenten überdauert. Langfristig haben sie sich unabhängig davon sehr gut entwickelt. Aktienkurse scheinen mittel- und längerfristig nur eine Richtung zu kennen. Schauen Sie nochmal auf den Chart: Er zeigt eine Verdreißigfachung seit Jimmy Carter. Schauen Sie sich dazu auch dieses Video an.

Es ist sinnlos aufgrund der Präsidentenwahl in den USA seine Anlagestrategie zu ändern. Bleiben Sie investiert und nutzen Sie die Vorteile einer professionellen Vermögensverwaltung.

 

Vertrauen ist gut. Die richtige Privatbank ist besser.

 

Peter Halbschmidt, CFP, EFA © Capital Bank
geschrieben von Peter Halbschmidt

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